"Es stimmt, dass Kohl dem Hempel etwas gegeben hat"

30. Juni 2009, 19:11
83 Postings

Ex-Radprofi gibt erstmals Weitergabe von Substanzen zu und muss mit weiteren Ermittlungsschritten rechnen - Triathlet bestreitet Aussagen

Wien - Der wegen EPO-Dopings gesperrte und mittlerweile zurückgetretene Radprofi Bernhard Kohl hat erstmals zugegeben, verbotene Substanzen nicht nur selbst konsumiert, sondern diese auch weitergegeben zu haben. Kohls Anwalt Manfred Ainedter bestätigte am Dienstag eine entsprechende ORF-Meldung und präzisierte diese: "Es stimmt, dass Kohl dem Hannes Hempel etwas gegeben hat."

Hempel, früher Radprofi und nunmehr Triathlet, hat die Aussagen in einer eidesstattlichen Erklärung schriftlich und vor laufender ORF-Kamera bestritten. "Ich, Herr Hannes Hempel, erkläre hiermit eidesstattlich, dass ich weder von Herrn Bernhard Kohl noch von irgendjemand anderem Dopingmittel erhalten habe", versicherte Hempel in der schriftlichen Erklärung.

Konkret behauptete Kohl, er habe Hempel  drei Ampullen Amth-2 - in der Wirkung angeblich Testosteron vergleichbar - zu je einem Milliliter überlassen, wobei allerdings derzeit fraglich ist, ob diese Substanz unter das Arzneimittelgesetz oder das Anti-Doping-Gesetz fällt. Die entsprechenden chemischen Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Auf Nachfrage im Austrian Research Center (ARC) und von der WADA akkreditierten Labor in Seibersdorf war zu erfahren, dass man derzeit damit beschäftigt sei, der Substanz auf den Grund zu gehen.

"Die Übergabe hat Anfang 2008 stattgefunden", sagte Ainedter. Falls dies zutrifft, wäre der Vorgang nicht nach dem erst im vergangenen August in Kraft getretenen Anti-Doping-Gesetz, sondern allenfalls nach dem Arzneimittelgesetz strafbar. Die Kosten für das Amth-2 will Kohl mit drei insgesamt 300 Euro teuren CERA-Spitzen "gegenverrechnet" haben, die er zuvor von Hempel erhalten habe. Er selbst habe das neue Mittel über seinen früheren Manager Stefan Matschiner kennengelernt.

"Das letzte Aufbäumen"

Hempels Anwalt Herwig Hasslacher bezweifelte die Glaubwürdigkeit von Kohl. "Zu den Aussagen von Bernhard Kohl kann ich nur den Kopf schütteln. Das ist das letzte Aufbäumen eines Sportlers, der mit seiner Dopingaffäre dem Sport und anderen Sportlern großen Schaden zugefügt hat", erklärte Hasslacher. "Bernhard Kohl ist absolut unglaubwürdig." Das müsse auch die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) bei weiteren Schritten bedenken.

Die "SoKo Doping" wird Kohl am kommenden Montag zu den neuen, von ihm erhobenen Vorwürfen befragen. Die Staatsanwaltschaft Wien dürfte gegen den Ex-Radprofi - sollten sich seine Angaben als inhaltlich zutreffend erweisen - weitere Ermittlungsschritte setzen. Gegen Kohl sind bereits Untersuchungen im Zusammenhang mit einer möglichen Beteiligung am von Matschiner betriebenen Blutdoping im Gang.

Auf die Frage, weshalb Kohl erst jetzt die Weitergabe von dubiosen Substanzen zugebe, erwiderte sein Anwalt: "Das war bisher nie Thema. Er ist nicht verpflichtet, sich selbst zu belasten." Die nunmehrige Selbstbezichtigung ist für Ainedter "ein weiterer Hinweis, dass Kohl immer die Wahrheit gesagt hat und weiter sagen wird".

Ainedter dementierte kursierende Gerüchte, denen zufolge Kohl auch weitere Sportler aus der Radsport-Szene im weiteren Verlauf 2008 mit Mitteln versorgt haben soll. Sollte Kohl das dessen ungeachtet nachgewiesen werden können, käme das Anti-Doping-Gesetz ins Spiel. Möglicher Strafrahmen für Weitergabe verbotener Substanzen: Bis zu drei Jahre Haft. (APA/red)

Share if you care.