Creme gegen Neurodermitis aus Wien

20. März 2003, 11:47
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"Elidel" soll einen ähnlichen Effekt wie Cortison haben - aber ohne dessen Nebeneffekte

Wien - Hilfe ohne Besorgnis über allfällige Nebenwirkungen: Die am Novartis Forschungsinstitut (NFI) in Wien entwickelte Creme "Elidel" mit dem Wirkstoff Pimecrolimis hat bei Neurodermitis (atopische Dermitis) einen ähnlichen Effekt wie Cortison - allerdings ohne die Nebeneffekte. "Das wird a la longue die Cortison-Cremen in dieser Anwendung weitgehend verdrängen", erklärte Mittwoch Abend der Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie am Wiener AKH, Univ.-Prof. Dr. Klaus Wolff, bei einem Pressegespräch im NFI.

Wolff, dessen Abteilung mit der Grundlagenforschung über Immunvorgänge in der Haut Pionierarbeit geleistet hat und von Anfang an in den klinischen Tests mit "Pimecrolimus" engagiert war: "Die atopische Dermatitis ist eine genetisch determinierte Erkrankung. Es juckt, es tut weh, die Haut ist entzündet - und das Kind ist verzweifelt. Es kann nicht schlafen. Damit schläft die Mutter nicht, der Vater nicht. Die Krankheit ist sehr häufig. Man kann rechnen, dass ein Viertel der Bevölkerung irgendwann in ihrem Leben an Neurodermitis leiden."

Steigende Tendenz

In 75 Prozent der Erkrankungen tritt das Leiden bereits in im ersten Lebensjahr auf. 90 Prozent der Betroffenen haben die ersten Probleme bis zum fünften Lebensjahr. Univ.-Prof. Dr. Walter Stögmann, Ärztlicher Direktor des Preyer'schen Kinderspitals: "International liegt die Häufigkeit (bei Kinder, Anm.) bei elf Prozent, in Österreich bei etwa 16 Prozent." Die Tendenz zeigt nach oben. Die Gründe dafür sind unklar.

Hautpflege, Phototherapie, Cortison-Cremen und in schweren Fällen bzw. besonders akuten Phasen Cortison zum Schlucken bzw. Immunsuppressiva (Cyclosporin A, Tacrolimus etc.) als "schwere Hämmer" standen bisher in der Therapie auf der Tagesordnung. Doch die Transplantationsmedikamente kann man nur extrem restriktiv einsetzen, ebenso möglichst restriktiv das Cortison - speziell bei Kindern. Wolff: "Cortison selbst macht eine Hautverdünnung. Schmiert man ein Kind großflächig ein, entspricht das fast einer mittel hohen Dosierung eines oralen Cortisons." - Wachstumsverzögerungen, Gewöhnung und Cushing Syndrom ("Cortison-Mondgesicht") drohen.

Freisetzung von Botenstoffen gehemmt

Wegen dieser Mängel in der Therapie der atopischen Dermatitis sucht die Wissenschaft seit Jahrzehnten nach besseren Behandlungsmöglichkeiten. Den Durchbruch schaffte eine Forschergruppe am Novartis-Dermatologie-Kompetenzzentrum in Wien unter Univ.-Prof. Dr. Anton Stütz. Aus dem Bodenpilz Streptomyces hygroscopicus var. Ascomyceticus wurde in einem "Ascomycin-Derivat", nunmehr "Pimecrolimus", eine Substanz identifiziert, welche spezifisch die Freisetzung von entzündungs-fördernden Botenstoffen aus T-Lymphozyten in der Haut hemmt.

Daraus wurde schließlich in einer Entwicklungsarbeit von 15 Jahren das in Creme-Form seit Anfang des Jahres auch in Österreich verfügbare neue Medikament "Elidel". Stütz: "Pimecrolimus macht keine Hautatrophie (Hautverdünnung, Anm.). Es dringt viel weniger als Cortison durch die Haut in den Körper ein. Der Unterschied liegt bei einem Faktor von 60 bis 100." Auch im Vergleich zu dem mittlerweile ebenfalls in Creme-Form vorhandenen ähnlichen Wirkstoff "Tacrolimus" soll "Pimecrolimus" laut wissenschaftlichen Studien weniger Nebenwirkungs-Risiko aufweisen.

Weiterentwicklung

Die Creme wird zwei Mal täglich aufgetragen. Dermatologie Univ.-Prof. Dr. Klaus Wolff: "Entscheidend ist vor allem das Resultat, dass 60 bis 70 Prozent aller Patienten mit dieser genetisch determinierten und damit unheilbaren Krankheit kein Cortison mehr benötigen." Allerdings, derzeit bezahlen die Krankenkassen in Österreich das Medikament nur, wenn es vom Dermatologen oder vom Kinderarzt verschrieben wird.

Die Entwicklung geht weiter. Stütz: "Wir entwickeln eine orale Form von 'Elidel' für Patienten mit Psoriasis und atopischem Ekzem." Bei Psoriasis - so die bisherigen Ergebnisse aus Untersuchungen an Patienten - wirkt am besten eine Dosierung von 60 Milligramm (Tabletten) pro Tag. Wegen der typischen Hautveränderungen bei der Schuppenflechte wirkt hier die Creme zumeist nur unzureichend. Laborversuche werden auch bereits zur möglichen Therapie chronischer Darmentzündungen (Morbus Crohn etc.) gemacht. (APA)

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    Zur Behandlung von Neurodermitis gibt es nun eine neue Creme.

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