Laienrichter als Ausgleich zu harten Berufsrichtern

30. Juni 2009, 19:13
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Rechtsanwalt präsentierte Studie

Wien - Geschworene sind auch nicht unfähiger als Berufsrichter. Und bilden ein Gegengewicht zu den harten Urteilen ihrer professionellen Kollegen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Rechtsanwaltes und Strafrechtsdozenten Peter Lewisch, die Montagabend in Wien präsentiert wurde.

Lewisch hat sich im Auftrag des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Gesetzgebungspraxis und Rechtsanwendung mit den Geschworenen und ihrer Rolle im Strafverfahren auseinandergesetzt. Die angeblich besonders hohe Fehleranfälligkeit der Laiengerichtsbarkeit ließ sich empirisch nicht belegen. Vielmehr gleichen Geschworene, die eher zu Milde neigen, die vergleichsweise hohe Bestrafungsneigung der Berufsrichter aus. Demnach machen gerade juristische Laien oft die Voreingenommenheit und Betriebsblindheit mancher Strafrichter wett.

Lewisch sieht daher bei der Geschworenengerichtsbarkeit nur einen beschränkten Reformbedarf: Bei der Rechtsbelehrung und Fragenbesprechung durch den vorsitzenden Richter wünscht er sich Parteiöffentlichkeit, eine Reduktion von acht auf sechs Geschworene ist für ihn vorstellbar. Diese könnten zukünftig gemeinsam mit zwei statt drei Berufsrichtern mit einfacher Mehrheit über die Schuldfrage entscheiden. (APA/DER STANDARD – Printausgabe, 1.7.2009)

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