Not zwingt kleine Film-Produktionen zu Online-Vertrieb

3. Juli 2009, 08:26
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Hollywood dreht Independent-Film den Hahn zu - Konzentration auf Blockbuster

Filmemachern, die sich vorwiegend auf kleinere Independent- und Kunstfilmproduktionen spezialisiert haben, weht in Hollywood ein zunehmend schärferer Wind entgegen. Da sich die großen Produktionsstudios immer weiter aus dem Independentgeschäft zurückziehen, haben alternative Filmprojekte offenbar nur mehr eine sehr geringe Chance, überhaupt einen Vertriebspartner für das eigene Machwerk zu finden. Dies führt dazu, dass viele an sich sicherlich sehenswerte Streifen den Sprung auf die Kinoleinwand entweder gar nicht mehr schaffen oder auf diesem Weg nur ein sehr eingeschränktes Publikum erreichen können. "Was Filmfestivals betrifft, ist nun bereits die erste Hälfte des Jahres vorbei. Wenn man sich das bisherige Filmangebot genauer ansieht, lässt sich kaum übersehen, dass es so gut wie keine Independentproduktionen gibt, die von den Studios aufgegriffen werden", kritisiert ein aktueller Bericht des US-Branchenblattes Variety.

Konzentration auf Blockbuster

"Die Lage für kleine Filmemacher in den USA ist inzwischen extrem schwierig geworden. Dadurch, dass die Verleiher zunehmend vor dem Risiko zurückscheuen, eine Independent-Produktion in ihr Repertoire aufzunehmen und sich fast ausschließlich nur noch auf Hollywood-Blockbuster konzentrieren, haben sie keine Leinwände mehr zur Verfügung, um ihre Werke einem breiteren Publikum präsentieren zu können", stellt Hannes Brühwiler, Leiter des "Unknown Pleasures - American Independent Film Fest Babylon", fest. Die Not habe die Betroffenen aber erfinderisch gemacht und dazu geführt, dass heute immer mehr Filmemacher im Internet selbst die Vermarktung und den Vertrieb der eigenen Produktionen in die Hand genommen hätten. "Das Web bietet hier über den Weg des Video-on-Demand-Prinzips die Möglichkeit, einen Film direkt an das interessierte Publikum zu vertreiben. Der Siegeszug der digitalen Technologie hat aber auch gleichzeitig eine Verschärfung des Konkurrenzkampfes unter den einzelnen Independent-Filmemachern mit sich gebracht", erläutert Brühwiler.

Erfolgreicher "Wrestler"

Laut Variety-Bericht ist Fox Searchlight mittlerweile eines der letzten großen Studios, das sich noch verhältnismäßig ausgiebig im Independentbereich engagiert. Das 1994 als Unterabteilung von 20th Century Fox gegründete Unternehmen hat erst im vergangenen Herbst mit dem Aufgriff des US-amerikansichen Sportlerdramas "The Wrestler" auf dem Toronto International Film Festival durchaus einen Achtungserfolg erzielen können. "Wir wollen nicht die Einzigen sein, die die gesamte Bürde des Independent-Kinos auf unseren Schultern tragen", erklärt Tony Safford, Head of Acquisitions bei Fox Searchlight. Ohne ein entsprechendes Engagement anderer Studios wie New Line Cinema, Paramount Pictures oder Warner Brothers, gäbe es plötzlich 20 bis 30 Filme, für die sich kein Vertriebspartner mehr finde. (pte)

  • "The Wrestler" mit Mickey Rourke wurde mit zwei Golden Globes prämiert
    foto: thewrestlermovie.com

    "The Wrestler" mit Mickey Rourke wurde mit zwei Golden Globes prämiert

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