Extragalaktischer Kuschelkurs

30. Juni 2009, 18:58
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Paul Eigenthaler erforscht die Verschmelzung fossiler Galaxien

Eine Galaxie kommt selten allein: Sternsysteme außerhalb unserer Milchstraße ordnen sich aufgrund ihrer gegenseitigen Anziehungskraft in Haufen und Gruppen an. Im Lauf einiger Milliarden Jahre kann diese Annäherung sogar zur Verschmelzung einzelner Objekte führen.

Diese Vorgänge sind es, die Paul Eigenthaler interessieren. Für seine Dissertation an der Uni Wien sucht der Astronom fossile Systeme, in denen ursprüngliche Galaxiengruppen zu einer einzigen massereichen elliptischen Galaxie verschmolzen sind. Mehr über dieses Entwicklungsszenario versucht er an Großteleskopen - wie dem Very Large Telescope (VLT) in Chile oder dem William Herschel Telescope (WHT) in La Palma - herauszufinden.

Beobachtungen am VLT werden gewöhnlich im "Service Mode" durchgeführt: Der Staff vor Ort macht Aufnahmen nach den Vorgaben des Auftraggebers. Seit er selbst internationale Observatoriumsluft in La Palma schnupperte, empfiehlt Eigenthaler aber jedem Studierenden wärmstens, selbst aktiv zu beobachten. Ein Beobachtungsaufenthalt beginnt bereits am Nachmittag mit dem Setup für die kommende Nacht und mit Kalibrationsaufnahmen für die spätere Datenauswertung. Eine kleine Einführung in die Handhabung der kostspieligen Geräte gehört ebenfalls dazu.

Nach Sonnenuntergang beginnt die wissenschaftliche Beobachtung - solange es Dunkelheit und Wetter zulassen. Der 28-Jährige arbeitete in La Palma mit dem Spektrograf ISIS (Intermediate Dispersion Spectrograph and Imaging System), um das blaue und rote Licht-Spektrum der zentralen elliptischen Galaxie in fossilen Gruppen aufzunehmen.

"Insgesamt ist man so um die 20 Stunden wach", lacht der Uni-Assistent, der sich während der langen Belichtungszeiten, die zur Aufnahme "seiner" Galaxien notwendig sind, mit MP3-Player und Internet wachhält.

Das eindrucksvolle WHT-Großteleskop steht auf dem 2400 Meter hohen Roque de los Muchachos in atemberaubender, wenn auch karger Landschaft. Den Ausblick von der Kanarischen Insel auf den Atlantik wird der Niederösterreicher, der gern mal Pinsel und Leinwand zur Hand nimmt, nicht so schnell vergessen.

Schon als Bub in St. Pölten nahm ihn die Astronomie ein. Sternkarten und Bücher über die Planeten unseres Sonnensystems gehörten zu seiner Lieblingslektüre, und die gewaltigen Entfernungen zwischen den Himmelsobjekten faszinieren ihn bis heute. Eine Spezialisierung auf extragalaktische Astronomie, also die Erforschung von Objekten außerhalb unserer Milchstraße, war da nur logisch.

"Es ist ein wunderbares Gefühl zu wissen, dass man als erster Mensch anhand von selbst aufgenommenen Daten Aussagen über ein bestimmtes Himmelsobjekt machen kann", schildert Paul Eigenthaler seine Begeisterung. Da die Jobaussichten in Österreich eher gering sind, wäre es gut möglich, dass er nach seiner Dissertation ins Ausland geht. Bis dahin freut sich der Uni-Assistent darauf, die Zukunft des Instituts für Astronomie als studentischer Vertreter mitzugestalten - nämlich in der Berufungskommission für eine Professur zur "Galaxienentstehung im frühen Universum". (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 01.07.2009)

  • Der Astronom Paul Eigenthaler schaut oft um die 20 Stunden per Teleskop in den Himmel.
    foto: privat

    Der Astronom Paul Eigenthaler schaut oft um die 20 Stunden per Teleskop in den Himmel.

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