Karl Malden 1912–2009

02. Juli 2009 17:47

Der US-Schauspieler, berühmt als Charakterdarsteller in Filmen wie "Endstation Sehnsucht" und als bärbeißiger Ermittler in den "Straßen von San Francisco", ist 97-jährig in Kalifornien gestorben

Los Angeles - In John Fords spätem Western Cheyenne Autumn (1964) hat der große Schauspieler Karl Malden eine verhältnismäßig kleine Rolle: Im Drama über den langen, aussichtslosen Kampf der letzten Cheyenne um Selbstbestimmung verkörpert er einen deutschstämmigen Fort-Kommandanten. Das Verhalten seiner Figur ist wenig rühmlich, es provoziert in winterlicher Eiseskälte einen verzweifelten Ausbruch und ein Massaker. Und in dem Moment, als der Offizier der dutzenden Leichen, des von ihm verschuldeten Grauens ansichtig wird, außer sich gerät und irre wird über diesem gespenstischen Anblick - in diesem Moment versteht man, weshalb es auch für diese Nebenfigur eines Darstellers von Format bedurfte.

Als solcher war Karl Malden zum damaligen Zeitpunkt bereits etabliert. Seine erste Karriere als Filmschauspieler hatte spätestens 1951 gezündet, als er in Elia Kazans Tennessee-Williams-Adaption Endstation Sehnsucht neben Vivien Leigh und Marlon Brando auftrat - und im Jahr darauf einen Oscar dafür erhielt.

Kazan hatte Malden noch in den späten 30er-Jahren in New York kennengelernt, wo er als Schauspieler erste Berufserfahrung sammelte. Der 1912 als Mladen Sekulovich in Chicago geborene Arbeitersohn war bereits als Teenager in Amateurinszenierungen seines serbischen Vaters auf der Bühne gestanden. Nach Schulabschluss hatte er jedoch zunächst in einem Stahlwerk gearbeitet, bevor er mit 22 doch eine Ausbildung an einer Theaterschule begann. 1938 heiratete er seine Kollegin Mona Greenberg, das Paar bekam zwei Töchter.

Nach den ersten Erfolgen wurde bald Hollywood der Lebensmittelpunkt der Familie. Der Mann mit der markanten Knollennase, welche ihn nach eigenen Aussagen als romantischen Helden disqualifizierte, war für Kazans Die Faust im Nacken 1955 erneut für einen Oscar nominiert, Baby Doll (1956) markierte das Ende der fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen dem Charakterdarsteller und dem Regisseur. Malden stand beispielsweise für Marlon Brandos Regiearbeit One-Eyed Jacks (1961) vor der Kamera. Er drehte mit jüngeren Kollegen wie Warren Beatty (All Fall Down, 1962) oder Steve McQueen (The Cincinnati Kid, 1965) und ab 1972 vor allem mit Michael, dem Sohn seines Kollegen Kirk Douglas.

Maldens Einsätze als Detective Lt. Mike Stone in den Straßen von San Francisco bescherten dem damals bereits 60-jährigen eine späte Zweitkarriere beim Fernsehen. Eine dritte, die den Schauspieler vor allem für viele seiner Landsleute dauerhaft präsent hält, war schließlich sein rund zwanzigjähriger lukrativer Einsatz als Werbeträger für American Express Travellers' Cheques und sein mit Nachdruck intonierter Slogan: "Don't leave home without them!"

Vor rund zehn Jahren hatte der Schauspieler in der TV-Serie West Wing ein letztes Engagement. Am Mittwoch ist Karl Malden 97-jährig in Brentwood, Kalifornien, an Altersschwäche gestorben. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.7.2009)

Zur Nachlese die Meldung mit Video und  Posting-Würdigungen: Karl Malden 97-jährig gestorben


Benzino Napoloni
03.07.2009 07:38
Wenn ich mich an Szenen aus SF erinner,...

... in denen er bei Verfolgungsjagden zu Fuß mit Hinweis auf sein fortgeschrittenes Alter dem jungen Douglas den Vortritt lies, hatg er sich danach immerhin doch sehr sehr lange gut gehalten.

Krawutzikapuzi
03.07.2009 09:20
wie wahr

nachdem er 1912 geboren wurde, war er ja 1972 nicht mehr ganz a junger Bub....und 1972 ist jetzt 37 jahre her.....gut kombiniert...Sherlock.

learningbydoing
02.07.2009 23:02

Es ist beruhigend, wieder einmal von einem Künstler (Schauspieler) zu erfahren, der so richtig alt geworden ist...

Jürgen Rembremerding
 
02.07.2009 18:39
Nach dem Foto dachte ich, Sepp Blatter ist tot!

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