Rotstift bei Reisebudgets ist Hilfe für Videokonferenzen

3. Juli 2009, 08:15
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Nach einem schlechten Start in den 90er-Jahren beginnen Videokonferenzsysteme dank Breitband-Internet und hochauflösender Bildtechnik Fuß zu fassen. Sparen bei Reisebudgets gibt zusätzliche Unterstützung.

Eigentlich ist es Basisausstattung von Science-Fiction-Serien seit den 60er-Jahren: Videokonferenzen in Lebensgröße. Aber obwohl die Technologie dafür heute leicht verfügbar und erschwinglich ist, hinkt die Realität nach. Jetzt helfen Wirtschaftskrise und Rotstift bei Reisebudgets nach.

30 Prozent Zuwächse

"Wir verzeichnen in den beiden vergangenen Jahren Zuwächse von rund 30 Prozent, und auch heuer wächst der Markt zweistellig", sagt Martin Fortmüller, dessen Firma Eltax in Wien Videokonferenzsysteme verschiedener Hersteller liefert. Dennoch bleibt die weltweite Zahl eingesetzter Systeme relativ bescheiden, geschätzte 1,5 Millionen Systeme, die in Konferenzräumen installiert sind. 3000 bis 4000 Stück dürften es in Österreich sein, Eltax verkaufte im Vorjahr rund 150. Zwei Firmen, Polycom (USA) und Tandberg (Norwegen) halten je 35 Prozent Anteil.

"Die Krise hilft, weil es das uralte Thema Videokonferenz wieder in die Köpfe bringt", sagt Fortmüller. Ein holpriger Start in den 90er- Jahren habe viel kaputtgemacht, damals waren Systeme extrem teuer, qualitativ schlecht und kompliziert zu bedienen. Heute sind die Systeme so einfach wie Telefone zu benutzen und mit Ausnahme von Cisco, die vor einigen Jahren in High-End-Telepresence einstiegen, zueinander kompatibel.

Routinetreffen und Verkaufsgespräche

"Durch Videokonferenzen werden nichtentscheidende Verhandlungen oder Verkaufsgespräche ersetzt, des Weiteren viele Routinetreffen, Kontakte zu Lieferanten oder Kunden", sagt Fortmüller. "Während der EU-Präsidentschaft wickelte Österreich viele Besprechungen mit Brüssel über Video ab", nennt er ein Beispiel. Diese Systeme werden weiterhin verwendet.

Skype, sagt Fortmüller, kann bei der sozialen Adaption von Videocalls helfen, für Firmen ist es derzeit jedoch ungeeignet, weil IT-Abteilungen keine Kontrolle darüber haben. Rund 4000 Euro kostet ein System (HD-Kamera und Display, Software), einzelne PCs mit Webcam können um 120 Euro dazugeschaltet werden. Die Ausstattung von Konferenzräumen beginnt bei rund 300.000 Euro, nach oben ist die Preisskala offen. Ein Vorteil der von Polytec verwendeten Hintergrundprojektion (statt Displays): Die Kameras filmen unsichtbar in Augenhöhe, womit sich Teilnehmer in die Augen blicken können. (Helmut Spudich/ DER STANDARD Printausgabe, 3. Juli 2009)

  • Blick mir in die Augen: Telepresence von Polycom verbirgt die Kamera in Augenhöhe hinter der Leinwand, was Augen-kontakt ermöglicht. Große Konferenzsysteme simulieren echte Treffen.
    foto: polycom

    Blick mir in die Augen: Telepresence von Polycom verbirgt die Kamera in Augenhöhe hinter der Leinwand, was Augen-kontakt ermöglicht. Große Konferenzsysteme simulieren echte Treffen.

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