Erdgas

Gasprom dreht"Nabucco" eine Quelle ab

3. Juli 2009, 17:47

Wettlauf um das Erdgas aus Aserbaidschan: Gasprom-Chef Mille setzte seine Unterschrift unter eine Absichtserklärung mit der aserbaidschanischen Regierung

Wien - Der 29. Juni war wohl eher ein schlechter Tag für die Anhänger der "Nabucco" -Idee und überhaupt für die Energiepolitiker in der EU, die auf neue Pipelines durch den Balkan und das Schwarze Meer setzen, um das Monopol der russischen Gasprom loszuwerden. Alexej Miller, der Chef des russischen Energiekonzerns, setzte zu Wochenbeginn in Baku seine Unterschrift unter eine Absichtserklärung mit der aserbaidschanischen Regierung: Gasprom versprach als erster Abnehmer Erdgas aus dem Feld Shah Deniz im Kaspischen Meer zu kaufen - eben jener Quelle, die in erster Linie die geplante "Nabucco" -Pipeline nach Österreich speisen sollte.

Miller unterschrieb auch noch ein zweites Abkommen. Gasprom wird von nächstem Jahr an 500 Millionen - und später 1,5 Millionen - Kubikmeter Gas aus anderen Feldern der Kaukasusrepublik kaufen. Moskau ist offenbar bereit, mit 300 bis 350 Dollar pro 1000 Kubikmeter einen so hohen Preis zu zahlen, dass Gasprom dabei Verluste erleiden wird. Doch das ist es den Russen wert. Sie schießen damit weitere Löcher in das "Nabucco" -Projekt und werten ihre eigenen Pipelines nach Europa auf.

Werben um die Türkei

Auch Igor Setschin, einer der russischen Vizepremiers und ein langjähriger Vertrauter Wladimir Putins, ist diese Woche aktiv geworden. Setschin traf am Mittwoch den türkischen Energieminister und versuchte ihm den Einstieg in das "South Stream" -Projekt gefällig zu machen. "Genaue wirtschaftliche Kalkulationen, die Koordinierung aller Faktoren und die Effizienz sollten zeigen, welches Projekt das beste ist" , sagte Setschin im besten Kreml-Speak mit Blick auf "Nabucco" .

Die geplante "South Stream"-Pipeline läuft von der russischen Schwarzmeerküste zur bulgarischen Hafenstadt Burgas und teilt sich dann in einen Strang, der nach Norden bis nach Österreich und Deutschland führen soll und einen in Südwestrichtung nach Griechenland und Italien. "South Stream" soll 2013 fertig gestellt sein, bei "Nabucco" werden seit Jahren nur Absichtserklärungen abgegeben. Mitte Juli soll es wieder so weit sein. Diesmal wird in Istanbul unterschrieben - und endgültig, so versichern "Nabucco" -Kenner.

Überdruss an Beitrittsgegnern

Zuletzt hatte die türkische Regierung noch ihre Zusage an das große Gegenprojekt zu Gasprom hinausgezögert, aus Überdruss an der Fraktion der EU-Beitrittsgegner in Deutschland, Frankreich und Österreich. Die Türkei selbst erhält bereits russisches Erdgas über die "Blue Stream" -Pipeline. Die ukrainische Premierministerin Julia Timoschenko brachte noch eine weitere Farbe ins Spiel: "White Stream" soll ihrem Land Erdgas aus Aserbaidschan und Zentralasien quer über das Schwarze Meer bringen. Rumänien schließlich klärte Anfang des Jahres durch einen internationalen Schiedsspruch die Seegrenze zur Ukraine und erhielt damit Zugriff auf potenzielle Ölfelder. (mab, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.7.2009)

 

antono kolowitz
00
13.7.2009, 17:35
wir ein noch größerer Skandal als die AUA

bacherlwarm
00
13.7.2009, 17:35
Pipeline führt 40 km von Süd-Ossetien vorbei

Der Sakaschwili wird eine Rakete in die pipeline feuern, das den Russen in die Schuhe schieben - und dann haben wir den Salat!

Andrei Tchoubrikov
01
13.7.2009, 00:36
Nabucco vs. Gas-Swap

Bei der ganzen Geschichte um den Transport zentralasiatischen Gases nach Europa wird ein Moment gerne vergessen und uebersehen.

Gazprom (RU) nutzt die unterschiedliche regionale Verteilung geschickt aus, und macht sog. "Gas-Swaps", d.h. zentralasiatisches Gas geht nach rus. Sibirien und Fernost, waehrend die EU/UA russisches Gas aus dem Norden Russlands bekommen. Das erspart lange Transportwege, welche mit Nabucco jetzt in Kauf genommen (Iran, Irak, Karabach, Kurdistan !) und BEZAHLT werden muessen.

Sprich, die Lieferungen werden riskanter und das Gas teuerer. Na toll. Alles nur wegen der Russophobie und dem EU-Egozentrismus. Ohne EU waere so eine Affaire wirklich kaum moeglich.

derfalke
22
Das Nabucco-Projekt ist eine Fata-Morgana der EU.

Schade um jeden Euro, der in dieses zum Scheitern verurteilte Projekt gesteckt wird.

Die EU braucht vor allem ein gutes Verhältnis zu Rußland, dann kann man die Türkei getrost vergessen.

Firefox1
10
Ni - gaz

.. und kann dann das als stranded investment in die Gaspreiskalkulation einfließen. Zwischenzeitlich zahlen die OMV Aktionäre die Zeche in Form von ergebnisreduzierenden Good Will Abschreibungen. Den jetzigen OMV Vorstand der dieses weitere, sinnlose Projekt verfolgt kann dann auch niemand mehr zur Verantwortung ziehen, da mittlerweile im unverdienten Ruhestand.

Alexander Antonov
02
das ist eine Luge was im Standard steht

Russen haben für die bestehende Leitung einfach Gas gekauft und Aserbaidschan will in die Leitung gar nicht investrieren. Der aserbaidschischer Präsident sagte, ihm ist egal, an wem er Gas verkauft, sogar froh über andere Alternativen

Bluestone
00
Wann, wenn nicht jetzt?

Der Zeitpunkt für eine Umstellung in alternative Energien könnte nicht günstiger sein.

Mit dem Geld, das in die Autoindustrie gesteckt wird, könnte man einen Haufen Arbeitsplätze schaffen, die alternative Energien bereitstellen und forschen.

Stattdessen machen wir uns noch länger abhängig von Energieformen, die wir eigentlich los werden wollen und anderen Ländern, die die Preise diktieren und den Hahn auf.- und zudrehen, wie es ihnen passt.

Die Lobby lässt grüßen!

Genderwahnsinn0
10

Gute Idee!

Stell du dich schon mal auf alternative Energieformen um, dann ist auch wieder genug Gas für uns DAUs übrig!

Walter Bimini
10
zum glück werden wir die eu wieder los.

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