Wie der Philharmoniker seine Unschuld verlor

1. Juli 2009, 13:47
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Der österreichische Silberling gilt den deutschen Nachbarn als Geheimtipp, um unversteuertes Geld nach Hause zu holen

Wien - Der "Wiener Philharmoniker" in Silber sei der Geheimtipp deutscher Anleger, die am Fiskus vorbei ihr nicht ordentlich versteuertes Geld nach Hause transferieren wollen, heißt es im Spiegel Online. Die Nachfrage nach der Münze mit einem Nennwert von 1,50 Euro, die seit Anfang 2008 zu haben ist, boome, so das deutsche Online-Medium.

Der Silber-Philharmoniker ist zum einen als gesetzliches Zahlungsmittel entsprechend seinem Nennwert (1,50 Euro) alltagstauglich. Allerdings hat das Geldstück - abhängig vom Silberpreis - einen Wert von neun bis 14 Euro, soviel kostet der Silberling auch am Bankschalter. Genau diese Differenz zwischen Nennwert und Marktpreis mache die Münze im zwischenstaatlichen Geldverkehr zu einem hochinteressanten Objekt, so der Bericht. Sie hebele die nachbarstaatlichen Einfuhrbestimmungen für Bargeld aus. Denn wer von Österreich nach Deutschland reist, darf 10.000 Euro bei sich tragen, ohne dass er das Bargeld im Fall einer Kontrolle durch Zollfahnder deklarieren müsse.

Verborgene Schätze heimholen

Somit liegt auf der Hand: Jeder kann mehr als 6.000 Philharmoniker-Münzen (abgesehen von der Mühe des Transports angesichts des physischen Gewichts) im Reisegepäck über die Grenze schaffen. Ohne Finanzminister Peer Steinbrücks Mannen ins Gehege zu kommen, können damit pro Einreise über 110.000 Euro aus möglicherweise verborgenen Schätzen in Österreich heimgeholt werden. Wie seit der emotionalen Diskussion um das heimische Bankgeheimnis dies- und jenseits der Grenze jeder weiß, nutzen viele finanziell gut bestallte Nachbarn die diskreten Konten der heimischen Geldhäuser.

Der "Taschenspielertrick" zieht jedenfalls laut dem Online-Medium Kreise. Einem Unternehmer aus dem Raum München sei der kleine Grenzverkehr von Freunden aus dem Yachtclub verraten worden. Seither mache er unter vermögenden Bayern, die Ersparnisse im Nachbarland gebunkert haben, die Runde. Weil in Chatrooms der Münzsammler alle möglichen Wege der Steuerersparnis ausgetauscht würden, möchte die Deutsche Bundesbank das Thema ungern publik machen, so der Bericht. Die Problematik sei den obersten Bankern aber bewusst.

Keine Beschlagnahme

Das nachbarschaftliche Bundesfinanzministerium reagiere mit dem Hinweis, die einfallsreichen Sparer sollten sich nicht zu sicher fühlen. Denn Zöllner könnten auch bei Münzen Verdacht hegen und diesen weiterleiten. Beschlagnahmen dürfen sie die "Philharmoniker" bis zu 10.000 Euro Nennwert aber nicht. (rb)

 

  • Der Wiener Philharmoniker wandert offenbar vermehrt zu den Nachbarn.
    foto: muenze

    Der Wiener Philharmoniker wandert offenbar vermehrt zu den Nachbarn.

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