Einsparungspotential bei schulischer Infrastruktur und Verwaltung vorhanden - Unis seien auf Zugangsbeschränkungen angewiesen
Der OECD-Länderbericht stellte Österreich dieses Mal auch ein Zeugnis für sein Bildungssystem aus und sprach gleichzeitig Empfehlungen für die Zukunft aus. Einige Dinge - etwa die Einführung der Neuen Mittelschule - wurden positiv bewertet, Kritik wurde hingegen am großteils freien und unentgeltlichen Hochschulzugang und an der teuren Schulverwaltung geübt.
SPÖ will keine flächendeckenden Studiengebühren
Eine Erhöhung der Studentenquote, die in Österreich im internationalen Vergleich sehr niedrig liegt, kann laut OECD auf lange Sicht nur dann erfolgen, wenn die Studierenden mehr Kosten tragen würden: "Auch wenn die Öffentlichkeit in Österreich bislang Studiengebühren skeptisch gegenübersteht, ist es schwer vorstellbar, wie die Zahl der Studienplätze bei gleicher Qualität ohne die Einführung von Gebühren erhöht werden soll", sagte Barbara Ischinger, Leiterin des Bildungsbereiches der OECD. Am Beispiel der Fachhochschulen sei zu sehen, dass ein gebührenfinanziertes Modell auch zu einem Anstieg an Studierendenzahlen führen könne.
Die OECD empfiehlt ausdrücklich, dass die Universitäten in Zukunft ihre Studierenden selbst auswählen und Studiengebühren einheben sollen dürfen. Zusätzlich brauche es allerdings ein "umfassendes Stipendiensystem und einkommensabhängige Studienkredite nach internationalen Standards".
Wissenschaftsminister Johannes Hahn sah sich durch den OECD-Bericht in
seinen Ansichten bestärkt. Über Studienbeiträge und
Zugangsbeschränkungen müsste früher oder später wieder diskutiert
werden, betonte er. Der Nutzen der Studiengebühren in den vergangenen
acht Jahren, sei "von der Zahlenseite her belegbar".
Auf die Frage, ob die SPÖ denn aufgrund der OECD-Empfehlung von der Abschaffung der Studiengebühren Abstand nehme, antwortete Bildungsministerin Claudia Schmied klar und deutlich: "Das kann ich mir nicht vorstellen." Hahns Reaktion darauf: "Sie sehen, wir haben einen Diskussionsbedarf."
Kindergarten für Jüngere verbessern
Barbara Ischinger von der OECD
empfahl den Bereich der vorschulischen Bildung weiter auszubauen, damit
Kinder schon ab dem 3. Lebensjahr besser eingebunden seien. Besonderer
Fokus müsse hier auf sozialbenachteiligte Familien und Kinder mit
Migrationshintergrund gelegt werden.
Die Einführung der "Neuen Mittelschule" wird von der OECD als erfolgreiche Maßnahme tituliert. Hingegen gebe es im Verwaltungs- und Infrastrukturbereich noch großen Aufholbedarf: "Es bestehen umfangreiche Potentiale zur Rationalisierung der Schul- und Klasseninfrastruktur sowie bei der Verteilung des Lehrpersonals im Land", heißt es im Bericht. Unter anderem entsprechen die Schul- und Klassengrößen nicht dem von der OECD vorgeschlagenen Ideal - es gibt zu viele kleine Schulen und Klassen in Österreich. Außerdem seien die Personalaufwendungen für Lehrer mit 70 Prozent der gesamten Kosten im Pflichtschulbereich über dem OECD-Schnitt.
Ministerin Schmied will in nächster Zeit daher Doppelgleisigkeiten in der Verwaltung beheben und anstatt der Landesschulräte Bildungsdirektionen einführen. Direktoren sollen künftig als Manager der Schulen agieren und nur befristete Verträge erhalten - im Gegenzug soll ihnen mehr Verantwortung übertragen werden. (edt/derStandard.at, 02.07.2009)