Aktivist Gilberto Rios im Interview über die Proteste für und gegen die Rückkehr Präsident Zelayas
Seit dem Militärputsch am Sonntag herrscht Verwirrung über die Lage in dem mittelamerikanischen Land. Das Parlament hat sich geschlossen auf die Seite der Putschisten gestellt, während die Weltöffentlichkeit den Staatsstreich einhellig verurteilt hat. Im Gespräch mit Berthold Eder vermutet der Aktivist Gilberto Rios, dass trotz US-Präsident Obamas Beteuerungen Teile der CIA den Putsch unterstützt haben.
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derStandard.at: Wie berichten die lokalen Medien über den Militärputsch und die Proteste?
Gilberto Rios: Fast gar nicht. Bis gestern berichteten nur eine Nachrichtensendung, eine Zeitung und ein Lokalradio über den Staatsstreich. Heute waren es ein paar mehr, obwohl kleinere Medien riskieren, sofort geschlossen zu werden, wenn sie Meldungen über die Proteste bringen.
derStandard.at: Wie erfahren die Menschen dann von aktuellen Ereignissen?
Rios: Großteils werden Nachrichten per Telefonkette weiterverbreitet. Über einen Internetanschluss verfügen nur wenige.
derStandard.at: Was ist von Berichten über einen Lehrerstreik zu halten, dem sich bereits andere Sektoren angeschlossen haben sollen?
Rios: Die Lehrer sind seit Montag landesweit im Ausstand, mittlerweile haben auch die drei großen Gewerkschaften zum Generalstreik aufgerufen. Gestern sind in insgesamt acht Städten 150.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen den Putsch zu protestieren, auch für heute sind in Tegucigalpa, San Pedro Sula und in mehreren anderen Städten wieder Kundgebungen geplant.
derStandard.at: Die Angaben über die Teilnehmerzahlen an der gestrigen Demo zur Unterstützung der Putschisten schwanken. Wissen Sie genaueres?
Rios: Ich bin zufällig am Parque Central vorbeigekommen und kann bestätigen, dass fast 5.000 Menschen teilnahmen. Allerdings war ein Großteil Arbeiter, die von ihren Chefs auf die Demo geschickt und dafür bezahlt wurden. Viele Teilnehmer gehören auch der der Evangelischen Kirche an, die behauptet, Zelaya beabsichtige, Honduras zu einem kommunistischen Staat zu machen.
derStandard.at: Der von Präsident Zelaya abgesetzte Armeechef Romeo Velasquez sagte Stunden vor dem Putsch in einem Fernsehinterview, dass das Militär hinter Zelaya stehe und er diesen persönlich sehr schätze. Kurz darauf stürmten seine Soldaten den Präsidentenpalast. Glauben Sie, dass die Entscheidung, den Staatsstreich durchzuziehen, vom Militär getroffen wurde?
Rios: Das war eine Entscheidung einiger Politiker mit Unterstützung einiger Leute der CIA ...
derStandard.at: Präsident Obama bestreitet eine US-Beteiligung am Putsch ...
Rios: Innerhalb der CIA organisierten vor allem der der Exilkubaner Otto Reich und Robert Carmona-Borjas den Putsch. Ob der Präsident dies unterstützt, kann ich nicht sagen. Auf honduranischer Seite plante die Machtübernahme der Geheimdienstler Billy Joya Améndola, der als Polizeikommandant in den 80er Jahren Kontakte zu Todesschwadronen hatte und der an der Verschleppung zahlreicher Aktivisten beteiligt war.
derStandard.at: Wie erklären Sie sich, dass sich das gesamte Parlament so rasch gegen Präsident Zelaya gestellt hat? Auch die Liberale Partei, für die er 2006 kandidierte, unterstützt den Putsch.
Rios: Das hat sich schon länger angebahnt. Die Liberalen sind eine konservative Partei, die Zelayas Reformen wie die Anhebung des Mindestlohns und den Beitritt zum Wirtschaftsbündnis ALBA nicht mittragen wollte. Außerdem störte sie sein gutes Verhältnis zu seinem venezolanischen Amtskollegen Hugo Chavez.
derStandard.at: Präsident Zelaya hat angekündigt, demnächst nach Honduras zurückkehren zu wollen, seine argentinische Amtskollegin Fernandez de Kirchner und OAS-Generalsekretär Insulza wollen ihn begleiten. Mit welcher Reaktion der Militärs rechnen sie?
Rios: Sie werden sicher versuchen, ihn gleich nach seiner Ankunft festzunehmen. Es ist daher wichtig, dass ihn viele Leute am Flughafen empfangen. (derStandard.at/1.7.2009)
Zur Person
Gilberto Ríos Munguía ist Mitglied der linken Organisation "Bloque Popular", die aus Gewerkschaftern und Studenten besteht.
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