Akademische NS-Opfer

30. Juni 2009, 18:52
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Uni Wien veröffentlicht Gedenkbuch für 2700 Opfer

Über 2700 vorwiegend jüdische Angehörige der Universität Wien wurden bei der Machtübernahme des NS-Regimes 1938 aus "rassischen" und "politischen" Gründen entlassen und in der Folge vertrieben oder ermordet. Davon waren Studierende und Lehrende betroffen wie auch Verwaltungsmitarbeiter und über 200 Absolventen, denen ihr akademischer Grad aberkannt wurde. Im Zuge der eigenen Vergangenheitsbewältigung widmete die größte Uni des Landes den NS-Opfern nun ein Gedenkbuch. Eine Online-Version ist seit Dienstagabend verfügbar.

Demnach konnte etwa Alt-Bundeskanzler Bruno Kreisky "nach längerer Unsicherheit doch noch sein Studium abschließen und am 30. September 1938 unter zahlreichen symbolischen Diskriminierungen im Rahmen einer ,Nichtarierpromotion' promovieren, bei gleichzeitig ausgesprochenem Berufsverbot im gesamten Deutschen Reich". Dem Schriftsteller Stefan Zweig wurde "aus rassistischen Gründen" der Doktorgrad aberkannt, zu den vertriebenen Lehrenden gehörte etwa die Psychologin Charlotte Bühler.

Die Online-Datenbank umfasst derzeit rund 2200 Namen von Betroffenen der Uni Wien und der inzwischen selbstständig gewordenen großen Medizinischen Fakultät. Das Gedenkbuch, das im Denkmal Marpe Lanefesh, dem ehemaligen jüdischen Bethaus des AKH am Campus der Uni Wien, aufbewahrt wird, werde weiter ergänzt, betonen Friedrich Stadler und Herbert Posch vom Forum Zeitgeschichte. "Es handelt sich hier um eine späte symbolische Initiative, die niemals beendet sein wird", heißt es in der Präambel. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 01.07.2009)

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