News-Gruppe meldet Auflagen nicht mehr

20. März 2003, 19:04
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Werte im Sturzflug, stark steigende Billigverkäufe - ÖAK-Chef: "Können nicht ständig für News Ausnahmen machen"

Die Verlagsgruppe News hat ihre Mitgliedschaft in der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK)ruhend gestellt und meldet vorerst keine Auflagen mehr für ihr Dutzend Magazine. Der Entscheidung gingen wie berichtet rückläufige Verkäufe und stark angehobene "Spezialverkäufe" zu verbilligten Konditionen voraus, um sinkenden Absatz abzufedern.

Die Verlagsgruppe News begründet den Schritt laut "Horizont" mit der Forderung nach rascheren Reformen. Die ÖAK plant eine solche mit Jahreswechsel. Allerdings hat ÖAK-Vorsitzender Rudolf Wolfbauer schon klargestellt, dass eine Reform die Härte der ÖAK-Daten nicht aufweichen dürfte. Darauf laufen allerdings nach bisherigen Informationen die Wünsche der Verlagsgruppe hinaus.

"Chuzpe"

Das bestätigt Wolfbauer gegenüber etat.at: "'News' wollte die 'sonstige entgeltliche Verbreitung' in die verkaufte Auflage einrechnen. Das haben die in der ÖAK vertretenen Agenturen strikt abgelehnt." In diese Kategorie fallen all jene Hefte, die für weniger als 30 Prozent des regulären Heftpreises verkauft werden beziehungsweise Großabonnements und Großverkäufe an nicht näher identifizierbare Einzelbezieher.

Der ÖAK-Vorsitzende: "Wir können nicht ständig für News Ausnahmen machen". Schon im Herbst habe es eine solche für das ebenfalls zu diesem Konzern gehörende "Gusto" gegeben. Als "Chuzpe" bezeichnete Wolfbauer, dass News die ÖAK verlasse, wo gerade die Reform anlaufe.

Die News-Gruppe nennt als Anlass auch Zweifel des STANDARD an den Vetriebspraktiken. In der jüngsten Sitzung der ÖAK seien 200.000 "News"-Exemplare, die nach Unternehmensangaben über den ebenfalls zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Buchklub Donauland vertrieben werden, nicht als verkaufte Auflage anerkannt worden. Die Hefte gingen an Mitglieder oder würden über Donauland-Betreuer vertrieben. Tatsächlich weigerte sich das von der ÖAK beauftragte Prüfinstitut, diese Hefte als verkaufte Auflage anzuerkennen, weil die News-Gruppe den tatsächlichen Vertrieb nicht ausreichend dokumentieren konnte.

News-Chef Rudi Klausnitzer kritisierte gegenüber etat.at, dass die ÖAK Erklärungen von Donauland "in Zweifel zieht". Konsequenterweise engagiert die News-Gruppe nun auch die Wirtschaftsprüfer selbst, die jene Zahlen abzeichnen sollen, die sie selbst künftig den Agenturen vorlegen will.

Bevor das nächste Update der ÖAK eine Abweichung der zuletzt gemeldeten Zahlen ans Licht bringen konnte, stieg die News-Gruppe nun aus. Die nächste Korrekturmeldung über die Daten des vierten Quartals wird dennoch nach Ansicht von ÖAK-Chef Wolfbauer auch die News-Gruppe umfassen.

Zum Schreiben Klausnitzers an die ÖAK sagte Wolfbauer: "Man kann die Mitgliedschaft in der ÖAk nicht ruhend stellen. Entweder man ist dabei oder nicht."

Wie sich die Auflagendaten der News-Gruppe zuletzt entwickelten, lesen Sie hier. (fid)

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    foto: standard/matthias cremer
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