Drei Jubiläen bei Regenbogenparade

1. Juli 2009, 13:20
posten

40 Jahre Stonewall, 30 Jahre Hosi, zehn Jahre Antidiskriminierungsstelle: Der diesjährige Zug wird größer als bisherige - Forderung nach Homosexuellen-Ehe Thema

Wien - Die diesjährige 14. Wiener Regenbogenparade steht am kommenden Samstag gleich im Zeichen dreier Jubiläen: 40 Jahre Stonewall-Aufstand der lesBiSchwulen Community in New York, 30 Jahre Homosexuelle Initiative (Hosi) Wien und zehn Jahre Wiener Antidiskriminierungsstelle.

Verstärkung

Und so wird heuer die größte Parade seit langem auf der Ringstraße für Toleranz gegenüber homosexuellen und transgender Lebenswelten werben, wie Organisator Christian Högl am Mittwoch in einer Pressekonferenz ankündigte. So hätten sich mit 53 Startnummern zehn Gruppen mehr angemeldet als in den Vorjahren, freute sich der Hosi-Obmann: "Es wird heuer eine besonders große Parade." So nähmen etwa ein Wagen der Grazer Szene und zwei Gruppen aus Budapest teil.

Der so verstärkte Zug startet am 4. Juli beim Stadtpark wieder um 14.00 Uhr, um die Ringstraße entgegen der Fahrtrichtung bis zum Schwarzenbergplatz hinaufzuziehen. An der Spitze der Demonstrationen werden wieder je zwei Pride-Boys und -Girls in Körperbemalung marschieren. Auch die Gaycops, die lesbisch-schwule Gruppe innerhalb der Polizei, wird auf der Parade vertreten sein. Högl rechnet wieder mit mehr als 100.000 TeilnehmerInnen.

Musikalisches Programm

Nachdem die Parade am regenbogenbeflaggten Rathaus und den beiden Regenbogenfahnen vor dem Parlament vorbeigezogen ist, wird sie in den Schwarzenbergplatz münden, der bereits zum zweiten Mal nach 2007 als Ort für die Abschlussveranstaltung dient. Zwischen 17.00 und 22.00 Uhr sind hier unter der Moderation von Miss Candy KünstlerInnen wie der US-Import Lutricia McNeal, Friek, die A-Cappella-Gruppe Gudrun oder die österreichische Formation "My Sister's Name is Frank" zu sehen. Einer der Hauptacts wird die heimische Popchanteuse Valerie sein, die am Mittwoch die Wiener dazu aufrief, an der Regenbogenparade teilzunehmen: "Machen Sie jeden Tag eine Sache, vor der Sie sich fürchten - das macht lebendig."

Und immer die unerfüllte Forderung nach Ehe

Abgesehen vom Feiern müsse man aber auch gerade in Jubiläumsjahren reflektieren, wo überall noch Diskriminierung vorherrsche, strich SPÖ-Stadträtin Sandra Frauenberger den Demonstrationscharakter der Veranstaltung heraus. Dies gelte für viele andere Städte in Europa, nicht jedoch für Wien: "Diese Stadt lebt von ihrer Buntheit und ihrer Vielfalt."

Allerdings sei in Österreich der Bund aufgefordert, endlich ein Lebenspartnerschaftsgesetz zu schaffen, das auch homosexuellen Paaren offenstehe. Ein Thema, das auch die stellvertretende Bundessprecherin der Grünen, Maria Vassilakou, unterstützt: Wäre sie ein Mann, wäre ihr wegen der ewig gleichen Forderung nach Homosexuellen-Ehe bereits ein Bart bis zu den Knöcheln gewachsen. "Wien ist in der Tat ein gallisches Dorf, was die Gleichstellung von Lesben und Schwulen angeht", konstatierte Vassilakou. Leider gebe es aber drum herum das Römische Reich - das von der ÖVP dominiert werde, die sich seit Jahren weigere, im 21. Jahrhundert anzukommen. Und leider überlagere die Partnerschaftsgesetz-Diskussion weitere wichtige Aspekte wie die Versorgung Schwuler und Lesben im Alter oder die Aufklärung an den Schulen. (APA)

  • Drei Jubiläen, eine Riesen-Parade: Deren Demonstrationscharakter soll trotz Feststimmung nicht ins Hintertreffen geraten.
    foto: diestandard.at/daniela yeoh

    Drei Jubiläen, eine Riesen-Parade: Deren Demonstrationscharakter soll trotz Feststimmung nicht ins Hintertreffen geraten.

Share if you care.