Lambchop mit Herzblut

30. Juni 2009, 17:21
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Der originelle Gegenentwurf zum Mainstream-Country im Wuk in Wien - Am 1. Juli 2009

Nashville wird gemeinhin als Vorhölle der Country-Music betrachtet. Als jener Ort, in dem diese Soul-Music des weißen Mannes zwecks Breitenwirksamkeit in Richtung Schunkelschlager ausgedünnt wurde. Ausgerechnet in dieser "Metropole des Bösen" hat die Band Lambchop vor 15 Jahren ihr erstes Album veröffentlicht und seitdem unbeirrbar an einem originellen Gegenentwurf zum Mainstream-Country gearbeitet. Als vielköpfiges Kollektiv rund um ihr Mastermind, den einstigen Bodenleger Kurt Wagner, erarbeitete Lambchop eine Art Kammer-Country. Ein ruhiges, im Sitzen dargebotenes Country-Destilat, dem das narrative Element wichtiger ist als der Howdy-Faktor.

Breit und dennoch filigran arrangiert, erinnern Lambchop an die Tindersticks - aber eben mit Trucker-Mütze, und statt der melancholischen bis trüben Weltsicht der britischen Trauerweiden pflegen Wagner und Co eine feine Ironie, die sich gerade live immer wieder in euphorischen Zwischensprints entlädt, bevor zumindest Wagner wieder, scheinbar erschöpft, zusammensackt. Damit erarbeitete sich die Band vor allem in Europa eine erstaunliche Popularität, unterstützt von gemeinsamen Touren mit einschlägigen Verwandten wie Calexico oder Vic Chesnutt. Heute, Mittwoch, gastiert Lambchop im Wiener Wuk. Kurt Wagner wird seine aktuelle Hornbrille und seine aktuelle Kappe vorführen, und die Band ihren mit Herzblut getränkten Country spielen. Der hat uns schon öfter das Herz erweicht, das wird ihm wohl wieder gelingen. Daran arbeitet im Vorprogramm auch Sir Tralala, ein Doppelpack wie von der Wunschliste ans Christkind (flu, DER STANDARD/Printausgabe, 01.07.2009)

>> 1. 7. Wuk, Währinger Str. 59, Tel.: 01/401 21-0. 20.00

  • Kurt Wagner von Lambchop in Ekstase, irgendwie. Heute live im Wiener Wuk.
    foto: fischer

    Kurt Wagner von Lambchop in Ekstase, irgendwie. Heute live im Wiener Wuk.

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