"Kriminell handeln die Politiker"

30. Juni 2009, 18:07
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Bürger von Eisenkappel und Neuhaus diskutieren derzeit heftig über ein neues Asyl-Erstaufnahmezentrum in ihren Heimatgemeinden. Die Kärntner Landespolitik sagt dezidiert Nein.

Bad Eisenkappel - Idyllisch schmiegt sich der Kurort Bad Eisenkappel an die dichtbewaldeten Flanken der Karawanken. Gleich hinter der prächtigen Bergkulisse liegt Slowenien. Die Jörg-Haider-Brücke - eine BZÖ-Hommage an den verunfallten Landeshauptmann - trennt die wirtschaftlich verarmte zweisprachige Region vom Rest Kärntens. Seit die Innenministerin Maria Fekter (VP) den Eisenkapplern viel Geld und jede Menge Arbeitsplätze versprochen hat, wenn sie in ihrer Gemeinde ein Asyl-Erstaufnahmezentrum errichten, wird heftig diskutiert. Denn der Bürgermeister Franz Josef Smrtnig von der slowenischen Einheitsliste (EL) kann sich das durchaus vorstellen - ebenso wie sein SPÖ-Kollege Gerhard Visotschnig von der Nachbargemeinde Neuhaus. Platz für das Asylzentrum gäbe es auf der acht Hektar großen Gemeindewiese von Eisenkappel. Diese grenzt an das Werksgelände des ehemaligen Zellstoffwerks Obir-Rechberg, das einst der Stolz des gesamten zweisprachigen Kärntner Unterlandes gewesen war und Tausenden Menschen Arbeit gegeben hatte. Heute wächst dort das Unkraut durch den verrottenden Asphalt und die meisten Arbeiterfamilien sind abgewandert.

"Keine Angst vor Asylanten"

"Wir haben keine Angst vor den Asylanten", meint der EL-Gemeinderat Wilhelm Osina. Man könne das Asylzentrum in der Kurgemeinde doch auch zu einem energieautarken Vorzeigeprojekt machen. Damit würde nach der vom verstorbenen Landeshauptmann Haider 1989 erzwungenen und 1990 vom Verwaltungsgerichtshof für rechtswidrig erklärten Schließung des Zellstoffwerks wieder neues wirtschaftliches Leben in die Region einkehren. Smrtnig will jetzt einen Gemeindevolksentscheid durchführen. Den will das Kärntner BZÖ, das vor einem drastischen Anstieg der Kriminalität durch die Asylwerber warnt, mit einer Novellierung des Gemeindeplanungsgesetzes unterlaufen. Die Regierungsparteien BZÖ, ÖVP und SPÖ haben sich ohnehin bereits einhellig gegen ein Asylzentrum in Kärnten ausgesprochen.

"Politiker, die unsere Region abgewirtschaftet haben"

"Kriminell handeln die Politiker, die unsere Region abgewirtschaftet haben und dafür keinerlei Haftung übernehmen müssen", ärgert sich Josef Hribar, ehemaliger Rechberg-Arbeiter und pflanzt sich vor seiner "privaten" zweisprachigen Ortstafel im hauseigenen Garten auf. Die slowenische Bezeichnung Zelezna Kapla wird den Eisenkapplern auf den offiziellen Ortstafeln ja bis heute verweigert.

Ortswechsel nach Neuhaus ins Gasthaus Hartl. "Bei uns sind die Asylanten unerwünscht, genauso wie die Nationalslowenen," wehrt Siegfried Skubl, dessen Familie vom spärlichen Fremdenverkehr lebt, ab. Skubl sei "ein rein germanischer Name", nimmt der ÖVP-Altbürgermeister stramme Haltung an und verweist stolz auf die Familiengeschichte. Dort hat der Wiener Polizeipräsident Michael Skubl einen Ehrenplatz. "Er hat abgelehnt, nach dem Tod vom Dollfuß österreichischer Kanzler zu werden", verkündet Nachfahre Siegfried. Michael Skubl wurde dann nach dem NSDAP-Umsturz 1938 Staatssekretär unter dem Kurzzeitkanzler Arthur Seyß-Inquart.

"Mit den Asylanten kommen doch nur Probleme zu uns", meint der Hartl-Wirt und tischt Jauntaler Salami auf. Da bleibt man schon lieber unter Kärntner Freunden. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD - Printausgabe, 1.7.2009)

  • Die Regierungsparteien BZÖ, ÖVP und SPÖ haben sich bereits einhellig gegen ein Asylzentrum in Kärnten ausgesprochen.
    foto: heribert corn

    Die Regierungsparteien BZÖ, ÖVP und SPÖ haben sich bereits einhellig gegen ein Asylzentrum in Kärnten ausgesprochen.

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