Allianz 2002 mit Milliardenverlust

20. März 2003, 12:12
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Einbußen bei Dresdner Bank und hohe Abschreibungen auf Wertpapiere - Bis zu vier Milliarden Euro durch Ausgabe neuer Aktien - mit Infografik

München - Die deutsche Allianz will ihre durch die Börsenkrise stark angegriffene Finanzbasis nun doch mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung stärken. Insgesamt seien Kapitalmaßnahmen von rund fünf Mrd. Euro geplant, teilte Europas größter Versicherer am Donnerstag in München zur Bilanzvorlage mit.

Für 2002 wies der Allfinanzkonzern wegen erheblicher Einbußen bei seiner Tochter Dresdner Bank und Abschreibungen auf Wertpapierbestände erstmals in seiner Geschichte einen Jahresverlust aus. Mit 1,167 Mrd. Euro fiel der Fehlbetrag aber etwas geringer aus als von Analysten erwartet.

Operatives Ergebniss verbessert sich

Im laufenden Jahr sollten sich die operativen Ergebnisse wieder deutlich verbessern, kündigte die Allianz an. Falls die Finanzmärkte sich nicht erholten und die Konjunktur nicht anziehe, seien aber auch 2003 hohe Wertpapierabschreibungen und Risikovorsorge nötig. Analysten beurteilten die angekündigten Kapitalschritte positiv, da die Allianz damit nun schädliche Spekulationen aus dem Markt genommen habe. Die Aktie gab am Morgen allerdings mehr als vier Prozent auf 62 Euro nach.

Allein durch die Ausgabe neuer Aktien will die Allianz bis zu vier Mrd. Euro erlösen. Über einen solchen Schritt war seit Monaten am Markt spekuliert worden. Die Allianz hatte noch im Februar erklärt, eine Kapitalerhöhung stehe nicht auf der Tagesordnung. Die Emission zu einem Bezugspreis von mindestens 30 Euro solle unter Berücksichtigung der weltpolitischen Lage "relativ schnell" erfolgen, teilte die Allianz mit. "Unser Ziel ist, mit der gestärkten Kapitalbasis weiter profitabel und aus eigener Kraft wachsen", sagte der Ende April an die Spitze des Aufsichtsrates wechselnde Konzernchef Henning Schulte-Noelle. Noch in diesem Jahr solle zudem eine nachrangige Anleihe in Höhe von rund 1,5 Mrd. Euro begeben werden.

Münchener Rück beteiliogt sich an Kapitalerhöhung

Der Großaktionär Münchener Rück werde sich nur teilweise an der Kapitalerhöhung beteiligen, hieß es. Sein Anteil an der Allianz werde dadurch auf rund 15 Prozent reduziert. Auch der Anteil der Allianz an der Münchener Rück werde auf 15 Prozent sinken. Nach den Worten des designierten Allianz-Chefs Michael Diekmann wird sich die strategische Bedeutung der Beziehungen beider Konzerne aber nicht ändern.

Ein mit der Situation vertrauter Banker sagte: "Die Entscheidung über die Kapitalschritte ist in den vergangenen drei Tagen gefallen. Die Allianz braucht es nicht wirklich, aber wollte ein Signal setzen, die Spekulationen aus dem Markt nehmen und vor allem zeigen, dass es mit Diekmann zu einem Neuanfang kommt."

Einbußen bei Dresdner Bank

Zu dem Jahresverlust des Finanzkonzerns, der auch das Bankgeschäft und die Vermögensverwaltung betreibt, trugen vor allem hohe Verluste der 2001 übernommenen Dresdner Bank sowie insgesamt 5,5 Mrd. Euro an Abschreibungen auf ihre kursschwachen Aktienbestände bei. Im Bankgeschäft, das fast ausschließlich die Dresdner beinhaltet, fiel ein Verlust von 1,4 Mrd. Euro an. Die Risikovorsorge für gefährdete Kredite stieg auf 2,2 Mrd. Euro. Der Verwaltungsaufwand der Dresdner sank dabei den Angaben zufolge um 12,3 Prozent auf 7,3 Mrd. Euro. Allianz-Vorstand Helmut Perlet sagte: Für das laufende Jahr haben wir uns vorgenommen, die Verwaltungskosten auf 6,2 Mrd. Euro deutlich zu senken." Erreichen soll die Sanierung der frühere Deutsche-Bank-Manager Herbert Walter, der den am Mittwoch zurück getretenen Dresdner-Chef Bernd Fahrholz bereits ersetzt hat.

Trotz der Verluste will die Allianz AG die Dividende bei 1,50 Euro je Aktie stabil halten. Im operativen Geschäft entstand vor Steuern und Firmenwert-Abschreibungen nur ein knapper Verlust von 52 Mio. Euro, verglichen mit einem Vorjahresgewinn von über 2,6 Mrd. Euro. Im Stammgeschäft Versicherungen gab es Verbesserungen. Die Beitragseinnahmen legten um knapp zehn Prozent auf 82,6 Mrd. Euro zu. Die Schaden-Kostenquote, also das Verhältnis von Schadenzahlungen und Verwaltungskosten zu eingenommenen Prämien, sank trotz der Belastungen durch die Flut im August in Ostdeutschland und Asbestklagen in den USA um 3,1 Prozentpunkte auf 105,7 Prozent.

Ergebnisverbesserungen erwartet

Die Allianz teilte mit, im laufenden Geschäftsjahr gehe der Vorstand von deutlichen operativen Ergebnisverbesserungen aus. Falls aber die Finanzmärkte unsicher blieben und die Konjunktur nicht anziehe, seien erneut hohe Wertpapierabschreibungen und Risikovorsorge nötig.

An der Börse wurde die anstehende Kapitalerhöhung negativ aufgenommen. "Die Zahlen sehen insgesamt etwas besser aus als erwartet", sagte Marc Thiele von der Commerzbank in London. "Die angekündigte Kapitalerhöhung ist - auch in der Höhe - im Rahmen der Erwartungen. Es ist gut, dass die Allianz jetzt relativ schnell reines Haus macht, was die Kapitalbasis angeht." Um 10.30 Uhr lagen die Allianz-Aktien mit 62,22 Euro um 3,98 Prozent im Minus.(APA/Reuters)

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