Stundenplan in der Manege

30. Juni 2009, 20:15
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Hunderte besuchen jeden Sommer die "Cirkusschule"

Gleich am ersten Montag nach der Zeugnisverteilung geht für hunderte Grazer Kinder jeden Sommer die Schule weiter. Drei Wochen lang, halbtags. Doch sie wechseln von ihren Klassenzimmern in ein schönes großes Zirkuszelt, das für diese Zeit im großen Park einer anderen Schule, dem Sacré Coeur, aufgeschlagen wird. Statt Mathematik, Deutsch und Englisch stehen Fächer wie Akrobatik, Clownerie, Jonglieren, Zaubern, Seiltanzen, Breakdance oder Equilibristik (Einradfahren) auf dem Stundenplan der "Cirkusschule für Kinder". Cirkus wird hier vorne mit C geschrieben - anders als es die andere Schule lehrt.

Aber auf den Wiesen, in den Turnsälen und in der Manege, wo unterrichtet wird, ist ohnehin alles anders: Kinder von sechs bis acht Jahren lernen im "Cirkus Bambini" einen Mix aus den verschiedenen Fächern, von neun bis 14 muss man sich für zwei Fächer entscheiden. Wer Einradfahren lernen will, braucht nicht gleich ein eigenes. "Wir haben einen eigenen Fuhrpark mit 30 Einrädern", erzählt Thomas Svoboda, der vor 21 Jahren Cirkusdirektor - klassisch samt Zylinder - wurde, "aber mittlerweile haben wir auch die Wirtschaft auf diesem Sektor angekurbelt, weil viele selbst eines kaufen. Letztes Jahr habe ich bei 170 zu zählen aufgehört".

Die Abschlussvorstellungen sind alljährlich der Höhepunkt der Cirkusschule. Da finden dann ängstliche Eltern vielleicht ausgerechnet ihren strahlenden Sprössling ganz oben auf einer Menschenpyramide wieder, während sich andere darüber wundern, wer der kleine Clown ist, der ihnen aus der Manege heftig zuwinkt.

Vierteljahrhundert-Gala

Gegründet wurde die Schule für Zauberlehrlinge und Kollegen vor 25 Jahren. Am 23. Juli wird es daher eine Gala-Vorstellung geben, bei der sich Neulinge ein Bild vom Lernzielkatalog dieser besonderen Schule machen können. Svoboda und sein Lehrkörper haben jeden Grund zu feiern: Schon im März trafen heuer wieder 250 Anmeldungen ein, "ohne dass ich einen Strich Werbung gemacht habe", erzählt der Direktor dem Standard.

Der Bedarf für eine kreative Beschäftigung für Kinder im Sommer ist offensichtlich groß, die öffentliche Hand beeindruckt das aber mäßig. Nur 5000 Euro bekommt die Schule von der Stadt gefördert, 2000 bezahlt das Land. Deswegen ist die Cirkusschule auch nicht gerade billig: 340 zahlen die "Bambini", 330 die älteren. Für Geschwister gibt es einen Rabatt von je 30 Euro. "Wir haben heuer auch sieben Sozialplätze und einige Ermäßigungen für Eltern, die sich das nicht leisten können", erklärt der gutgelaunte Cirkusdirektor stolz. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD - Printausgabe, 1.7.2009)

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