Mitten in Mauer: Filmen, ehrenamtlich

2. Juli 2009, 18:33
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In der No-Budget-Produktion "Marie hat voll die Krise" probiert Johanna Rieger das, woran der ORF mit "Mitten im Achten" scheiterte: eine Sitcom fürs junge Publikum - Zu sehen Freitag auf Okto

Leider. Die letzte Szene muss noch einmal gedreht werden. Wieso? Für außenstehende Setbesucher sah das perfekt aus. Nicht für Johanna Rieger: Die aufgeschlagene Krempe des Sonnenhutes von Hauptdarstellerin Pia Hirzer hätte beim letzten Satz punktgenau - durch leichtes Nicken der Trägerin ausgelöst - nach unten kippen sollen, findet die Regisseurin. Aufs Nicken wurde vergessen, also blieb die Krempe oben und also muss die Szene noch einmal gedreht werden: "Jetzt aber bitte auf den Hut nicht vergessen", fordert Rieger ein. Beim nächsten Mal klappt es. Hirzer nickt zur richtigen Zeit. "Super gemacht!", lobt die Mama. Sowohl in der Sitcom Marie hat voll die Krise als auch im richtigen Leben ist Pia Riegers Tochter.

Das hat weniger mit üblichem Protektionismus in der Filmbranche zu tun als mit den Produktionsbedingungen. Marie hat voll die Krise ist eine No-Budget-Serie, die im Bürgerfernsehen Okto läuft. Alle arbeiten ehrenamtlich und sind voller Idealismus dabei.

Alle ehrenamtlich 

Alle, das sind ein Tonmeister, im Hauptberuf Okto-Öffentlichkeitsarbeiter, drei sich abwechselnde Kameramänner und neben Hirzer und Rieger die Jungschauspieler Benedikt Gudenus und Julia Prock- Schauer. Die Kamera stellte Okto zur Verfügung. Produktionsleiter Markus Götsch durfte dafür in einer Szene mitspielen. Rieger hat ihr Geschäft gelernt, spielte im Theater Experiment und schreibt Drehbücher fürs Fernsehen. Alle zwei Monate trifft das Team zusammen, wenn das Drehbuch zur neuen Folge steht, kommt Tochter Pia aus Berlin und steht drei Tage vor der Kamera.

In Marie hat voll die Krise geht es um die halbwüchsigen Freunde Marie, Niki und Frederik, die Probleme des Heranwachsens auf ihre Art bewältigen: "Jeder von ihnen sucht seinen Platz im Leben", erzählt Hirzer. "Quarterlife-Crisis", nennt es die Mutter und schöpft aus dem vollen jugendlichen Krisenrepertoire: Schule, Drogen, (Homo-)Sexualität, Zukunftsfragen. Jung sein sei, wie vor einem "vollen Kleiderschrank zu stehen", sagt Rieger: "Du weißt nicht, was du anziehen sollst!"

Das klingt nach einer eigenständigeren Version von Mitten im Achten - für die der ORF pro Folge 50.000 Euro ausgab, wovon die Marie-Crew träumen kann: Rieger ist Regisseurin und Autorin, sie schneidet, organisiert, stattet aus, sorgt für die richtige Kleidung der Schauspieler und schminkt sie selber. Gedreht wird im Privathaus in Mauer, das den kurzfristig verreisten Eltern von Riegers Lebensgefährten gehört. Sonst überfüllte Setplätze präsentieren sich bei Marie moderat bevölkert: Rieger sitzt am Boden, kontrolliert am Monitor die Szene. "Wie eine Droge" ist das Drehen für sie. In der Folge geht es um Starruhm. Und was, wenn der ORF jetzt käme und mit Geld und Professionalität ausstattete? Rieger bleibt skeptisch: "Ich weiß nicht. Dann reden 1000 Leute mit, und es wird wieder nichts." (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 3.7.2009)

  • Und Action! Regisseurin Johanna Rieger (Mi.) beim Dreh zur Okto-Produktion "Marie hat voll die Krise". Schauspieler an der Arbeit: Julia Prock Schauer (li.), Benedikt Gudenus, im Hintergrund Pia Hirzer.
    foto: standard/corn

    Und Action! Regisseurin Johanna Rieger (Mi.) beim Dreh zur Okto-Produktion "Marie hat voll die Krise". Schauspieler an der Arbeit: Julia Prock Schauer (li.), Benedikt Gudenus, im Hintergrund Pia Hirzer.

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