Seine Eiligkeit, Umwelt-Papst Prius III.

1. Juli 2009, 16:29
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Seit 1997 wurden 1,2 Millionen Autos dieses Typs verkauft. Nun startet die dritte Generation. Kennzeichen: technisch enorm ausgereift

In Schweden schleichen – Pardon: fahren überland alle vorbildlich langsam, doch in den "Groß"-Städten lässt sich der Verkehr annähernd mit dem im engen Europa oder in Japan vergleichen. Insofern hat Toyota ein perfektes Umfeld gewählt zur Präsentation der dritten Generation des Hybrid-Pioniers – Skandinavien ist sozusagen ein Idealtypus, ist quasi Prius-Land. Zur Mittsommernacht waren die Japaner angerückt, die Eingeborenen zeigten sich berauscht (vom technischen Können ihrer Gäste).

Spaß beiseite. Erstens hat Stockholm die höchste Prius-Dichte in ganz Europa. Zweitens und vor allem: Es ist auch für nüchterne Betrachter beeindruckend, was die Toyota-Ingenieure zuwege gebracht haben; gäbe es einen Nobelpreis für saubere, sparsame Autos, dieses wäre sicher nominiert.

Kurz die Schlüsselfakten zu diesem Pionierleistungsgesellschafter. Verbrauch: 3,9 l / 100 km im Normtestzyklus (neun Prozent weniger als bisher). CO2-Ausstoß: 89 g/km (derzeit nur unterboten vom Smart Fortwo CDI mit 88 g/km). CW-Wert: 0,25 (eines der aerodynamischsten Autos der Welt). 0-100 km/h: 10, 4 sec (eine halbe Sekunde flotter als bisher). 1,8-Liter-Benziner mit 99 PS (statt 1,5er mit 77 PS). Systemgesamtleistung: 136 PS (plus 24 Prozent). Und, Clou an der Sache: Um das alles zu erreichen, musste nichts neuerfunden werden. Die Japaner durften sich auf das konzentrieren, was sie am allerbesten können: Perfektionieren.

So wurden sämtliche Komponenten der Elektroarchitektur, vom E-Motor über den Generator bis zur Batterie (es bleibt bei Nickel-Metallhydrid) einerseits leistungsgesteigert, andererseits zum Teil erheblich kompakter und leichter. Devise: Besser wichtig als gewichtig. Und es ist gelungen, zumindest hier die prekäre Gewichtsspirale umzudrehen. Wenn der Neue dennoch 70 kg schwerer ist als der Alte, liegt das laut Hersteller an der besseren Sicherheitsausstattung.

Elektro, Eco oder Power

foto: werk

Es ist der Prius III also ein außerordentlich aufwändiges Vollhybrid-Mobil, dem Toyotas lange Erfahrung anzumerken ist. Mit besonderen Stärken im Stadtverkehr, aber auch insgesamt erstaunlich sparsam: Wir kamen auf einen 100-km-Verbrauchsschnitt von 4,2 Litern, beim Eco-Sondertest auf 3,8. Eco? Genau. Es gibt da jetzt diese Taste, die ultrasparsame Fortbewegung gewährleistet. Es gibt auch eine Taste ("EV") für reinen Elektrovortrieb, sie eignet sich allerdings U-Boot-mäßig lediglich für Schleichfahrten (bis 45 km/h).

Wer aus diesem U-Prius einen Torpedo machen will, drückt die Taste rechts neben Eco. PWR wie Power. Wir haben auch das ausprobiert – weil wir wissen wollten, ob der Benziner in Eile immer noch so nervig rasenmäherisch klingt wie beim Vorgänger: tut er nicht, mit dem neuen Prius fährt man nun auch gern aus der Stadt raus. Unangenehm aufgefallen sind uns nur das leicht synthetische Bremsgefühl und die indirekte Lenkung.

Grundsätzlich blieben die Abmessungen beinahe gleich, der Neue baut halt konsequent auf dem Prius II auf. Statt 408 Litern gibt's nun allerdings und immerhin 445 Liter (flachen) Kofferraum. Zu den besonders angenehmen Neuheiten an Bord begrüßt Toyota alle neu zusteigenden Gäste und wir das HUD. Head-up-Display. Endlich macht das BMW mal wer (gut) nach. Blendet sachdienliche Informationen wie Tempo, Navigation oder den Hybrid-System-Indikator ein.

Abschließend zum Design. Man bleibt bei der mit der zweiten Generation eingeschlagenen Philosophie. Die findet mittlerweile selbst Honda schlüssig, der Insight wurde ganz ähnlich gestaltet. Seine Eiligkeit, Umwelt-Papst Prius III., kommt allerdings ein bisserl verwegener, modischer daher als bisher. Fazit: Von der Nische voll(hybrid) in die Masse. Das ist nicht nur ein Mittsommernachtstraum. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/26.6.2009)

Informationen:
Toyota

  • Prius in dritter Generation: 24 Prozent stärker als bisher – bei noch einmal neun Prozent weniger Verbrauch.
    foto: werk

    Prius in dritter Generation: 24 Prozent stärker als bisher – bei noch einmal neun Prozent weniger Verbrauch.

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  • Honda Insight: Des Prius einziger direkter Gegner setzt auf
Mild-Hybrid. Kann also nicht auch rein elektrisch fahren wie der Toyota.
    foto: urban
    Foto: Urban

    Honda Insight: Des Prius einziger direkter Gegner setzt auf Mild-Hybrid. Kann also nicht auch rein elektrisch fahren wie der Toyota.

  • Größerer Benzinmotor - ansonsten wurden sämtliche Elektrokom-ponenten intelligent geschrumpft.
    foto: werk

    Größerer Benzinmotor - ansonsten wurden sämtliche Elektrokom-ponenten intelligent geschrumpft.

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