Med-Uni Innsbruck

"Es kam zu keiner Diskriminierung"

1. Juli 2009, 17:54

Gabriele Fischer, Vorsitzende des Uni-Rats, über die Querelen bei der Rektorswahl und Populismus im Namen der Frauensolidarität

Standard: Wissenschaftsminister Hahn hat das Aufsichtsverfahren rund um die Rektorswahl in Innsbruck eingestellt. Hat die Med-Uni nun bald einen neuen Rektor?

Fischer: Ich hoffe sehr im Sinne der Universität, dass der Vertragsabschluss mit Herbert Lochs und die Bestellung seines Teams nun rasch vor sich gehen. Die Med-Uni braucht dringend ein neues Team.

Standard: Der Uni-Rat wurde kritisiert, dass er einen Mann der Internistin Margarethe Hochleitner vorzog. Fühlen Sie sich nun bestätigt?

Fischer: Es waren sehr schwierige Wochen, vor allem Vize-Rektorin Hochleitner sollte für ihre Verdienste, trotz aller Nebengeräusche den Betrieb aufrechtzuerhalten, gewürdigt werden.

Standard: Warum wurde sie, trotz ihrer Verdienste, nicht Rektorin?

Fischer: Die Entscheidung des Uni-Rats hatte rein sachliche Gründe. So verfügt zum Beispiel die Med-Uni über ein Finanzvolumen von 200 Millionen Euro, da müssen wir darauf bestehen, dass darüber ein Finanzvorstand in effektiver Weise und nicht nur halbherzig wacht. Schon aus Haftungsgründen erschien uns dies wesentlich.

Standard: Es wurde aber auch ihr "emotionaler" Auftritt thematisiert.

Fischer: Wir sind drei Frauen im Uni-Rat, mit insgesamt zehn Kindern - eine für Innsbruck völlig ungewöhnliche Frauenquote. Die Stress-Situation "Frau, Karriere, Familie" ist uns keineswegs fremd, männertypische Initiationsrituale an Universitäten sind uns aus eigener Erfahrung leider bestens bekannt. Bewerbungs-Hearings sind zweifelsohne belastend, die vorhandene Stimmungslabilität wurde von allen in besonderer Umsicht berücksichtigt. Eine gewisse Stress-Resistenz muss allerdings geschlechtsunabhängig bewertet und vorhanden sein.

Standard: Die Frauenministerin und Frauenrechtsorganisationen haben kritisiert, Emotionalität werde nur Frauen negativ ausgelegt.

Fischer: Wo denken Sie hin? Sie glauben doch nicht ernsthaft, der Uni-Rat hätte einen brüllenden Mann akzeptiert. Wie beflissene Kritikerinnen vergessen haben, waren wir auch in der Vergangenheit nicht bereit, Derartiges zu akzeptieren. Ich verwahre mich daher ganz entschieden gegen die einseitigen und uninformierten Zurufe. Die Entscheidung des Uni-Rats hatte objektive Gründe, hier kam es zu keiner Diskriminierung aufgrund des Geschlechts.

Standard: Das hat Ihnen auch die Schiedskommission bescheinigt.

Fischer: Die sehr gründlich gearbeitet hat, alle involvierten Personen und Uni-Rat-Mitglieder einzeln lange befragt hat und demokratisch und geschlechts-paritätisch besetzt ist. Ein äußerst qualifiziertes unabhängiges Gremium hat uns somit bescheinigt, dass wir nicht diskriminiert haben. Wir haben die Entscheidung sofort transparent gemacht - die öffentlichen Zurufer müssten sie nur lesen.

Standard: Dennoch: Keiner Universität in Österreich steht eine Frau vor. Wie kann man das ändern?

Fischer: Die Situation ist äußerst unbefriedigend, auch was Gugging I.S.T. betrifft. Exzellenz ist keineswegs nur männlich. Zu meinem Leidwesen gibt es heute weniger Professorinnen an der Med-Uni Innsbruck als vor vier Jahren. Wir haben das im Uni-Rat vielfach - leider ergebnislos - urgiert; das Rektorat hat das nicht umgesetzt, der Arbeitskreis nie einen Einspruch gemacht. Ich halte Gender-Budgeting für den richtigen Weg. Es muss sanktioniert werden, wenn Frauen der Weg nach oben versperrt bleibt

Standard: Psychoanalytiker Josef C. Aigner hat in einem "Kommentar der anderen" im Standard gemeint, das jetzige Verständnis von Frauenförderung im Uni-Bereich schade Frauen eher. Stimmen Sie ihm zu?

Fischer: Ich stimme zu. Es kann nicht sein, dass man den Bestqualifizierten nicht nimmt, weil er keine Frau ist. Populistische Verkürzungen sind akademisch inadäquat und schaden der Frauenbewegung. Man darf aber die anhaltende Macht männlicher Netzwerke keinesfalls unterschätzen. Und die Qualifikation mancher männlicher Entscheidungsträger ist fraglich; allein Transparenz, Quoten und guter Journalismus können weiterhelfen. (Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe, 2.7.2009)

Zur Person: Gabriele Fischer (49), Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie, Leiterin der Drogenambulanz an der Med-Uni Wien, seit 2008 Vorsitzende des Uni-Rats an der Med-Uni Innsbruck. Der Spruch der Schiedskommission ist nachzulesen auf: http://www.i-med.ac.at/

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25 Postings
schoensprech
02
die med uni braucht dringend ein neues team - wie wahr

dzt. können die ja nicht einmal ihren inkriminierten interims(vize)rektor raushauen, dem der rechnungshof "in-sich geschäfte" vorwirft. der hat als institutsvorstand an sich selbst als privatmann lukrative diagnostikaufträge erteilt, in die er aber selbst gar nicht involviert ist, da sie von uni-institut/mitarbeitern durchgeführt werden. interessanterweise findet der unirat nix dabei, wenn der typ weiter sein eigenes "dienstaufsichtsorgan" (rektorat) inszeniert und margarethe als personalvizerektorin mithilft störende kollegen zu beseitigen. eine wilde situation!
wann werden sie endlich das abgezweigte geld zurückfordern liebe frau fischer, oder haben sie angst, dass dann keine ordentliche professorin/institutsvorstand mehr aus ihnen wird ?

Dragomir
41
Wer schreit da?

Eine Unirätin, eine Kandidatin oder die 10 Kinder? Was sind das für Zustände auf einer Uni?

Dragomir
41

Warum wird keine fesche Psychiaterin Rektorin?

Sachwalter
01

Die müssen alle die abgewiesenen fast-Quotenfrauen betreuen.

Tina Turnertina
015
Der Gender-Zweck heiligt den Quoten-Populismus nicht

Es war an der Zeit, das Wort "Populismus" in den Mund zu nehmen, betreffend die Auswirkungen von "Mainstreaming/Gleichstellung" bei Karrieren im Wissenschaftsbereich. Von "Chancengleichheit" ist dabei leider kaum mehr zu lesen. Gegen männliche Bewerber auf Professuren wird durch finanzielle Anreize wie solche des sogenannten "excellentia" Programms des Wissenschaftsministeriums (100.000 Euro mehr für die Uni, wenn eine Frau eingestellt wird) offen diskriminiert. Wenn in manchen Fächern 90% der in wissenschaftlichen Zeitschriften publizierenden Personen (derjenigen NACH Doktorat und VOR Professur) männlich sind, dann ist es Populismus, Mainstreaming in Spitzenpositionen mit Slogan "X% StudienANFÄNGERINNEN, nur Y% Professoren" zu fordern.

Sachwalter
01
Mein Gott! Jetzt gebt ihr schon den Job, ist ja nicht auszuhalten.

Genderwahnsinn0
00

Nein, das hätte eine negative Vorbildwirkung.

Nur Schreierei alleine darf nicht zu Spitzenjobs führen, an denen viele Existenzen hängen.

ravenna
07
Guter Journalismus...

...könne weiterhelfen.

Na also, das sollte doch mal Ansporn sein, die tendenziöse Berichterstattung im Standard einmal zu überdenken.

waldlaus
20
nun, ob es der bessere kandidat war kann frau fischer erst retrospektiv beurteilen.

immerhin hat ja der heilige uni-rat auch herrn sorg ins amt gelobt, da gabs im rat noch finanzgurus.

am ende der uni-rats periode stellte sich auf einmal heraus, dass mann wohl nicht mit zahlen umgehen wollte oder konnte. so war wohl der beste mann nicht das geld wert, das man ihm gab.

wo war da der uni-rat? welche aufgaben hatte er denn und mit welchem nachdruck schaute er auf die geschicke der öffentlichen universität? alles vergessen auf einmal?

und dass leider in innsbruck so wenige professorinnen institute leiten kommt ja auch nicht von ungefähr.

mann kann sagen was er will, auch frau fischer - es mangelt an allen ecken und enden an frauen. ihnen sollte man auch eine chance geben. sorglos sollte niemand sein, ob mann ob frau.

Ausgeflippter Lodenfreak
02

Wieso mangelt es an allen Ecken und Enden an Frauen? Dass Frauen nicht diskriminiert werden ist eine Frage der Gerechtigkeit und sonst nichts. Nichts wird besser oder auch nur entscheidend anders, wenn Frauen statt Männern einen Job machen.

waldlaus
40
so, dann sitzen wohl nur spitzenkräfte in spitzenpositionen?

schaut man sich die zustände an der universtät in innsbruck an, dann gabs in den letzten jahren nur skandale rund um männer.

die gerechtigkeit beginnt eben erst bei chancengleichheit.

und die ist nicht gegeben. das hängt nicht von der anzahl der bewerber ab.

das hat man ja in innsbruck nun hoffentlich bald mal durchschaut. siehe rektoren, die bald das weite suchen mussten in relativ kurzer zeit ....

und wie wir sehen bringen sogar positive fördermassnahmen nichts, die mannschaft bleibt im oberen bereich gerne männlich.

Hafniumcarbid
00
Kannst du deine Behauptungen auch begründen?

Offensichtlich hättest du gerne eine gesetzliche Hilfestellung, um dich in einen gewissen Job setzen zu lassen, weil dus aus eigener Kraft nicht schaffst. Anders sind deine verworrenen Schlußfolgerungen und "Argumente" schwer zu erklären.

Gianna Nannini
 
24
Wieso hat sie nicht auch mitgeteilt, wieviele Kinder (gesamt) die dort arbeitenden Männer haben?

xyz9
31
Ein bißchen naiv, wie?

Seit wann kümmern sich Karrieremänner um ihre Kinder?

schnurstracks
01

so seit den 90ern würd ich sagen. zumindest viele davon. und ob sie es glauben oder nicht, es werden immer mehr!!!

Threonin
12

Gerade Quoten helfen wenig. In eine Schiedskommission vielleicht. Wenn es aber darum geht, wieviele weibliche Professoren gibt es, wieviele Frauen stehen einem Institut vor... wenn es da Quotenregelungen gibt sind wir wieder da, dass unter Umständen eine schlechtere Frau einem besseren Mann vorgezogen werden muss, weil die Quote erfüllt werden muss.

Mehr Transparenz: ja
Chancengleichheit: auf jeden Fall
Bevorzugung: nein.
Denn es soll nicht ein einzelner Mann büßen müssen, dass statistisch mehr Männer als Frauen in Machtpositionen sitzen.

jimmydean
20
solange es männernetzwerke gibt

helfen quoten sehr wohl... erst wenn diese abgestellt werden (was auch ein impliziter effekt der quote ist) kann man wieder von der quotenregelung abgehen... alles andere ist augenauswischerei...

Hafniumcarbid
00
Kann gar nicht sein.

Du liest den Standard zuwenig: Sonst wüßtest du, daß Frauen den Männern in "Social Skills" und Kommunikationsfähigkeit haushoch überlegen sind.

Independent Living
00
haushoch

wäre vielleicht nett, wenn Sie diesen fremdsprachigen wissenschaftlichen Begriff in die Umgangssprache übersetzen könnten. Dann würde ich mir leichter tun, Ihre Aussage über die skills zu werten.

potz
01

was sind denn bitte diese 'maennernetzwerke'?

Threonin
01

Was hindert Frauen daran ebenfalls Netzwerke zu bilden? Immerhin gibt es auch Frauen in Machtpositionen. Das könnten die Frauen ausbauen.

Ich selber bin zwar gegen diese Netzwerke, aber es gibt derzeit keine Bestrebungen, diese ernsthaft zu eliminieren. Abgesehen davon ist das auch eher illusorisch. Solche Netzwerke wird es in irgendeiner Form immer geben.

willi will regieren
00

3 Frauen -> 10 Kinder. Das soll ungewöhnlich sein für Tirol?

Der Geist der Ahnung
 
00
@ willi will regieren

Ja, ist ungewöhnlich. Geburten pro Frau in Tirol: 1,34
(im Jahr 2001, aktuellere Zahlen habe ich ad hoc nicht gefunden).
Vgl. http://wko.at/tirol/sta... dien/7.pdf (Seite 7 oben).

Tirol lag damit praktisch im österr. Schnitt (1,33).
Vgl. http://www.statistik.at/web_de/st... 2899.xls).

Genderwahnsinn0
00

Und die von 10 verschiedenen Vätern.

criticer
00
nein

sie meint ja, dass das für die uni innsbruck eine hohe quote ist, glaub ich.

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