Individuell wurschteln ist die Norm

30. Juni 2009, 20:25
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Sprichwörtliche Kinderschuhe trägt das Thema Vereinbarkeit, wenn die Schule losgeht. Was für Kleinkinder zu klappen beginnt, reißt mit Schuleintritt überwiegend abrupt ab.

Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Element in der Debatte rund um die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen entwickelt. Corporate Social Responsibility (CSR) heißt das Konzept, unter dem sich meist Bruchstücke - von Sauberkeitsfragen in Sachen Umwelt bis zum wertschätzenderen Umgang mit Mitarbeitern - sammeln und meist auch PR-trächtig Verwendung finden. Es geht um Kundenvertrauen, um Mitarbeiterbindung und um die Stellung als attraktiver Arbeitgeber. Kurz: um Wettbewerbsvorteile.

Unternehmen haben sich da - vom Karenzmanagement bis zur Unterstützung in der Kleinkinderbetreuung, mit Betriebskindergärten und Betreuungskooperationen, sichtbar professionalisiert. Sie haben ja auch etwas davon, wenn sich ihre Belegschaft auf die Arbeit konzentrieren kann.

Urlaub auf Raten

Was bis zum Schuleintritt halbwegs zu klappen beginnt, endet allerdings - auch in der Debatte - abrupt mit der Volksschule und den zusammen rund drei Monaten schul- und überwiegend betreuungsfreien Zeiten. "Mütter arrangieren sich mittlerweile, haben sich daran gewöhnt, dass sie das individuell lösen müssen, gestaffelt auf Urlaub gehen, sich mit anderen Frauen zusammenschließen, Kurse organisieren. In den Firmen wird das gar nicht mehr angestoßen", erklärt Manuela Vollmann, Geschäftsführerin des Vereinbarkeitsberaters abz austria, dieses Phänomen des Schweigens. Dass es besteht, bestätigt das ÖPWZ, Plattform für Personalchefs in Österreich: "Eigentlich gar kein Thema", so Armand Káali-Nagy vom ÖPWZ.

Härter formuliert Petra Kreinecker, Geschäftsführerin des Netzwerks Soziale Verantwortung: "Offenbar ist das zu wenig spektakulär in der Außenwirkung, dass Firmen da viel tun." Christian Friehsl, Leiter der Gesellschaftspolitik in der Industriellenvereinigung (IV), sieht das etwas anders: "Firmen nehmen sehr wohl Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter in deren Elternrolle", rollt er das Riesenthema der flexiblen Arbeitszeiten auf. Es habe sich "enorm viel" getan zum Thema in den vergangenen zwei, drei Jahren. Für überbetriebliche Kinderbetreuung - aufgrund der Unternehmensgröße rechnet sich ein eigener Betriebskindergarten oft nicht - wünscht sich die IV steuerliche Absetzbarkeit, plus: "Ein Gesamtkonzept, in das die vielen Einzelteile und -maßnahmen einfließen", so Friehsl.

Dennoch: Unternehmen wie die Mobilkom, die ihren Mitarbeitern für die schulautonomen Tage und in der letzten Ferienwoche Flying Nannies anbieten, die für hochwertiges Kinderprogramm sorgen, gehören noch zu den "Pionieren". Betriebe wie das Trofana Erlebnisdorf bei Imst mit seinem kostenlosen Betriebskindergarten und demnächst bald Hort-Einrichtung für die Mitarbeiter sind (noch) Ausnahmen. Auch Varianten wie etwa Sodexho-Betreuungsgutscheine sind längst noch kein Renner, berichtet das abz austria. Allerdings, in die Gänge kommt das Thema offenbar doch: Tatjana Tölly vom Wiener Kinderbüro der Flying Nannies ortet "zunehmend mehr Anfragen, die Firmen wollen ihr Angebot ausbauen". (Karin Bauer/DER STANDARD - Printausgabe, 1.7.2009)

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    "Kein Thema", zu wenig spektakulär in der Außen-wirkung: Unternehmen brüsten sich gerne damit, ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Wenn es um Hilfen für die Mitarbeiter bei der sommerlichen Kinderbetreuung geht, stellen sich die meisten Firmenchefs freilich taub.

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