Magenverkleinerung ohne Skalpell

3. Juli 2009, 10:14
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Eingriff erstmals durch den Mund - Vielversprechende Ergebnisse laufender Studien

Chicago - Immer mehr fettleibige Menschen wissen sich gegen die überflüssigen Pfunde nicht mehr anders zu helfen als mit einer Magenverkleinerung. Eingriffe mit Skalpell könnten für sie aber bald Vergangenheit sein. Denn mit einem schonenden Verfahren erreichen Chirurgen den Magen nun auch durch Mund und Speiseröhre. In Studien zeichnen sich vielversprechende Resultate ab.

Bisher gelten Operationen als letzte Möglichkeit, die ausufernde Körpermasse in den Griff zu bekommen. Voraussetzung ist in Deutschland meist ein Körper-Masse-Index (BMI) von mindestens 35. Weltweit ist die Nachfrage enorm - mit steigender Tendenz: Allein in den USA, wo mehr als 15 Millionen Menschen an starkem Übergewicht leiden, begeben sich dieses Jahr über 200.000 Menschen in die Hände von Chirurgen, um ihre Korpulenz loszuwerden.

Klammern oder Bänder

Auch die Verwaltungsangestellte Liliana Gomez aus Los Angeles wollte einen solchen Eingriff wagen. Anfangs sollte sich die Mutter dreier Kinder zwischen zwei Verfahren entscheiden. Bei der gastrischen Bypass-Operation verkleinern Ärzte den Magen mit Klammern auf die Größe eines Golfballs, und der Weg der Nahrung wird umgeleitet. Bei der zweiten Technik wird dagegen ein Teil des Magens mit einem Band abgeschnürt. Unproblematisch sind beide Eingriffe nicht: Denn sie verhindern nicht nur die Aufnahme lästiger Kalorien sondern auch von wichtigen Nährstoffen. Die Patienten müssen sich danach lebenslang Vitamine oder Mineralien zuführen.

Vorigen Sommer hörte die 35-jährige Frau dann von einer neuartigen Technik, die ganz auf das Skalpell verzichtet. "Als ich erfuhr, dass die Operation auch durch den Mund vorgenommen werden konnte, dachte ich 'Prima, das ist ja was ganz Anderes'", erzählt sie.

Risikominimierung

Im August leiteten Ärzte ihr dann einen Schlauch durch die Speiseröhre in den Verdauungstrakt. Dort verengten sie mit Klammern die Verbindung zwischen oberem und unterem Magen. Dadurch gleitet die Nahrung langsamer durch das Organ, und beim Essen wird man schneller satt. Die neue Technik soll Infektionsrisiken und auch Schmerzen minimieren. Zudem entfallen die hässlichen Narben, und die Patienten erholen sich schneller von dem Eingriff.

Das noch nicht zugelassene Verfahren wird gerade in Studien an 100 Europäern und 200 Amerikanern getestet, die per Losentscheid entweder die neue Methode erhalten oder aber nur eine Scheinbehandlung. Wie der Chirurg Gregg Nishi vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles auf einem Fachkongress in Chicago berichtete, gab es bei den Eingriffen bis auf Verletzungen der Speiseröhre bislang keine größeren Komplikationen. Bei den von Nishi selbst behandelten 25 Patienten, von denen acht die Scheinprozedur erhielten, kam es bisher zu keinerlei Problemen.

Erfolg auf der Waage

 

Und auch die Gewichtsbilanz kann sich sehen lassen: Die europäischen Patienten verloren laut Nishi binnen 18 Monaten im Mittel 45 Prozent ihres Körpergewichts und nahmen damit sogar noch stärker ab als nach der konventionellen Magenverkleinerung. "Ich bin sehr beeindruckt", sagt der Chirurg und spricht von einer "existenzfähigen Alternative".

Gomez hat seit ihrer Operation im August bisher 18 Kilogramm verloren. Da ihre Essensportionen inzwischen nicht einmal mehr halb so groß sind wie vor dem Eingriff, rechnet sie fest mit einer weiteren Gewichtsabnahme.

Auch Scott Shikora, Präsident der Amerikanischen Gesellschaft für Metabolische und Bariatrische Chirurgie (ASMBS), spricht von einem neuartigen und aufregenden Ansatz. Aber bisher bleibt er vorsichtig: "Noch ist es zu früh, von einem Durchbruch zu sprechen."

Die meisten US-Chirurgen bevorzugen demnach noch die konventionellen Vorgehensweisen. Und man müsse abwarten, welche Nachteile das neue Verfahren mit sich bringe, mahnt Shikora. In der US-Studie werden die Patienten nach dem Eingriff mindestens ein Jahr lang nachbeobachtet. Die abschließenden Resultate werden im kommenden Jahr erwartet. (APA/AP)

 

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    Eine chirurgische Magenverkleinerung birgt Risiken für die übergewichtigen Patienten.

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