Erste Sammelklage gegen den AWD anhängig

30. Juni 2009, 17:31
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Finanzdienstleister spricht von medialer Hetzjagd durch die Konsumentenschützer

Wien - Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat am Handelsgericht Wien die erste Sammelklage gegen den Finanzdienstleister AWD eingebracht. Der VKI wolle nachweisen, dass es beim Verkauf von Immofinanz- und Immoeast-Aktien durch den AWD systematische Fehlberatungen gegeben habe, sagte VKI-Rechtsexperte Peter Kolba dem Standard.

Kolba will am Mittwoch Details der 125 eingeklagten Fälle (Schadenssumme: zwei Mio. Euro) vorstellen. "Wir erheben fünf konkrete Vorwürfe, die den Hauptvorwurf illustrieren und glauben, beweisen zu können, dass systematisch fehl beraten wurde."

Bereits am Montagabend legte der AWD seinen Standpunkt in der Causa dar. Und fuhr - zumindest verbal - schwere Geschütze auf. "In welcher Bananenrepublik leben wir, dass ein staatlich subventionierter Verein ein unbescholtenes Unternehmen so vorführen darf", klagte AWD-Österreich-Geschäftsführer Kurt Rauscher über ein "politisch geduldetes Kesseltreiben gegen den AWD" und eine "mediale Hetzjagd".

Dem VKI, der im Auftrag des Konsumentenschutzministeriums zunächst Anleger-Beschwerden gesammelt hatte (rund 6500 trafen ein) und dann die Beteiligung an Sammelklagen anbot (etwa 2300 Anleger mit einer Schadenssumme von 40 Mio. Euro nehmen teil) sei es "nie um die Menschen und die Sache, sondern immer nur um die Denunzierung des AWD gegangen", lautete ein weiterer Vorwurf Rauschers. Den er damit begründete, dass der VKI nur zehn der beanstandeten Fälle dem AWD zur Prüfung vorgelegt hatte und damit eine konstruktive Lösung verzögere.

Der AWD sei weiterhin bereit, jeden einzelnen Fall zu prüfen, und "die wenigen, die sich mit Recht beschweren" zu entschädigen.

"Wir kennen genügend Fälle, bei denen sich die Leute einzeln an den AWD gewandt haben und abgeschasselt wurden", so Kolba.

Auch der VKI sei gesprächsbereit gewesen, habe aber erkannt, dass der AWD die Angelegenheit nur verzögern wolle. Da der VKI dem Finanzvertrieb systematische Fehlberatung vorwerfe, würde man zudem die Täter zu Richtern machen, meinte Kolba. "Jetzt hat der AWD ja 125 Fälle am Tisch, die er einzeln prüfen kann." (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2009)

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