Verwitterung befreite Luft von Kohlendioxid

3. Juli 2009, 18:06
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Neue Studie über Klimawandel in der Vorzeit zeigt Bedeutung der Pflanzenwelt: Erde blieb vor weitgehender Vereisung verschont

London - Während des Eozän glich unser Planet einem Treibhaus, und die CO2-Konzentration der Atmosphäre lag vor etwa 45 Millionen Jahren um ein Vielfaches über dem heutigen Wert. Doch dann setzte ein langsamer, aber deutlicher Wandel ein. Das Treibhausgas wurde weniger.

Als Ursache für diese Senkung kommen laut Experten vor allem geologische Prozesse in Betracht. Die Auffaltung mächtiger Gebirge wie die der Anden und des Tibetischen Hochlands setzte riesige Mengen Gestein der Verwitterung aus. Die dabei stattfindende chemische Zersetzung von Silikaten bindet CO2 aus der Luft. Der atmosphärische Kohlendioxid-Entzug kam plötzlich zum Stillstand, obwohl die weltweite Verwitterung von Felsmassiven fortschritt. Die Erde blieb so - trotz starker Abkühlung - wohl vor einer weitgehenden Vereisung verschont. Was aber war passiert?

Ein amerikanisch-britisches Forschungsteam hat nun eine plausible Erklärung für den wundersamen CO2-Abbaustopp geliefert. In der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins "Nature" (Bd. 460, S. 85) berichten die Spezialisten über eine von ihnen entwickelte Modellrechnung, mittels derer sich die Wechselwirkungen zwischen geochemischen Prozessen, Vegetation und anderen Aspekten von Kohlenstoffzyklen per Computer simulieren ließen. Die Ergebnisse deuteten klar auf die wichtige Rolle von Pflanzenwuchs im Verwitterungsprozess hin.

Vor allem Bäume und die mit ihnen in Symbiose lebenden unterirdischen Pilzgeflechte würden die Verwitterung um den Faktor 1,5 bis fast zehn beschleunigen, so die Wissenschafter.

Vegetation in Bedrängnis

Als jedoch im Oligozän verwitterungsbedingt das CO2 knapp wurde, geriet die damalige Vegetation zunehmend in Bedrängnis. Pflanzen brauchen Kohlendioxid für ihre Fotosynthese, sie gerieten praktisch in Atemnot. Die Folge: Statt üppigen Grüns gedieh vielerorts nur noch karger Pflanzenwuchs. Infolgedessen wurde auch die Verwitterung verlangsamt und dem CO2-Abbau Einhalt geboten. Ein typischer Rückkopplungseffekt.

Für den gegenwärtigen menschengemachten Klimawandel spielt der verwitterungsbedingte CO2-Entzug aus der Atmosphäre indes keine Rolle, betonen die Studienautoren. "Dies ist eine geologische Geschichte und nichts, was sich kurzfristig auswirkt." Die Berge werden unsere Klimaprobleme somit nicht lösen können. (Kurt de Swaaf/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5. 7. 2009)

  • Pflanzen und Pilzgeflechte spielen eine bedeutende Rolle für die Verwitterung - und beeinflussen damit auch das Klima.
    foto: matthias cremer

    Pflanzen und Pilzgeflechte spielen eine bedeutende Rolle für die Verwitterung - und beeinflussen damit auch das Klima.

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