Doppelmayr baut 100 Mitarbeiter ab

3. Juli 2009, 16:57
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65 Beschäftigte am Vorarlberger Stammsitz müssen bis Ende März 2010 gehen, die Arbeiterkammer fordert einen Sozialplan

Bregenz - Die Vorarlberger Seilbahnhersteller-Gruppe Doppelmayr wird bis Ende März kommenden Jahres konzernweit 100 Mitarbeiter abbauen, davon 65 am Stammsitz in Wolfurt (Bezirk Bregenz). Die Auftragslage für 2010 und die Prognosen für 2011, besonders für Nordamerika, seien weiter rückläufig, begründete Unternehmenssprecher Ekkehard Assmann die Maßnahme. Betroffen sind Mitarbeiter quer durch alle Bereiche. Bereits im März 2009 baute das Unternehmen 20 Beschäftigte am Firmensitz ab. "Die Wirtschaftskrise trifft uns stärker als angenommen", so Assmann.

Zwar sei der österreichische Markt stabil, und auch die Märkte in Italien, der Schweiz und Frankreich bewegten sich im Rahmen der vergangenen Jahre, doch gebe es große Probleme in Nordamerika, so Assmann. In den USA und Kanada bremse die Immobilienentwicklung auch jene in den Skigebieten. Man verzeichne starke Rückgänge, eine Erholung sei nicht in Sicht. "2008 haben wir noch um die 15 Seilbahnen im nordamerikanischen Raum gebaut, heuer sind es vier", verdeutlichte Assmann.

Auch im osteuropäischen Raum, der sich in der Vergangenheit als Wachstumsmarkt erwiesen hatte, gab es Einbrüche. Hier wirke sich das zögerliche Investitionsverhalten negativ aus. Durch die weltweit vorsichtigere Vergabe von Krediten werde die Finanzierung schwieriger. Einige Projekte seien auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Dennoch arbeite man weiter an einigen Großprojekten, etwa in Las Vegas und in Sotschi.

Bis Ende 2010

Der angekündigte Mitarbeiterabbau soll bis zum Ende des Geschäftsjahres am 31. März 2010 abgeschlossen sein. Man habe versucht, die Rückgänge über Überstunden- und Urlaubsabbau zu kompensieren, das habe jedoch nicht ausgereicht, so Assmann. Kurzarbeit sei für Doppelmayr wegen des projektorientierten Geschäftsfelds nicht sinnvoll. Die betroffenen Beschäftigten seien informiert, man habe mit allen eine gute Lösung gefunden.

Ob im kommenden Jahr ein weiterer Mitarbeiterabbau nötig sein wird, sei "derzeit seriös nicht beantwortbar", erklärte der Sprecher. Die Prognosen seien zu unsicher.

Zum Ende des vergangenen Geschäftsjahrs 2007/2008 arbeiteten für die Doppelmayr-Gruppe in Wolfurt 1.015 Mitarbeiter, weltweit waren es 2.605. Das Betriebsergebnis der Gruppe sank 2008 gegenüber dem Vorjahr von 132,1 auf 89,3 Mio. Euro. Der Umsatz belief sich auf 679,7 Mio. Euro (2006/07: 658,8 Mio. Euro).

Arbeiterkammer fordert Sozialplan

Der Vorarlberger Arbeiterkammer-Präsident Hubert Hämmerle hat einen Sozialplan für die betroffenen Beschäftigten gefordert. "Bis zu 100 Arbeitnehmer der Firma Doppelmayr verlieren ihren Job in einer wirtschaftlichen Zeit, in der es schwierig sein wird, am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen", betonte der AK-Präsident. Ein Sozialplan sei nötig, damit die Mitarbeiter "nicht völlig im Regen stehen gelassen werden".

Auch das Thema Arbeitsstiftung müsse angegangen werden. "Es kann nicht sein, dass die Mitarbeiter über Jahre hinweg hart für ein Unternehmen arbeiten und dann von einem auf den anderen Tag ohne finanzielle Unterstützung dastehen", so Hämmerle.

Bei Doppelmayr sieht man das anders. Man habe mit jedem Mitarbeiter in Einzelgesprächen unter Einbeziehung des Betriebsrats und der Personalabteilung versucht, die bestmögliche Lösung zu finden. "Das ist unseres Erachtens besser als ein Sozialplan, der auf das Individuelle nicht eingeht", so Ekkehard Assmann. (APA)

 

 

 

  • Luftig ist es derzeit nicht nur für die von Doppelmayr produzierten Gondeln - auch 100 Mitarbeitern weht eisiger Wind entgegen.
    foto: doppelmayr

    Luftig ist es derzeit nicht nur für die von Doppelmayr produzierten Gondeln - auch 100 Mitarbeitern weht eisiger Wind entgegen.

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