Großbaustellen

"Wenn die Führung fehlt, laufen viele im Kreis"

30. Juni 2009 17:49
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    Foto: fischer

    Skylink als Rendering, Realisierung als Totalchaos.

Der Skylink ist ein Paradefall für den Totalflop

Großbaustellen müssen perfekt geplant, klug ausgeschrieben und in der Ausführung straff gemanagt werden, andernfalls explodieren unweigerlich die Kosten. Der Skylink ist ein Paradefall für den Totalflop.

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Wien - Durch "Blödheit von Konsulenten und Beratern" könne viel schiefgehen, räumt ein am Bau des Skylinks Beteiligter ein, "aber nie in einem derartigen Ausmaß". "Wir haben einen Auftraggeber, der absolut nichts entscheidet", so ein anderer. "Wir arbeiten nach Ausführungsplänen, in denen kaum etwas funktioniert und mit einer extrem schwachen Projektsteuerung", sagt ein Dritter. Fazit: "Wenn die Führung fehlt, laufen viele im Kreis."

Die Planer und Konsulenten sind der Verschwiegenheitsklausel verpflichtet und müssen anonym bleiben, doch kristallisiert sich in allen Gesprächen mit dem Standard folgendes Bild heraus: Die Flughafenerweiterung ist ein Paradebeispiel für ein vor allem am Bauherrn selbst gescheitertes Großprojekt. Für die Kostenexplosion scheinen gleich mehrere Faktoren maßgeblich gewesen zu sein.

Erstens: Fehlende Planungskoordination. Wenn das einreichende Architektenteam ein anderes ist, als das zur Ausführung beauftragte, die Haustechnik und die Bauphysik ebenfalls separat vergeben und alle miteinander nicht äußerst straff koordiniert werden, entwickelt sich jede Baustelle zu einem Flohhaufen, in dem jeder in eine andere Richtung springt. Und jeder Hupfer kostet Bares.

Zweitens: Das Projekt wurde während der Bauzeit auf Geheiß des Bauherren redimensioniert und mehrfach umgeplant - eine vorprogrammierte Kostenfalle, weil jede Modifikation weitere Umplanungen nach sich zieht.

"Tatsächlich gab es hunderte Änderungen, Wände wurden x-mal aufgestellt und wieder abgerissen, die eingereichten Auswechslungspläne sind derart kompliziert, dass sie unlesbar sind", wird von mehreren Seiten berichtet.

Das größte Problem bereitete aber die in eine solchermaßen verkleinerte Architektur kaum mehr einpassbare Haustechnik, die aber sozusagen als Herz-Lungen-System jedes Gebäudes elementar ist und dringend mit den Architektenplanungen in Einklang zu stehen hat, soll die Sache funktionieren.

Kopflose Vorgangsweise

Das zuerst beauftragte Unternehmen scheiterte und wurde abgezogen, der Nachfolger ließ sich jede Auswechslung, sprich Veränderung, auf Stundenhonorarbasis teuer abgelten. Dass bei derart kopfloser Vorgangsweise mangels einer diktatorisch agierenden Generalplanung die Konsulenten- und Planerhonorare mit der Zeit in kosmische Höhen schnellten und derzeit bei 120 Mio Euro liegen - bei aktuellen Herstellungskosten von 290 Millionen - liegt am System. Es handelt sich dabei allerdings nicht, wie kolportiert, um die Ursache für die Gesamtkostenexplosion, sondern ist eine logische Folgewirkung. Denn abgerechnet wird jeweils in Prozent der Herstellungskosten. Steigen die, steigen auch die Beraterhonorare.

Im Schnitt betragen die für Architektur, Statik, Haustechnik, Bauphysik, örtliche Bauaufsicht, Projektsteuerung und Sonderkonsulenten bei Großprojekten insgesamt um die 20 bis 25 Prozent. Wenn sie im Fall des Skylink nun bei 30 Prozent angelangt sind, kann man getrost von Missmanagement zu sprechen beginnen.

Womit wir beim dritten Faktor wären: Wenn ein Bauherr sein Projekt nicht mittels einer straffen Vertragssituation mit möglichst wenigen Partnern abwickelt, die ihm den Preis absichern, steht er von vornherein auf verlorenem Posten. Vor allem öffentliche Auftraggeber vergeben ihre Projekte deshalb vorzugsweise an General- oder Totalunternehmer, die ihre Subunternehmer entsprechend koordinieren - und natürlich auch deren Preise im Eigeninteresse zu drücken versuchen.

Im Fall Skylink gibt es 90 Verträge mit 60 Konsulenten, von denen naturgemäß keiner gesteigertes Interesse daran hat, Herstellungskosten und damit das eigene Honorar zu schmälern. Während ein Generalunternehmer inneren Handlungsspielraum hat und seine "Subler" drücken kann, darf ein öffentlicher Auftraggeber nach erteiltem Zuschlag nicht mehr nachverhandeln. Insgesamt wird die Sache dann gerne mächtig teuer. (Ute Woltron, DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
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Die Wiener Liberalen
08.07.2009 00:00
Die Liberalen fordern die Offenlegung des Syndikatsvertrages W/NÖ an die Öffentlichkeit!

http://www.lif.at/content/s... e06f5460c8

Im übrigen liegt die Vermutung nahe, dass der Abgang von Vorstand Christian Domany, welcher erst im Laufe des Projektes Skylink bestellt und verantwortlich wurde, eine zu einfache „Erledigung“ dieses Themas darstellt. Es ist zu klären, wieso das Projekt von Beginn an derart mangelhaft gestartet und abgewickelt wurde, welche Zahlungsflüsse es wofür gab und welchen Einfluss die Politik, insbesondere ÖVP und SPÖ, auf das Tagesgeschäft der Flughafen Wien AG haben.

randy handsome
07.07.2009 00:44
misswirtschaft....

....und unfähige, politisch beeinflusste chefetagen. was die AUA vorgemacht hat, macht der flughafen wien jetzt nach.

AnDee Anderson
04.07.2009 00:07

mich wundert nichts.allen jenen die schon wieder politsches in das fiasko reininterpretieren wollen -es war ganz einfach "nur"ein bauprojekt was aus dem ruder lief. vor allem dank der führungs und entscheidungsschwäche in den airportreihen und unseliger projekt"versteuerer".

wie kann es sonst sein das einfach ohne vertrag auf stundenbasis gearbeitet wird und keiner auf die idee kommt mal das ganze in eine bahn zu lenken. das hinter diversen wünschen die im nachhinein kommen immenser planungsaufwand entstehen kann, ist leider auch noch nicht in manchen köpfen diverser führungspersonen angekommen.

so ist das halt. ... bin ja auch nur ein "bauer" in diesem schachspiel

Klaus Woltron, DI Dr.
01.07.2009 19:14
...letztendlich...

wird die ganze Republik so ähnlich gemanagt wie diese jetzt stillgelegte Himmelsstiege. Gott - oder jenem Vergleichbares - steh uns bei!

José Atento
01.07.2009 10:34
Hmm

<Großbaustellen müssen perfekt geplant, klug ausgeschrieben und in der Ausführung straff gemanagt werden, andernfalls explodieren unweigerlich die Kosten. Der Skylink ist ein Paradefall für den Totalflop.>

Welch neue Erkenntnis ???
Doch in Zeiten der Kreditschwemme spielte Geld praktisch KEINE Rolle mehr. Man musste schauen, dass man überhaupt noch einen Lieferanten fand. Ich kennen Fälle, da wurde nicht auf den Preis geschaut, sondern nur mehr auf mögliche Liefertermine.

Ich habe hier oft angemerkt, dass die Finanzpolitik der letzten Jahre (das leichte Geld!) zu Fehlinvestitionen und vor allem zu hohen Mehrkosten führen wird.

Unpolitisch
01.07.2009 09:16
Häupl/Pröll

Hinter dem Fiasko stehen eigentlich nur zwei Namen

Pröll und Häupl

In Wien sind bereits nächstes Jahr Gemeinderatswahlen. Ich hoffe das die Leute dieses Mal nicht mehr vergesslich sein werden...

Yossarian
01.07.2009 12:40

Die 50% privaten Anleger des Flughafens sind aber auch mitverantwortlich. Sich jahr für jahr nur über dividenden freuen anstatt auf der HV die Tätigkeit des Unternehmens kritisch zu hinterfragen ist zu wenig.

Mika Eskimo
 
01.07.2009 08:48
Hinterbeton 8

Das gäbe einen wunderbaren Stoff für einen satirischen Film.

Shazmandur
01.07.2009 08:38
"Wenn die Führung führt, laufen viele Irr"

Jim Kirk
01.07.2009 08:18
Denn abgerechnet wird jeweils in Prozent der Herstellungskosten. Steigen die, steigen auch die Beraterhonorare.

jeden Häuselbauer würde man auslachen, wenn er sich bei einem solchen System über die explodierenden Kosten wundert.

Die Unbarmherzige Schwester
01.07.2009 09:04
Re: Denn abgerechnet wird jeweils in Prozent der Herstellungskosten. Steigen die, steigen auch die Beraterhonorare.

Im Theater Akzent haben's deshalb angeblich die teuersten Fliesen der Erde in den Toiletten (Stückpreis 100 EUR)

Toll wie der Staat Aufträge vergibt.

José Atento
01.07.2009 10:41
Ich würde vermuten,

dass es sich hier vielfach ganz einfach um Korruption handelt.
Extrem überteuerte Arbeiten werden geordert, Kontrolle fehlt, bzw. alle Beteiligten kassieren mit.
Eine Art Goldgräberstimmung der Korruption war in den letzten Jahren überall präsent.

Dieser Exzess wurde in den letzten Jahren geradezu heraufbeschworen. Wen wundert diese in einem Finanzsystem (Fiat-money) das die Moral ruiniert?

Wird sich etwas ändern?
Keinesfalls, denn disese Finanzsystem wird geradezu mit Aufopferung der Politiker möglichst am Leben gehalten.

Möchte ich, dass es zusammenbricht? Keinesfalls! Wer möchte schon Schmerzen erleiden?

Fleisch
01.07.2009 08:15
Gratulation

Der erste fundierte Artikel, den ich zum Thema lese.

mondkeksi
01.07.2009 00:14
(...) mächtig teuer.

was für ein exzellentes deutsch.

das ist einer qualitätszeitung würdig.


genauso schlampig wie's geschrieben ist, genauso schlampig ist es recherchiert. bissi mehr ahnung vom projektmanagement tät auch nicht schaden, wenn man journalistin ist. aber hauptsache mächtig gescheit reden.

Gerhard1967
01.07.2009 12:17
Ab zum ...

... Mond, Keksi und troll-en Sie sich Ihnen.

Liebe Grüße

Mawol
30.06.2009 23:29
Exzellenter und fundierter Artikel

der die Misere IMHO ziemlich gut beschreibt, soweit ich das aus den Medienberichten der letzten Wochen beurteilen kann: Da steckt nicht zwangsläufig der große Korruptionsskandal dahinter, wie viele meinen. Wenn ein Projekt von gewisser Komplexität und Größenordnung nicht ordentlich gemanagt wird, geht's voll in die Hosen, so schnell kannst gar net schaun.
Aber Gerneralplaner? Brauch ma net! GU? Is sowiso für Warmduscher!
Aber bei DER Anzahl an verschiedenen Planern und Ausführenden hätte der Flughafen zumindest eine starke und routinierte Projektabteilung gebraucht, die mit derartigen Vorhaben vertraut ist. Und die wirds mangels vergangener Großprojekte kaum geben. Aber immerhin gabs einen für Skylink verantwortlichen Vorstand...

Gerhard1967
01.07.2009 12:20
Naja, ...

... nicht der Korruptionsskandal ... Es wurden halt alle "verwandten bzw. verschwägerten" Betriebe beauftragt, dass das mittels GU nicht geht, weil der/die dann nicht zum Zug kommen, ist wohl klar, also vergeben wir halt 90 Auf- bzw. Verträge.

Liebe Grüße

Mawol
01.07.2009 12:51

Stimmt, das ist natürlich das Hauptargument gegen einen GU.
Und auch ein Generalplaner ließe sich nicht in dem Ausmaß reinreden, wie's vermutlich gewünscht wär.

José Atento
01.07.2009 10:46

Da haben wir's. Der Mangel an qualifizierten Leuten ist/war schuld. Da ist sicher auch etwas Wahres dran.

Wenn alle auf einmal wie verrückt investieren, wo sollen dann plötzlich die Ausführenden herkommen?
Da nimmt man dann eben auch unerfahrene Schulabgägner und setzt sie als Projektleiter ein.
Ich habe schon viele solche Fälle erlebt. In den meisten Fällen ist es schief gegangen. Und wenn der Karren einmal verfahren ist, dann ist er nur mehr SEHR schwer aus dem Dreck zu ziehen.

Mawol
01.07.2009 13:02

Der Mangel an qualifizierten Leuten war nicht meine Botschaft. Den hatten andere Firmen und Projekte zuletzt auch, und trotzdem is der Skandal in den vergangenen Jahren einmalig.
Weil offenbar "von oben" keine starke gesamtverantwortliche Projektleitung installiert und entsprehcend kontrolliert wurde.

Chaton bleu
 
30.06.2009 19:40
Denn abgerechnet wird jeweils in Prozent der Herstellungskosten. Steigen die, steigen auch die Beraterhonorare.

fehler im system? ich kenn mich mit der materie nicht aus (und weiß auch nicht, ob das so üblich ist), aber gibt es hier nicht ein grundsätzliches problem, weil die berater dazu verleitet sein könnten, die kosten künstlich in die höhe zu treiben?

ehklass
01.07.2009 08:21
auf den ersten blick

könnte man einen fehler vermuten. Das hier verwendete konzept der baukostenabhängigen Honorierung von Konsulentenleistungen folgt dem Prinzip, daß wenn mehr verbaut wird, auch grundsätzlich mehr zu planen ist. Das ist allerdings keine lineare Beziehung - der Prozentsatz sinkt bei steigenden Baukosten. Die hier skizzierte Kostenüberschreitung hat meiner Ansicht nach jedoch überhaupt nix mit dem Abrechnungsthema zu tun sondern entspringt einem Chaos bei der Steuerung von Planungs- und Bauleitungen.

Fleisch
01.07.2009 08:10
ist jedenfalls so üblich

ob es gut ist, kann ich nicht beurteilen.

Kontra
30.06.2009 19:34
Ein exemplarischer Fall für die Ineffizienz im öffentlichen Eigentum stehender Unternehmen

deren Vorstände schlecht ausgewählt (mann kann auch sagen politisch besetzt) sind. Und dann plappern manche von Reverstaatlichung und solchen Unfug.

Beiddenker
01.07.2009 00:59
Nein, exemplarisch dafür, wenn der Kunde glaubt, alles ...

... managen zu können. Ich kenne genügend große Projekte im privaten Bereich, die auch am "Projektmanagement" des Kunden gescheitert sind.

Im Artikel wurde es ja klar erläutert -> wichtig ist, "ein Kopf".

Und weiters ist eine übliche "Krankheit", in laufenden Projekten den Sparstift ansetzen zu wollen. Meist - wie auch hier - ergibt sich dann das Gegenteil.

Sauberer wäre es, solche Projekt wirklich zu stoppen und von vorne zu planen, wenn man wirklich sparen will. Allerdings hilft das auch nichts, wenn man alle 3 Monate "sparen will".

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