Österreichs Offenbarungen

30. Juni 2009, 18:49
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Mit dem Sommer kehrt die Porträtistin origineller Menschenleben in hochdosierter ORF-Präsenz zurück

Die Spira. Jetzt ist es wieder so weit: Mit dem Sommer kehrt die Porträtistin origineller Menschenleben in hochdosierter ORF-Präsenz zurück. Mit der 13. Staffel der Liebesg'schichten und Heiratssachen (ab Donnerstag) und mit neuen Alltagsgeschichten (ab 12. Juli). Zum Geleit stellte am Montagabend Alfred Dorfer Fragen, wobei der Kabarettist von Elizabeth T. Spira weit weniger offenbarte als sie von den Menschen in ihren Sendungen.

Treffpunkt der beiden war die ORF-Kulturschiene. Dort bleibt auch das Weltbild schenkelklopfender Liebesg'schichten-Konsumenten ungestört, wenn Spira ihre - durchaus legitime - Freude hat, wenn sich angesichts neuer Nazi-Schlagzeilen nach außen zeigt, wie "schmuddelig" das Land ist. Neben dem Österreich, das sie nicht missen möchte ("Ich brauche meine Antisemiten. Ich brauch meinen Kampf!"), ging Dorfer nur sachte Vorwürfen nach, wonach Spira Menschenausstellerei betreibe. Schlägt die Grande Dame also Profit aus dem Umstand, dass den Vorgestellten nicht bewusst ist, wie originell sie in Augen anderer erscheinen? Dass die Leute, im Gegensatz zur Fragenstellerin, Privates mit Öffentlichem zusammenlegen?

Natürlich stelle sie niemanden aus, sagt Spira. Aber spannend, interessant müsse es sein: "Langeweile ist gegen die Menschenrechte." Sie ist "nicht verantwortlich für die Gefühle meiner Zuschauer". Da half auch kein Herumdrucksen Dorfers über eine Heurigensendung und Leute unter Alkoholeinfluss, über Zuseher, die sich lustig machen könnten. Und Kritik der "Qualitätsmedien"? Den Feuilletons ginge es nur um "moralische Marktführerschaft". Denn: "Gute Menschen sind böse, wenn sie glauben, sie haben falsch gelacht." Und wenn man gar nicht lachen muss? (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 1.7.2009)

  • Spira im Gespräch mit Dorfer.
    foto: orf/domenigg

    Spira im Gespräch mit Dorfer.

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