Kür- und Pflicht: Rauch-Kallats Strukturreformen

20. März 2003, 14:56
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Konflikte in Folge notwendiger Reformen bei Sozialversicherung scheue sie nicht - "Kür" ihrer Arbeit werde Ausbau der Vorsorgeuntersuchungen sein

Wien - Strukturreformen bei der Kranken- und Unfallversicherung nennt Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) als Schwerpunkte ihrer künftigen Tätigkeit. Es müsse möglich sein, bei allen Kassen moderne Managementstrukturen einzuführen - auch wenn sie wisse, dass das "nicht ohne Konflikte" gehen werde, so Rauch-Kallat am Donnerstag im Management Club. Für den Ausbau des Vorsorgebereiches kann sie sich die Einführung von "Vorsorgepässen" in Schulen vorstellen.

Nach einer internationalen Studie liege Österreich bei den Gesundheitskosten an sechster Stelle, beim Gesundheitszustand aber nur an der 17. Stelle. "Offensichtlich" müsse man daher bei der Kosten-Nutzen-Analyse ansetzen. Sie wolle bei allen Kassen moderne Strukturen einführen, meinte die Sozialministerin. Es sei nicht einzusehen, dass es keine einheitlichen oder kompatiblen IT-Systeme gebe oder eine durchgängige Patientenbetreuung unabhängig vom Träger nicht möglich sei.

"Keine Tabus" bei Strukturreformen

Doppelgleisigkeiten sollten abgebaut werden. In diesem Zusammenhang sei auch die Reform der AUVA zu sehen. Diese sei "Weltspitze" bei der Versorgung Verunfallter und bei der Rehabilitation. Es sei aber fraglich, ob die AUVA auch für die Ausbezahlung der Unfallrenten zuständig sein müsse, oder ob dafür nicht die Pensionsversicherungsanstalt besser geeignet wäre.

Bei den Strukturreformen dürfe es "keine Tabus geben". Notfalls will sich Rauch-Kallat auch gegen den Widerstand der Betroffenen durchsetzen. "Ich suche den Konflikt zwar nicht, scheue ihn aber auch nicht", sagte sie. Und weiter: "Reformunwilligkeit und -verweigerung" werde sie wohl "im Konflikt lösen müssen".

Als "Kür" ihrer Arbeit nennt sie den Ausbau der Vorsorgeuntersuchungen. Diese müssen bereits im Schulalter ansetzen. Sie könne sich vorstellen, in der achten Schulstufe einen Schwerpunkt "Gesundheitserziehung" zu setzen und Vorsorgepässe für die 14-jährigen einzuführen. Ein diesbezügliches Gespräch mit Bildungsministerin Elisabeth Gehrer habe es bereits gegeben. Ziel sei es, die Vorsorgeuntersuchungen auf 1,5 Mio. bis zum Ende der Legislaturperiode zu verdoppeln.

Bei der Frauenpolitik will sie die Gleichstellung zwischen Männern und Frauen, die es de jure bereits gebe, auch de facto erreichen. Das will sie über Bewusstseinsbildung, Maßnahmen beim Berufseinstieg und über die Schiene verbesserter Aufstiegschancen erreichen. Bei der Pensionsreform, verspricht Rauch-Kallat, dass diese "nicht zu Lasten der Frauen geht". (APA)

  • Maria Rauch-Kallat
    foto: standard/cremer

    Maria Rauch-Kallat

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