Aufregung in Ägypten nach Dresdner Messerattacke

1. Juli 2009, 13:16
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Tausende bei Beisetzung in Alexandria - Staatsanwalt sieht Rassismus als Motiv

Dresden - Der Fall jener Ägypterin, die letzte Woche mitten in der Verhandlung am Dresdner Landgericht von einem Angeklagten erstochen worden ist, sorgt jetzt weiter für Aufsehen. Anfangs war noch nicht von einem rassistischen Hintergrund ausgegangen worden. Nun gehen jedoch auch die Behörden von einem islamophoben Motiv aus. In ägyptischen Medien ist der Fall Top-Thema.

In Alexandria versammelten sich am Montag Tausende Trauergäste zur Beisetzung des Mordopfers. Darunter gab es auch erzürnte Rufe gegen Deutschland und Wut über die Nicht-Anerkennung von Muslimen: "Wir werden ihren Mord rächen", sagte der Bruder der Toten der Nachrichtenagentur AP in einem Telefongespräch. "Im Westen erkennt man uns nicht an. Es gibt Rassismus." 

Staatsanwalt: Rassismus war Motiv

Nach Einschätzung der Dresdner Staatsanwaltschaft war Rassismus das Motiv für die tödliche Messerattacke. Gegen den 28-Jährigen wird wegen Mordes ermittelt. Er hatte die 31-jährige Ägypterin am vergangenen Mittwoch im Dresdner Landgericht mit mindestens 18 Messerstichen getötet und den Ehemann, der seine Frau hatte schützen wollen, lebensgefährlich verletzt.

Der Interkulturelle Rat in Deutschland warnte vor einem Anwachsen eines antimuslimischen Rassismus in Deutschland. "Die Beleidigungen, mit denen der Täter, der 28-jährige Alex W., sein Opfer bereits in der Vergangenheit tituliert hatte, lassen den Schluss zu, dass die Bluttat islamfeindlich motiviert war", erklärte der Vorsitzende des Interkulturellen Rates, Jürgen Micksch. Nach Einschätzung der Organisation handelte es sich um das erste Tötungsdelikt in Deutschland, dass auf solch einen antimuslimischen Rassismus zurückgeht.

Regierung: "Auf das Schärfste verurteilen"

Vize-Regierungssprecher Thomas Steg wies derweil in Berlin Vorwürfe zurück, die Bundesregierung habe nicht rechtzeitig und ausreichend Stellung bezogen. Ausländerfeindliche Angriffe würden von der Bundesregierung immer "natürlich auf das Schärfste verurteilt". In dem Fall habe sich Berlin zunächst zurückgehalten, weil die Umstände der Tat vorerst nicht klar gewesen seien.

 

 

 

Die Ägypterin war Zeugin in einem Prozess gegen Alex W. Dieser beschimpfte die Frau im Gerichtssaal zunächst ausländerfeindlich und stach dann 18-mal auf sie ein.

 

 

Der Angeklagte hatte die 32-jährige Zeugin mit einem Messer erstochen. Zwei weitere Personen wurden verletzt. Der 28-jährige Täter wurde sofort überwältigt und wird zur Zeit vernommen, teilte die Staatsanwaltschaft Dresden mit. Die Polizei hat den Tatort abgesperrt.

 

 (APA)

  • Tausende nahmen an der Beisetzung des Opfers in Alexandria teil

    Tausende nahmen an der Beisetzung des Opfers in Alexandria teil

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