"Master-Beschränkungen treffen FH-Studierende besonders hart"

3. Juli 2009, 16:26
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Wallerberger, stellvertretender ÖH-Vorsitzender, über Unis, die keine FH-Studenten wollen

Ohne die Vertreter der Fachhochschulen (FEST) geht in der ÖH nichts mehr. Das zeigte sich nicht zuletzt bei der Wahl der ÖH-Bundesvertretung. Auf Anhieb schafften es die Fachhochschüler im Vorsitz der ÖH mitzuwirken. Zum Stolperstein könnte für diese ÖH-Exekutive allerdings die fehlende Mehrheit im Studentenparlament werden. "Es ist sehr unsicher, wie sich die anderen Fraktionen verhalten werden", stimmt auch Thomas Wallerberger (FEST) zu. DerStandard.at sprach mit dem ersten Stellvertreter von ÖH-Vorsitzender Sigrid Maurer (GRAS) über fehlende Mobilität zwischen den Hochschulen und die politische Ausrichtung der FEST. Die Fragen stellte Teresa Eder.

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derStandard.at: Die Fachhochschulen sind seit dieser Wahl in der ÖH vertreten und nun auch gleich im ÖH-Vorsitz. Haben Sie damit gerechnet, dass die Fachhochschulen sofort das Ruder übernehmen würden?

Wallerberger: Ich habe schon damit gerechnet, weil es aufgrund der Mehrheitsverhältnisse vorauszusehen war, dass sich die Fachhochschulen in irgendeine Richtung bewegen müssen, um Exekutivbildungen überhaupt möglich zu machen. Die Fachhochschulen haben immerhin 16 Mandate. (Anm.: AG hält 22, GRAS 15 Mandate)

Es wäre für die Fachhochschulen und für alle beteiligten Personen natürlich ein bisschen angenehmer gewesen, sich das zuerst einmal zwei Jahre anzusehen. Diese Option hat aber nicht bestanden. Es ist schon gut, dass wir jetzt die Themen der Fachhochschulen transportieren können, aber es geht alles sehr schnell.

derStandard.at: Warum die Zusammenarbeit mit der GRAS und nicht mit dem VSStÖ?

Wallerberger: Geplant war eine GRAS-VSStÖ-FEST Koalition. Das war nicht möglich, weil das Wahlverhalten in der konstituierenden Sitzung sehr kurios war.

Warum die Wahl auf GRAS und VSStÖ gefallen ist, ist aus Sicht der Fachhochschulen einfach zu erklären. Wir hatten den Eindruck, dass unsere Inhalte mit den beiden Fraktionen am besten umsetzbar sind. 

derStandard.at: Welche Ziele und Inhalte sind das?

Wallerberger: Für die Fachhochschulen steht die Novellierung des Fachhochschulstudiengesetzes ins Haus, wo es einige Punkte gibt, die wir aufgreifen werden. Zum Beispiel endlich Mitbestimmungsmöglichkeiten und studienrechtliche Standards zu schaffen, die vergleichbar sind mit anderen Hochschulen. Die Frage der Studiengebühren stellt sich, da es hier eine Ungleichbehandlung gibt.

derStandard.at: Gibt es Bereiche, wo Unis und Fachhochschulen einander diametral gegenüberstehen und deshalb im Vorsitz auch keine gemeinsame Linie gefunden werden kann?

Wallerberger: Man muss immer anerkennen, dass es zwei verschiedene Hochschultypen sind. Allerdings sind alle Teil des tertiären Bildungssektors. Es gibt meiner Meinung nach sehr viele Berührungspunkte, wo man gemeinsam und nicht getrennt Konzepte ausarbeiten sollte. Aber es stimmt natürlich schon: wenn es um Zugangsbeschränkungen geht, muss man auch differenzieren können.

derStandard.at: Wieso?

Wallerberger: Die Zugangsbeschränkungen für Masterstudien, die kommen sollen, treffen FH-Studierende besonders hart. Es ist absehbar, dass die Universitäten diese Plätze dann ihren eigenen Absolventen vorbehalten wollen. Das wird einen sehr großen Effekt haben. Es ist jetzt schon schwierig, nach einem FH-Studium an der Universität weiterzustudieren. Da stellen sich die anderen Hochschulen sehr oft quer. Das darf eigentlich nicht sein. Die Idee des Bologna-Prozesses ist ja, dass jeder Bildungstitel, egal von welcher Hochschule, gleichwertig ist und man die nächst höhere Ausbildung machen kann. Wir fordern vom Bologna-Prozess das ein, was er verspricht: nämlich die Mobilität zwischen den Hochschulen.

derStandard.at: Sie haben zuerst die studienrechtlichen Standards angesprochen. Welche Defizite gibt es an den Fachhochschulen?

Wallerberger: Es gibt ein Kollegialorgan, wo viele Entscheidungen getroffen werden. Dieses haben aber nur Fachhochschulen, die auch den Rang einer Fachhochschule besitzen. Es gibt Fachhochschulen wie etwa die FH Wien, die nur Studiengänge hat und deshalb auch kein FH-Kollegium. Dadurch wird die Mitbestimmung sehr stark eingeschränkt. Wichtig wäre auch die Einführung einheitlicher Prüfungsmodalitäten. Es muss einen ordentlich geregelten Instanzzug geben.

derStandard.at: Nachdem der ÖH-Vorsitz keine Mehrheit hat, wird die Arbeit einigermaßen schwierig werden. Könnte das auch zum Stolperstein werden?

Wallerberger: Natürlich kann das sein. Es ist sehr unsicher, wie sich die anderen Fraktionen gegenüber dieser Exekutive verhalten werden. Eine Abwahl ist nicht einfach, aber es geht auch ums Budget und Referentenposten, die gewählt werden müssen. Prinzipiell ist es unsere Idee, die ÖH Bundesvertretung sehr offen zu halten.

derStandard.at: Sind derzeit alle FH-Vertreter in der FEST eingegliedert sind?

Wallerberger: Die Frist läuft noch bis Montag. Viele Listenbeitritte sind noch auf dem Postweg. Es wird auf jeden Fall eine überwältigenden Mehrheit aller FH-Studierendenvertreter beitreten.

derStandard.at: Lässt sich die FEST im politischen Spektrum einordnen?

Wallerberger: In kein ideologisches Spektrum, aber natürlich in ein politisches, weil wir ja auch Bildungspolitik und Sozialpolitik betreiben. Da muss man politisch arbeiten.

derStandard.at: Ist die FEST beispielsweise für einen freien Hochschulzugang?

Wallerberger: Jeder Mensch sollte die gleichberechtigte Möglichkeiten haben, um ein Studium aufzunehmen. Unter diesem Aspekt kann man auf jeden Fall sagen, dass die FEST für einen freien Hochschulzugang ist. (Teresa Eder/derStandard.at, 03.07.2009)

  • Die Beteiligung der Fachhochschulen am ÖH Vorsitz war für Wallerberger aufgrund der Mehrheitsverhältnisse "vorraussehbar".
    foto: standard/cremer

    Die Beteiligung der Fachhochschulen am ÖH Vorsitz war für Wallerberger aufgrund der Mehrheitsverhältnisse "vorraussehbar".

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