Eine Musikerin gibt in der ÖH den Ton an

30. Juni 2009, 18:13
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Gras-Kandidatin Maurer will linke Gesellschaftspolitik mit Service für die Studenten verbinden

In der Hektik vor der Wahl zum ÖH-Vorsitz verlor Sigrid Maurer kurz den ideologischen Überblick: Die 24-jährige Vertreterin der Grünen und Alternativen StudentInnen (Gras) stellte sich als Kandidatin der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft (AG) vor. Schallendes Gelächter ihrer Kontrahenten wich dann blankem Entsetzen, als Maurer im vierten Durchgang mit relativer Mehrheit den Vorsitz erklomm.

Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Hochschulkarriere, die 2005 begann: Als an der Uni Innsbruck der Weiterbestand von Maurers Fach Musikwissenschaft fraglich war, sammelte sie dafür Unterschriften. Das Institut existiert noch heute - ebenso die damals hergestellte Verbindung zur Gras: Deren "feministische und gesellschaftspolitische Schiene" habe sie "geprägt", sagt Maurer.

Mit ihr steht der ÖH nun eine Vertreterin vor, die linke Gesellschaftspolitik mit Service für die Studierenden verbinden möchte. Maurers Leibthemen sind "Bildungspolitik, Feminismus und der Kampf gegen jegliche Form von Diskriminierung". Dass die Tirolerin keine Koalitionsgespräche mit der auf Uni-Service konzentrierten AG führen möchte, hält deren Vorsitzender Samir Al-Mobayyed für "kindisch und naiv". Kritiker anderer Fraktionen wiederum monieren, sie sei "zu emotional" und ihr fehle "jegliche Kompromissfähigkeit". An "leidenschaftliche Diskussionen" kann sich Barbara Haid, Klassenvorstand Maurers an der Innsbrucker HBLA-West, erinnern. Einig sind sich Freunde und Gegner ob Maurers Fleiß.

Gefragt ist jetzt ihr Einsatz nicht nur bei den Koalitionsverhandlungen im Studentenparlament. Wenn Maurer nicht mit der ÖH oder dem mittlerweile aufgenommenen Politikwissenschaftsstudium beschäftigt ist, betätigt sie sich als Sängerin. Nach dem Umzug von Innsbruck nach Wien im Februar ist sie noch immer auf der Suche nach einem Jazztrio. Partner für Bass, Schlagzeug und Klavier fehlen bislang ebenso wie Orientierungsvermögen in der Hauptstadt.

Ihre Heimatgemeinde Telfes im Stubaital vermisst die Tochter eines Lehrerpaares aber nicht. Sie sei ein "Stadtmensch"; Vater, Mutter und die drei jüngeren Schwestern besucht sie nur mehr selten.

Dass ihr die Arbeit im Studentenparlament einmal als Sprungbrett in den Nationalrat dienen könnte, mag sich Maurer "nicht vorstellen: Demokratie in Österreich ist eine Farce", schimpft sie. Es gehe "nicht um Inhalte, sondern nur um Populismus" aller Parteien - die Grünen inklusive. (Alexander Dworzak, DER STANDARD-Printausgabe, 1.7.2009)

  • Sigrid Maurer ist neue Vorsitzende der Hochschülerschaft.
    foto: matthias cremer, der standard
    Foto: Matthias Cremer, DER STANDARD

    Sigrid Maurer ist neue Vorsitzende der Hochschülerschaft.

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