Online-Werber nutzt Krieg zur Datensammlung

20. März 2003, 14:36
posten

Umfrage ist in Wahrheit Konsumentenfalle - Datenbank umfasst bereits Informationen von mehr als 20 Millionen Personen

Der Online-Werber Silver Carrot wittert im Irak-Krieg die Chance zum großen Geschäft. Seine Online-Umfrage zum Irak-Krieg kann nur beantwortet werden, wenn ausführliche Angaben über die eigene Person gemacht werden. Nicht ohne Grund: Schließlich muss ja ein "kostenloses" T-Shirt mit dem Aufdruck "God Bless America" an jeden Umfrageteilnehmer zugestellt werden. Lediglich Porto- und Bearbeitungskosten von fast sechs Dollar muss der glücklich Beschenkte berappen, wie er auf einer Unterseite erforschen kann. Zugestellt wird nur in den USA.

Alter Trick

Der Trick ist nicht neu: auf verschiedenen Websites werden Banner eingeblendet, die dem Leser eine Frage stellen und ihn zur Beantwortung einer Umfrage einladen. Und da selten eine Frage die US-Amerikaner so sehr bewegt hat, wie der jetzt begonnene Irak-Krieg, schaltet SilverCarrot kurzerhand Banner mit der Frage: "Should America go to War?" Zwischen den Bildern von Saddam Hussein und dem mit dem Irak eigentlich nicht in Zusammenhang stehenden Osama bin Laden werden die Surfer beschworen: "Your Vote is Needed!"

Datenbank umfasst bereits Informationen von mehr als 20 Millionen Personen

In Wahrheit wird aber nicht die Stimme benötigt, denn nirgends sind Auswertungen dieser und früherer Umfragen (etwa ob man glaube, dass "Chicago" den Oscar für den Besten Film erhalten werde") zu finden. Der Direktvermarkter ist vielmehr an Userdaten interessiert, um diese seiner nach eigenen Angaben bereits mehr als 20 Mio. Personen umfassenden Datenbank einzuverleiben. Neben den automatisch erhobenen Informationen wie benutztes Betriebssystem, Browserversion und dergleichen müssen jene, die ihre Stimmen abgeben und ein T-Shirt erhalten wollen, Vorname, Nachname, Adresse samt Postleitzahl, Bundesstaat und Land angeben, dazu noch Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum sowie Geschlecht. Die Angabe des Anfangsbuchstaben des zweiten Vornamens ist dagegen optional – wie auch die erwünschte Einwilligung in die Zusendung von Werbung von zehn weiteren Firmen. Mit der Angabe der Daten hat man sich laut Privacy Policy aber sowieso bereits mit Werbemails, -post und –anrufen einverstanden erklärt und ist auch bereit, jegliche Änderungen der Bestimmungen sofort nach Veröffentlichung auf der Website yourfreeprize.com automatisch zu akzeptieren.

Big Brother lässt grüßen

Allerdings könnte es doch wahrhaftig an der Antwort auf die Kriegsfrage Interessierte geben: Die Geheimdienste. Tausende eindeutige Stellungnahmen verknüpft mit genauen Angaben über die jeweilige Person dürfte einigen Big Brothers das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. (pte)

  • Artikelbild
    bild: pte
Share if you care.