Pflegeheim in St. Pölten evakuiert

3. Juli 2009, 09:42
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Zahlreiche Murenabgänge nach Gewittern im Pinzgau - Katastrophenalarm in Teilen der Steiermark

St. Pölten/Salzburg - Heftige Regenfälle haben am Donnerstagabend erneut Feuerwehreinsätze in Teilen Niederösterreichs erfordert. Betroffen waren elf Bezirke, davon besonders Horn, Mistelbach, St. Pölten und Tulln. In Maria Anzbach im Bezirk St. Pölten musste ein Alters- und Pflegeheim evakuiert werden: 31 großteils bettlägerige Bewohner wurden in den ersten Stock getragen, weil das Erdgeschoß zehn bis 20 Zentimeter unter Wasser stand.

Der Keller des Gebäudes wurde komplett überflutet, schilderte Michael Lang, Sprecher der öffentlichen Feuerwehr. "Im Erdgeschoß schoss das Wasser regelrecht durch die Zimmer." Ein kleines Rinnsal im hinter dem Haus gelegenen Wald hatte sich in einen reißenden Wildbach verwandelt. Die Wassermassen entwickelten eine solche Wucht, dass Fensterstöcke eingedrückt wurden. Türen mussten zur Entlastung aufgebohrt werden. Der Strom fiel aus, der Liftschacht war ebenfalls überschwemmt. Die Einsatzkräfte brachten die Bewohner in Sicherheit, indem sie sie - teilweise samt ihren Betten oder nur auf Matratzen - ins Obergeschoß trugen. Mit sechs Tauchpumpen wurde versucht, den Wasserstand im Gebäude zumindest nicht weiter steigen zu lassen. An die 130 Feuerwehrleute standen bis 3.00 Uhr früh im Einsatz. "Nebenbei" musste im Ort noch eine überflutete Tiefgarage ausgepumpt werden.

Nachteinsatz

Ebenfalls die ganze Nacht hindurch hatte die Betriebsfeuerwehr des NÖ Landhauses in St. Pölten zu tun, um mehrerer Wassereintritte Herr zu werden. Eine besonders heikle Situation herrschte im Haus 15B2, im Serverraum des digitalen Behörden-Funksystems TETRA, wo sich Wasser im Zwischenboden gesammelt hatte. Da die lebenswichtigen TETRA-Funkserver für Polizei, Feuerwehr und Rettungsorganisationen in Niederösterreich vom Boden her gekühlt werden, musste neben der Absaugung des Wassereintrittes die Überhitzung der Server entgegengewirkt werden. Es gelang, einen Schaden für das Behördenfunksystem zu vermeiden.

Im Haus 8 wurde durch die Regenfälle der Abflusskanal verstopft, wodurch im ersten und zweiten Obergeschoß Wasser austrat. Hier waren vor allem der Gangbereich und der EDV-Verteilerraum betroffen. Im Haus 5 waren die EDV-Zentrale und der Garagenbereich gefährdet. Im Bereich der Baustelle für die neuen Werkstätten kam es in der Druckerei zum zweiten Mal zum Wassereintritt.

Murenabgänge im Pinzgau

Gewitter mit Wolkenbrüchen haben am Donnerstagnachmittag auch im Salzburger Pinzgau gleich mehrere Murenabgänge und lokale Überschwemmungen verursacht. Besonders betroffen waren die Städte bzw. Gemeinden Zell am See, Mittersill, Maria Alm, Rauris und Bruck an der Glocknerstraße. Die Feuerwehren und Straßenmeistereien waren bis in die späten Abendstunden mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt, so die Polizei.

Die Gewitter hatten sich kurz nach 17.30 Uhr entladen. In Zell am See wurde die Thumersbacher Landesstraße auf einer Länge von mehr als zwei Kilometern von Muren an mehreren Stellen verlegt. In Maria Alm stand die Hochkönig Bundesstraße unter Wasser, und in Mittersill wurden mehrere Felder durch eine Schlammlawine verwüstet. In Rauris wurde im Seidlwinkltal ein Weg vermurt, und auch in Bruck gab es Überschwemmungen. Dort kam es nach einem Blitzeinschlag auch zu einem Brand in einem Bauernhof, den der Landwirt aber sofort bemerkte und selbst löschen konnte.

Katastrophenalarm in der Steiermark

In der Steiermark haben die Landeswarnzentrale und der Feuerwehrverband eine erste Einsatzbilanz vorgelegt: Rund 100 Menschen mussten in mehreren Bezirken wegen drohender Erdrutschungen ihre Häuser verlassen. Insgesamt waren knapp 6.000 Feuerwehrmänner sowie rund 230 Bundesheersoldaten im Hilfseinsatz.

Noch immer herrschte am Freitag in rund 70 Gemeinden in den Bezirken Feldbach, Fürstenfeld, Weiz und Liezen Katastrophenalarm, so Kurt Kalcher, Leiter der Katastrophenschutz-Abteilung im Land Steiermark. Auch am Donnerstag musste in Gröbming (Bezirk Liezen) wieder ein Haus wegen Gefahr im Verzug evakuiert werden. Andere Bewohner durften dafür wieder zurück in ihre vier Wände, so Kalcher. Insgesamt seien rund 50 Gebäude akut und weitere 50 latent gefährdet. Sie stünden praktisch unter ständiger Beobachtung der Experten.

Für die steirischen Feuerwehren war auch der Donnerstag kein Tag zum Ausruhen: Unwetter sorgten in den Gemeindegebieten von Passail, Arzberg (beide Bezirk Weiz) sowie in Stanz (Bezirk Mürzzuschlag) für über die Ufer tretende Bäche. Die B24 (Hochschwab-Bundesstraße) musste wegen einer drohenden Hangrutschung zwischen Wildalpen und Weichselboden (Bezirk Liezen) für den Verkehr gesperrt werden. Nach wie vor nicht passierbar ist die L367 zwischen Edelsbach und Krumegg (Bezirk Graz-Umgebung).

Thomas Meier, Sprecher des Landesfeuerwehrverbands, erklärte in seiner Einsatzbilanz, dass seit Beginn der Hochwassersituation 344 Feuerwehren ihre Hilfsdienste leisteten. Am meisten Freiwillige rückten im Bezirk Feldbach, gefolgt von Radkersburg, Leibnitz und Liezen aus. Insgesamt waren 5.962 Helfer in den vergangenen zehn Tagen im Einsatz. (APA)

  • In weiten Teilen des Landes kam es auch in der Nacht zum Freitag wieder zu Überschwemmungen. In Teilen der Steiermark herrscht nach wie vor Katastrophenalarm - im Bild Aufräumarbeiten nach einem Murenabgang in Tagensdorf.
    foto: pressedienst feuerwehr/fink

    In weiten Teilen des Landes kam es auch in der Nacht zum Freitag wieder zu Überschwemmungen. In Teilen der Steiermark herrscht nach wie vor Katastrophenalarm - im Bild Aufräumarbeiten nach einem Murenabgang in Tagensdorf.

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