Bauverbote und Gelseninvasion

30. Juni 2009, 17:56
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Gemeindebundpräsident versteht Wunsch nach Änderung der Bauordnung nicht

Wien - Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hat eine Idee: In Gebieten mit hoher Hochwasserwahrscheinlichkeit soll nicht mehr gebaut werden dürfen. Derzeit werde eine rechtliche Möglichkeit geprüft, dass in Risikogebieten überhaupt nicht gebaut wird oder nur mit der Auflage, gleichzeitig mit dem Haus einen Hochwasserschutz fertigzustellen, verkündete der Politiker nach dem Ministerrat. Aus Sicht des Gemeindebundes hat die Idee nur einen Haken: Sie ist schon längst umgesetzt.

"Ich kann mir nicht erklären, worauf sich der Herr Bundeskanzler da bezieht. Es wird schon seit Jahren keine Baubewilligung für ,rote Zonen‘ mehr erteilt" , sagt Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer. "In den 'gelben Zonen' ist es auch jetzt schon nur mit Auflagen möglich. Die Widmungen macht ja auch nicht der Bürgermeister allein sondern die Gemeindevertretung, was wiederum von der Aufsichtsbehörde geprüft wird."

Ermessensspielraum

Allerdings: Dass es in den gelben Zonen einen Ermessensspielraum gibt, bestreitet Mödlhammer nicht. Denn der Baugrund ist dort natürlich erheblich günstiger, was auch den Bürgerdruck auf den Bürgermeister erhöht, eine Baugenehmigung zu erteilen. "Natürlich müssen Gemeinden da grundsätzlich vorsichtiger werden, da die Hochwasserintensität offenbar steigt. Aber wenn eine Gemeinde nur in rote und gelbe Zonen unterteilt ist, muss ja irgendwo gebaut werden können."

In den nächsten Tagen bleibt die Hochwasserlage jedenfalls weiter angespannt, lokal können Gewitter und größere Niederschläge auftreten, prophezeien die Meteorologen. Entlang der großen Gewässer sollte das Gröbste aber langsam vorbei sein, die Pegel sinken. Die Gefahr von Muren und Hangrutschen bleibt aber in allen betroffenen Gebieten hoch.

Selbst wenn es wärmer werden sollte, ist das Sommervergnügen bedroht. Denn durch die Überflutungen werden aus den Eiern der sogenannten Überschwemmungsgelsen in Tümpeln Larven und dann Stechmücken. In rund zwei Wochen sollen die Biester schlüpfen, sagte der Zoologe Bernhard Seidl der Austria Presseagentur. Bis zu drei Wochen ist das Sirren in der Luft, ehe die Tiere sterben. (moe/DER STANDARD - Printausgabe, 1.7.2009)

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    Wasser und kein Ende: In St. Pölten fielen Montagabend 164 Liter Regen pro Quadratmeter, ein neuer Rekordwert.

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