Volkskundemuseum geht den RussInnen an die Wäsche

20. März 2003, 11:35
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Ausstellung "Körpergedächtnis. Unterwäsche einer sowjetischen Epoche"

Das Wiener Volkskundemuseum geht den Russen an die Wäsche. Unter dem Titel "Körpergedächtnis" ist ab 21. März Unterwäsche, die in Russland und der UdSSR von 1917 bis 1991 hergestellt wurde bzw. dort in Gebrauch war, zu sehen. Seltene Beispiele der Wäschewerbung, Plakate, Grafiken, offizielle und private Fotografien und etwa 200 Wäschestücke erzählen von der authentischen Geschichte privaten Lebens im sowjetischen Russland, vom Sparen und Ausbessern, von der endlosen Suche nach Mangelwaren, von kollektiver Eintönigkeit und individueller Kreativität.

Hintergrund der Ausstellung ist die Auffassung vom Körper als "Mittel der Selbstinszenierung, Einschreibefläche für kulturelle Werte und Normen, Medium des Gedächtnisses und als solches ein Erinnerungsraum" und von Unterwäsche als "letzte Grenze zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft, zwischen dem Individuum und seinem sozialen Umfeld". "Der Körper speichert nicht nur Geschmack und Geruch, sondern auch die Materialität dessen, was er trägt: kratzende Wäsche, einschnürende Mieder, scheuernde Gummis, rutschende Träger, kühlende Seide, wärmende Wolle. Er erinnert aber auch sozial und kulturell geformte Empfindungen wie Scham oder Begehren. Unterwäsche trägt ebensolche Spuren der Erinnerung", heißt es in einer Aussendung des Museums.

Die Ausstellung "Körpergedächtnis", entstanden in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum der Geschichte St. Petersburgs und dem Staatlichen Zentrum für zeitgenössische Kunst Nizhnij Nowgorod, holt diese Spuren vor dem Hintergrund der kommunistischen Epoche ans Tageslicht. (APA)

Link

Volkskundemuseum

"Körpergedächtnis. Unterwäsche einer sowjetischen Epoche"

Wiener Volkskundemuseum, 8., Laudongasse 15-19
Ausstellung von 21. März bis 3. August
Öffnungszeiten Di bis So 10 bis 17 Uhr

Tel.: 01/406 89 05;

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