"Monopolfliegerei für Dritte öffnen"

30. Juni 2009, 18:47
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Nicht am staatlichen Zuschuss für die AUA, sondern an der monopolartigen Situation nach einem Verkauf an die Lufthansa nimmt Konkurrent Niki Lauda Anstoß

STANDARD: Herr Lauda, wären Sie froh, wenn die EU-Kommission den Verkauf der AUA an die Lufthansa und/oder die 500-Millionen-Euro-Spritze untersagt?

Lauda: Nein. Weil Brüssel nicht dazu da ist, einenVerkauf an die Lufthansa zu verhindern, sondern dafür zu sorgen hat, dass der Wettbewerb im Falle eines Verkaufs unbehelligt bleibt.

STANDARD: Was erwarten Sie von der EU-Kommission?

Lauda: Unbestritten ist: Wenn die Finanzspritze und der Kauf passieren, tritt eine Wettbewerbsverzerrung ein. Wenn die Lufthansa die AUA kauft, hat sie eine monopolartige Stellung inDeutschland, in Österreich, in der Schweiz, in Brüssel und inNorditalien. Diese Konzentration einer Airline im Vertrieb und überall sonst erzeugt eine Wettbewerbsverzerrung, die es für jeden Dritten wahnsinnig schwierig macht.

STANDARD: Wie könnte die Verzerrung korrigiert werden?

Lauda: Die Airlines müssen Slots an den Airports abgeben und Frequenzen auf einzelnenStrecken reduzieren, damit es überhaupt möglich wird, so zu fliegen, dass nicht immer die Monopoltruppe fünf Minuten vor einem herfliegt. Und die Verkehrsrechte, die zwischen Österreich und Nicht-EU-Ländern wie Russland oder der Ukraine ausgehandelt werden, müssen fair auf alle Airlines verteilt werden. Diese Kapazitäten gehören Österreich, nicht der AUA.

STANDARD: Um den ÖIAG-Zuschuss geht es Ihnen also nicht?

Lauda: Das Einfachste wäre, mir den gleichen Zuschuss zu geben. Aber da das wegen der Probleme der AUA und der Arbeitsplätze nicht möglich ist, kann man dieses Ungleichgewicht nur dadurch korrigieren, dass man die Monopolfliegerei für Dritte öffnet.

STANDARD: Wie betrifft Sie als Kunde des Wiener Airports das Debakel bei der Erweiterung Skylink?

Lauda: Als Kunde bin ich prinzipiell sehr gut bedient, es gibt kürzeste Umsteigezeiten und funktioniert einwandfrei. Das hat auch einen Preis, den man zahlen muss. Aber wie man in eine Situation wie mit dem Skylink kommen kann, das verstehe ich nicht.Das betrifft Niki zwar nicht imAugenblick. Aber wir hatten das Konzept, vom jetzigen provisorischen Terminal in den jetzt von der AUA benutzten Terminal zu übersiedeln, sobald Skylink in Betrieb ist. Das verschiebt sich jetzt um Jahre, und das stört mich natürlich schon. Schockiert bin ich, dass mir heute die Austro Control mitteilte, dass sie ihre Kosten um 14 Prozent erhöhen will - und das von einem Monopolbetrieb mitten in der Krise. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2009)

Zur Person

Der frühere Formel-1-Weltmeister Niki Lauda ist Mehrheitseigentümer der Fluglinie Niki.

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