"Superrudi"

"Schien mir ziemlich antidemokratisch"

30. Juni 2009, 17:15

"Superrudi" flog Dienstag aus der "Krone" - Zeichner Markus Szyszkowitz karikierte anderswo Kanzler Werner Faymann - Das "System Krone" nervte, sagte er im STANDARD-Interview

STANDARD: Dienstag ist nach 11 Jahren der letzte "Superrudi & Superstruppi"-Cartoon in der "Krone" erschienen. Warum sind die beiden Figuren aus dem Pressehaus geflogen?

Szyszkowitz: Der Anfang vom Ende der Story liegt ziemlich genau ein Jahr zurück, und hat offenbar zu einem immer tieferen Bruch mit dem Herausgeber geführt.

STANDARD: Da zeichneten Sie auch Cartoons für die "Wiener Zeitung". Und es gab Krach wegen Faymann-kritischer Karikaturen im Staatsblatt.

Szyszkowitz: Ich hatte mir immer den Status eines freien Mitarbeiters erhalten, und neben der "Krone" auch für andere Zeitungen als Karikaturist gearbeitet. Neben der Solidarität war ich eben v. a. auch für die "Wiener Zeitung" bereits über 3 Jahre tätig. Dies war auch für H. D. nie ein Problem, bis Werner Faymann im öffentlichen Interesse aufstieg und somit auch zum Thema dieser Karikaturen wurde: Zuerst bei einem "Zufallstreffer", als nach einer 3-teiligen "Gusius-Cäsar"-Serie Anfang Juni 2008 (zum erahnbaren Ende der „Ära" Gusenbauer) bei der Suche nach einem Brutus die Wahl ausgerechnet auf ihn fiel, und dann bei einer knappen (treffsicheren) Erklärung zur "neuen" EU-Linie der SPÖ.

Per "Drohbrief" wurde ich dann vor die Wahl gestellt, diese Karikaturen sofort einzustellen, oder mit einem Ende des Superrudi-Strips die Existenzgrundlage (meiner 5-köpfigen Familie) zu verlieren. Die Situation war für mich unerträglich, v. a. da die Karikaturen in der "Wiener Zeitung" mittlerweile die einzige Möglichkeit waren, eigene (grafisch-satirische) Kommentare zur Politik abzugeben. Durch extreme Selektion war dies in der Krone schon lange nicht mehr möglich.

STANDARD: Glauben Sie, dass Faymann - damals ja noch "Wahlneffe" - selbst gegen diese Karikaturen interveniert hat?

Szyszkowitz: Das ist nicht beweisbar. Kollegen berichteten, es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass er so in redaktionelle Bereiche in der "Krone" eingegriffen hätte. Wenn es so war, hätte er jedoch über diesen Umweg erstmals in die Redaktion einer anderen Zeitung eingegriffen, und wohl erstmals in dieser Republik wäre somit ein Karikaturist Opfer einer politischen Intervention geworden.

STANDARD: Sie haben dann unter Pseudonym weiter gezeichnet - und nicht weniger frech als vorher. Der Deckname half offenbar nicht?

Szyszkowitz: Das Pseudonym - das ich den Lesern und neuen Fans zu Liebe jetzt nicht verrate - teile ich mit meiner Frau, die meist die Ideen liefert. Durch totalen Stilwechsel bin ich ziemlich lang unerkannt geblieben.

STANDARD: Ist es dann nicht ein bisschen absurd, dass Superrudi just zu einer Zeit gehen muss, in der Hans Dichand von Werner Faymann zu den Prölls gewechselt ist. Oder haben Sie auch die schon aufs Korn genommen?

Szyszkowitz: Ich hatte/ habe auch gegen Werner Faymann persönlich nichts. Mir ist nur diese Situation auf die Nerven gegangen, die mir ziemlich antidemokratisch erschien. Und das liegt wohl eher am System "Krone". Klar hab ich die Prölls auch schon aufs Korn genommen, aber die halten das aus.

STANDARD: Wer hat Superrudi eigentlich ausgewählt? Angeblich war er Chefsache, wie früher einmal die tägliche Nackte?

Szyszkowitz: Absolut Chefsache. Zuerst der Text, dann die Skizze (per Fax).

STANDARD: Gab es Vorgaben, inhaltliche Richtlinien für Superrudi?

Szyszkowitz: Konwallin, der zuerst den Text abgeliefert hat, war als "Herr Strudel" schon 11 Jahre vor mir beim "Verein", und wusste bereits ungefähr "die Richtung". Was nicht passte, wurde gestrichen. Immer öfter auch dann die Zeichnung zu bereits ausgewählten Texten, was einigermaßen frustrierend war.

STANDARD: Haben Sie Superrudi eigentlich auch getextet?

Szyszkowitz: Am Anfang hatten wir beide noch relativ viel Spielraum. Da gelang es mir noch ziemlich oft, mich selbst einzubringen. Das nahm die letzten Jahre rapid ab. Zuletzt haben es meine Ideen nur mehr sehr selten in die Zeitung geschafft.

STANDARD: Was hat Superrudi nach dem Rausschmiss vor?

Szyszkowitz: Eventuell gelingt es ihm, wo anders Fuß zu fassen (es gibt schon konkrete Gespräche) derweil wird er 1x pro Woche im web agieren (www.superrudi.at) - ohne Maulkorb(!) (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 1.7.2009; Langfassung)

Zur Person:

Markus Szyszkowitz, 1966 geboren in Graz, studierte Architektur. Seit 1986 Grafiker. Seit 1998 ist er Cartoonist des täglichen Comicstrips "Superrudi & Superstruppi" in der "Kronen Zeitung", 2005 bis 2008 veröffentlichte er politische Cartoons in der "Wiener Zeitung". Seit 2006 ist er auch für die "Solidarität" tätig. "Superrudi" gibt's jedenfalls weiter unter superrudi.at.

Kommentar posten
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Elisabeth Jarok
01
ich warte jetzt

auf ein comic-buch von Ihnen über die krone, dichand, und den rest von österreichs medienszene.... orf bitte nicht vergessen!!

p.s. egal ob unter eigenem namen oder pseudonym. auch unsere posting-namen sind meist nicht so ganz echt....;-)

Markus Szyszkowitz
14
14.7.2009, 13:56

Sie werden lachen, aber das hatte ich echt vor.. :)
(mal schau'n...)

Ossi der Bossi
00
bitte nicht!

ersparen sie uns ihr lustiges gekritzel ...

Gnadenlos
00

Super! Würde das sehr begrüßen. Viele Menschen würden das sicher kaufen.

roterbruder
01

na und, jetzt ham´s halt den supererwin und den superpepi

Juan Solo
00

Habe mir jetzt ein paar Strips auf der Homepage angeschaut. Erst die ausgewählten von 2009, dann einige von 2005, da der Strip da laut Markus Szyszkowitz wohl "at its peak" gewesen sein soll. "Columbus", den ich als Kind in der Kronenzeitung sehr wohl noch gelesen hatte, fand ich damals in jedem Fall viel besser, auch wenn hier natürlich heftig selektiert wurde. (Und die hier gezeigten Werke aus der Wiener Zeitung ebenso.)

Auffällig aber die Ähnlichkeit von "Hegel" (21.5.09) und "aufgehört zu existieren" (30.5.05). Einmal hat's Cato zitiert, einmal Hegel selbst gesagt. Davon abgesehen ist das erste Panel unterschiedlich coloriert. ;)

Markus Szyszkowitz
04

2009 können Sie - bis auf wenige Ausnahmen - größtenteils vergessen (zum Schluss hat er überhaupt nur mehr immer wieder die selben Texte ausgesucht). 2007/ 2008 ist es zunehmend immer schwieriger geworden, und wenn es nicht die wirtschaftl. Grundlage f. d. family gewesen wäre, hätt ich's schon längst hingeschmissen. Die Kompensation durch die Cartoons in der WZ war f. mich (psychisch) lebensnotwendig(!) in dieser Zeit.
Deren Wegfall durch Verbot war eine Katastrophe f. mich (ohne family hätte ich nicht gezögert, auf welche Cartoons ich verzichte!).
Kolumbus hatte das Problem nicht. der war völlig unpolitisch. und stand unter Falks "Protektorat" (ist deshalb auch mit Falk gegangen (worden)...)

Thomas Anderson alias Michael Moore
10
14.7.2009, 13:37
nicht böse sein ...

... aber die "ausrede", aufgrund des einkommens (=ihre familie) seine seele dem teufel zu verkaufen, halte ich für billig.

für mich schaut es dann eher so aus: "mir war's wurscht, was der alte gesagt hat, hauptsache, die kohle hat gestimmt."

von mir aus ok, wenn sie das tun, aber bitte dann nicht von "psychischer katastrophe" und so plaudern ... das nehm ich niemandem ab, der für kohle alles(?) macht.

Mag. Mario Märzinger
01
21.7.2009, 07:37
doppelmoral

also hier immer auf den Künstler zu gehen "scheiß auf das geld, du darfst dich nicht an den teufel verkaufen" ist ja echt falsche-moral! Wer macht denn nicht in seinem Job eingeständnisse, seinem Ideal brechend - um ganz banal: Geld zu verdienen?!

Thomas Anderson alias Michael Moore
00
21.7.2009, 09:32
stimmt schon ...

... das machen viele.
aber die meisten davon "jammern" nachher nicht davon, wie furchtbar es nicht war, seine seele zu verkaufen.

ich denke, die krone hat schon ordentlich gezahlt - und, noch einmal, das ist ja prinzipiell ok. nur soll man nachher nicht davon reden, wie schrecklich das nicht war!

Mag. Mario Märzinger
00
21.7.2009, 09:39
doppelmoral die 2.

ja da hast auch recht. wenn man arbeitet für geld, soll man dazu stehen. jetzt passts halt nicht mehr und gehen getrennte wege, aber bisher hat es fürb eide gepasst, sonst hätten sie es ja nicht machen müssen...

Markus Szyszkowitz
00
22.7.2009, 20:04
aw. doppelmoral

wenn ihr außer der fetzigen Überschrift auch das Interview lest, findet ihr ev. heraus, was die Arbeit zuletzt tatsächlich nicht mehr zumutbar gemacht hat. hab eben nicht "meine Seele verkauft". Solang die Inhalte od. Vorgaben so waren, dass ich mich damit identifizieren konnte, war die Arbeit o.k., und hat sogar Spaß gemacht – über Jahre(!), und das Geld war auch relativ o.k.. Der echte Bruch ist passiert, als man mir meine Meinungsfreiheit in anderen Medien untersagt hat. Dann ist es unerträglich geworden, und ich hab den Rauswurf zunehmend provoziert.

Thomas Anderson alias Michael Moore
00
30.7.2009, 17:03
ah ....

... "ich hab den Rauswurf zunehmend provoziert"?!

sorry, aber das ist lächerlich. wenn's unerträglich wird, kündigt man. punkt.
zumindest, wenn man prinzipien hat. und die spreche ich dir ab.

und ich zitiere: "wenn es nicht die wirtschaftl. Grundlage f. d. family gewesen wäre, hätt ich's schon längst hingeschmissen".
ergo: solange das geld passt, verkauft man sich ... traurig!

Markus Szyszkowitz
00
30.7.2009, 21:02
? ...

seltsame Schlußfolgerung.
aber, bitte...

Juan Solo
02
Da fehlt etwas

Na suppi,

wenn nicht grad eine Verfilmung als Hollywood-Blockbuster ansteht, brauchen Comic schon eine Affinität nach rechts-außen (HC oder Krone), damit der Standard was drüber schreibt.

Wie wär's beispielsweise mal mit etwas über MOFF, Taniguchi, Schuiten oder Sfar. Oder als noch ziemlich aktuellen Titel die großartigen "Aufzeichnungen aus Birma" von Guy Delisle. Im Allgemeinen ist doch das Kulturressort dem Standard relativ wichtig.

Markus Szyszkowitz
00
14.7.2009, 14:14

bin nicht böse.
ist mir schon klar, dass das schwer nachvollziehbar ist. aber die Arbeitsverhältnisse (nicht nur für mich) haben sich in den letzten Jahren dratisch verschärft.
anfangs hatten wir deutlich mehr Freiheiten. Hängt sicher auch wesentlich mit zunehmendem Alter und zunehmender Vereinsamung (hat seit 2001 einen nach dem anderen von seinen langjährigen Partnern u. Weggefährten rausgeschmissen) des alten Mannes im 16. Stock der Muthgasse zusammen. Auch seine Machtansprüche haben immer krassere Züge angenommen (und das betrifft bereits nicht mehr nur die Zeitung!)
Die wirtschaftliche Komponente ("Ausrede") war v.a. im letzten Jahr tatsächlich relevant, wo ich wirklich bereits alles getan hab, um irgendwelche Alternativen zu finden

leojus
02
An: red

Was is denn das für eine verlinkung mit dem "es nahm rapid ab" (Link führt zu SK Rapid)?

die ratte
02
nun weiss ich, weshalb ich kein standard abo ...

... mehr habe. die standard-leser sind mittlerweile schon fast so kleinkariert wie krone-leser.

herr f. und herr d. zeigen ihr wahres gesicht. von herrn d. wusste es man ja eigentlich schon, aber der immerlächelnde herr f. scheint in wirklichkeit kaum humor und grosszügigkeit zu besitzen.

superrudi wurde ja nicht abgesetzt, weil er schlecht war, sondern weil der zeichner "fremd ging" bzw. herrn f. und co. aufs korn genommen hat. das ist für mich der eigentliche skandal und zeigt sehr gut, wie es um die österreichischen medien und pressefreiheit, bestimmte österreichische politiker und die österreichische mentalität (die hand die einen füttert ...) steht.

good luck, lieber herr syszkowitz ... zeigen sie nun was sie können!

Markus Szyszkowitz
00
nicht lustig...

zugegeben, der Witz hat anfangs (1998) "Startschwierigkeiten" gehabt, und ist so ab 2007 zunehmend abgeflacht. Der Alte hat sich auch alle Mühe gegeben, von den bis zu 15 Textvorschlägen (!) zielsicher den schwächsten auszuwählen. Tw. konnte ich dann bei der Umsetzung noch eine Pointe hineinbringen, aber wenn er zu lustig geworden ist, ist dann auch die Skizze gecancelt worden. Aber es hat schon auch ein paar "Höhepunkte" gegeben: meine Auswahl unter: www.superrudi.at > Galerie

modelo65
01
Satiriker

Die drei Cartoons aus der Wiener Zeitung weisen Szyszkowitz als feinen Satiriker aus und sind auch sehr witzig. - Hätt ich anhand der Superrudi-Strips nicht für möglich gehalten. Aber letzterehat ja der Herr Strudl getextet - welch ein Handicap!

Markus Szyszkowitz
24
kurze Replik...

auf die Heckenschützen reagier ich gar nicht, die hier fröhlich vor sich her-rülpsen und sich hinter ihren pseudonymen verschanzen... die selbsternannten "Kunstkritikern" sollen mal selber einen bleistift in die Hand nehmen, und die Möchtegern-CheGuevaras mögen mal selber eine Revolution machen!
Zu den Inhalten kurz: wie gesagt, war ich da ziemlich eingeengt, und es wurde zunehmend enger, aber fremdenfeindliche Themen (z.b.) hab ich nicht umgesetzt, egal, wie oft ich entsprechende Textvorgaben erhalten habe. Anfangs bin ich 1 - 2x bei Vorgaben hineingesumpert, die zumindest problematisch auslegbar waren, dann hab ich das Thema zeichnerisch aber komplett ausgespart.
für Bromer: ja, den 1. Cäsar hatte die Krone nach der WZ 2x nachgedruckt.

Ossi der Bossi
11
lieber ein ...

Möchtegern-CheGuevara sein, als einer, der sichs zuerst ganz gut richtet und dann aber eine beleidigte leberwurst abgibt, die der onkel hans nicht mehr mag.
und die schleichwerbung für ihre webseite (post "nicht lustig" zeigt ja genau, worum es ihnen geht

Markus Szyszkowitz
01

entweder haben Sie das Interview nicht gelesen, oder nicht verstanden, worum's hier geht.
was soll mir eine "Schleichwerbung" für eine website bringen?? - absurd!

Ossi der Bossi
00
ich glaube eher, ...

... dass Sie da etwas nicht verstanden haben. solange der dichand sie gezahlt hat, habens die Pappn gehalten. da war es ihnen so was von wurscht, dass das system krone antidemokratisch ist. es hat für die ziemlich lange gedauert, bis sie das überhaupt mal begriffen haben - aber da hat ihnen der alte ja schon die tür gezeigt. nichts für ungut, sie sollten vielleicht vor dem antworten auf leser-posting besser mal bis 10 zählen und nachdenken, worum es im posting auch geht.
die rhetorische frage "was soll mir eine "Schleichwerbung" für eine website bringen??" ist ziemlich naiv und spricht für sich.

OlafaufderPalme
12
FairPlaybyComradeH

Warum fallen all diese Kritiker nicht über die unfähigen,arroganten und humorlosen Politiker her?
Jawoll weil wir ,die wir im selben Boot sitzen, uns lieber selber zerfleischen.
Faymann und die anderen Köpfe der Sozialistischen Partei sollen das Feld für Idealisten, Newcomer und karismatische Persönlichkeiten freimachen.Anders ist das Vertrauen in die Partei nicht mehr herzustellen.
No pasaran!

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