Sony steckt zum 30. Geburtstag des Walkmans in der Krise

2. Juli 2009, 16:03
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Milliardenverluste, fehlende Verkaufshits und starke Konkurrenz trüben Jubiläumsfeier zu drei Jahrzehnten Walkman

Sony feiert dieser Tage den 30. Geburtstag des Walkmans. In den 80er- und 90er-Jahren war der tragbare Kassettenspieler dermaßen erfolgreich, dass Sonys Produktname "Walkman" zum Synonym für derartige Geräte wurde. Doch 30 Jahre nach Einführung von Sonys einstigem Zugpferd steckt der japanische Hersteller in einer Krise. Der Markenname Walkman lebt zwar in digitalen Musik-Playern und Musik-Handys von Sony Ericsson weiter, doch seit dem Auftauchen von Apples MP3-Player hat die Welt ein neues Synonym für akustische Unterhaltung unterwegs gefunden: iPod.

Prototyp in vier Tagen

Die Geschichte des Walkmans begann mit einer Reise von Sony-Mitbegründer Masaru Ibuka. Da er auf einer Geschäftsreise im Flugzeug seine eigene Musik hören wollte, bauten seine Techniker in vier Tagen ein Sony-Diktiergerät um und statteten es mit Kopfhörern aus. Schnell wurde klar, dass diese Idee nicht nur Ibuka, sondern Menschen auf der ganzen Welt begeistern könnte und Sony brachte 1979 den ersten Walkman auf den Markt.

Soundabout und Stowaway

Dabei war durchaus nicht von Anfang an klar, dass Sonys Geniestreich auf der ganzen Welt den Namen Walkman tragen sollte. Ursprünglich hatte der Konzern vor den Player, der zuerst in Japan und erst später in anderen Ländern lanciert worden war, in den USA als "Soundabout", in Großbritannien als "Stowaway" und in Schweden als "Freestyle" in den Handel zu bringen. Anscheinend hatte sich der Name "Walkman" jedoch schnell über Japans Grenzen hinaus herumgesprochen, sodass man dabei blieb.

Ära der digitalen Musik

Im Lauf der Jahre spendierte Sony dem Walkman neue Technologie: CD, Mini-Discs und letztendlich MP3 und Video. Doch im Zeitalter der MP3-Player hat nicht Sony die Führung übernommen, wenngleich viele Menschen der Meinung sind, dass diese Rolle eigentlich dem japanischen Konzern zukommen sollte. Immerhin hat Sony bereits Ende der 90er einen Walkman mit Memory Stick für digitale Musiktitel auf den Markt gebracht. Im Herbst 2001 zauberte jedoch Apple seinen ersten iPod hervor mit 5 GB Speicher für digitale Musikstücke und starte damit eine Erfolgsgeschichte, der Sony seither nichts entgegensetzen konnte.

Walkman-Handys

Seit dem Marktstart von 30 Jahren gingen insgesamt 385 Millionen Walkman über die Ladentische. Im Vergleich dazu hat Apple alleine in den acht Jahren seit Einführung des iPods allerdings über 219 Millionen Geräte verkauft. 2005 präsentierte Sony das erste Handy der Walkman-Reihe. Insgesamt wurden in der Reihe bislang 100 Millionen Geräte verkauft, die jedoch zahlreiche unterschiedliche Modelle umfasst. Apple war hier mit dem iPhone vergleichsweise spät dran, das erst 2007 auf den Markt kam. Eine kumulierte Verkaufszahl aller drei iPhone-Modelle gibt es offiziell nicht. Es sollen aber über 10 Millionen sein, meint Uli Taller von Apples österreichischer PR-Agentur. Das iPhone 3GS soll sich jedenfalls in den ersten drei Tagen nach Markteinführung über 1 Million Mal verkauft haben, hatte Steve Jobs vor kurzem bekannt gegeben.

Tief in der Krise

Sony benötigt allerdings dringend einen Verkaufshit wie den Walkman. Im vergangenen Fiskaljahr 2008/09 musste Sony mit 98,9 Milliarden Yen (756 Millionen Euro) den ersten Verlust seit 14 Jahren verbuchen. Für das Geschäftsjahr 2009/10 geht der Konzern von einem einen Betriebsverlust von 110 Milliarden Yen (849 Millionen Euro) aus. Sony hat daraufhin ein massives Sparpaket geschnürt, das die Schließung von drei japanischen Werken, die Entlassung Tausender Zeitarbeiter und die Halbierung der Zuliefererzahl vorsieht. Auch das Handy-Joint-Venture Sony Ericsson ist ins Trudeln gekommen und benötigt eine Finanzspritze von 100 Millionen Euro.

Playstation auf Platz 3

Der japanische Konzern versucht sich derzeit vor allem mit der Playstation 3 von der Konkurrenz abzuheben. Doch die geforderte, aber bislang nicht durchgesetzte Preissenkung und zu wenigen Spielehits bringen auch die Konsole in Bedrängnis. Die Playstation 3 rangiert derzeit mit 22 Millionen verkauften Konsolen hinter Microsofts Xbox (30 Millionen) und dem Konsolen-König Wii mit 50 Millionen verkauften Spielgeräten. Sony-Kenner gehen jedenfalls von einer Preissenkung zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft aus.

Hitverdächtiges PSP-Handy?

Während die Walkman-Handys keine Begeisterungstürme auslösen, bietet indes ein eigenes PSP-Handys, an dem Sony angeblich arbeitet, höheres Enthusiasmus-Potenzial. Die japanische Zeitung Nikkei hatte vor kurzem berichtet, dass der Konzern ein derartiges Handy gegen Apples iPhones in Stellung bringen wolle. Laut dem Analysten Kazuharu Miura vom Daiwa Institute of Research sei das aber keine neue Idee und er rechne nicht damit, dass Sony bald mit einem derartiges Gerät vorstellen werde.

Jubiläum

Zum 30. Geburtstag des Walkmans hat sich Sony jedenfalls eine eigene Ausstellung in Tokyo geschenkt, die verschiedene Produkte und Meilensteine in der Geschichte des Konzerns zeigt und zahlreiche Medien ehren den Kassettenspieler mit ausgedehnten Bildstrecken. Die BBC hat zudem einen ganz besonders Experiment zum Jubiläum "gewagt": ein 13-jähriger Bub hat seinen iPod eine Woche gegen den klobigen 80er-Jahre-Hit getauscht und einige für ihn erstaunliche Entdeckungen gemacht, die in der Generation der 80er und 90er sicher liebe Erinnerungen an Kindheit und Jugend wach rütteln. (Birgit Riegler/ derStandard.at 5. Juli 2009)

  • TPS-L2 (1979): fast 400 Gramm schwer und so groß wie ein kleines Buch
    foto: sony

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  • WM 2 (1981): mehr Farben, schlankeres Gehäuse
    foto: sony

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  • WM-W800 (1985): keine Schönheit, aber mit Aufnahmefunktion
    foto: sony

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  • WM-DX100 (1991): schicker, schlanker und mit Fernbedienung
    foto: sony

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  • MZ-E2 (1994): MiniDisk statt Kassette
    foto: sony

    MZ-E2 (1994): MiniDisk statt Kassette

  • NW-MS7 (1999): der Memory-Stick-Walkman, Musik wird digital
    foto: sony

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  • X-Serie (2009): OLED-Touchscreen 
    foto: sony

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