Untersuchung läuft

30. Juni 2009, 14:48
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Wer die Verantwortung für die Kostenexplosion von 400 auf über 800 Millionen trägt, wird derzeit untersucht

Wien - Ob es bei der Terminalerweiterung am Flughafen Wien Unregelmäßigkeiten gegeben hat bzw. wer die Verantwortung für die Kostenexplosion trägt, wird derzeit untersucht. Dem Vorstand sei "von den Projektverantwortlichen" bis Februar berichtet worden, dass die Kostenschätzung von 657 Mio. Euro halten werde, sagte Vorstandssprecher Herbert Kaufmann am Dienstag in Wien. Als deutlich geworden sei, dass das nicht zu halten sei, sei ein Wechsel im Vorstand vorgenommen worden. Der zuständige Finanzvorstand Christian Domany wurde durch den ehemaligen niederösterreichischen Landesrat Ernest Gabmann abgelöst. Eine Untersuchung wurde eingeleitet und das Projekt neu aufgestellt worden, wurde heute zur Vorgangsweise erläutert.

Konkret untersucht der Grazer Gesellschaftsrechtler Waldemar Jud, ob eine Organhaftung vorliegt. Revision und Anwälte prüfen parallel dazu das gesamte Projekt. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen im Laufe des Sommers vorliegen.

Laut Flughafen wären die Gesamtkosten des 150.000 m2 großen Zubaus mit 830 Mio. Euro auch nicht sehr viel höher als vergleichbare Projekte, wie etwa Terminal 2 am Flughafen München. Dort seien die Kosten bei 5.700 Euro pro Quadratmeter gelegen, verglichen mit 5.500 pro Quadratmeter am Flughafen Wien. Ursprünglich waren die Baukosten für "Skylink" mit rund 400 Mio. Euro veranschlagt worden.

Komplexität unterschätzt

Projektleiter Norbert Steiner räumt allerdings ein, dass er "so etwa noch nicht erlebt" habe. Offenbar sei die Komplexität der Planung vor allem bei der Haustechnik mit allen Kontroll- und Sicherheitseinrichtungen unterschätzt worden. Neben dem Desaster bei der Haustechnik hätten auch die vor Baubeginn 2005/06 besonders hohen Kosten für Baumaterialien zu den Kostensteigerungen beigetragen. Auf die rund 60 Planer und Konsulenten entfallen bisher etwa 24 Prozent der Kosten, verglichen mit im Schnitt 22 Prozent bei ähnlichen Infrastrukturprojekten.

Bisher sind Rohbau und Fassade sowie Teile der Haustechnik des Terminals und der neue 450 m lange Pier-Ost mit 17 Andockstationen fertig. Was fehlt, sind die gesamten Innenausbauarbeiten sowie Lüftung und Installationen. Für die Konservierung des Baus fallen derzeit ebenso Kosten an wie für die Absicherung. Von der Beendigung der Verträge ist auch die Raiffeisen Evolution betroffen, die erst im Sommer 2008 mit der Projektleitung beauftragt worden war. Hier sei man zu einer konsensualen Lösung gelangt, wonach diese noch bis Ende Juli zur Verfügung stehe.

Vorstand genießt Vertrauen

Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzender Johannes Coreth bekräftigte am Dienstag in einer Aussendung, dass der Vorstand "das volle Vertrauen des Aufsichtsrats" genieße. Der Aufsichtsrat erwarte sich, "dass das Projekt in ruhigere Bahnen komme". Mit den vom Vorstand vorgeschlagenen Maßnahmen könnten bei Einhaltung der Terminpläne erhebliche Einsparungen bei den Prognosekosten erreicht werden, hieß es darin weiter.

Aus der Stadt Wien, neben dem Land Niederösterreich einer der beiden Kernaktionäre der Flughafen Wien AG, hieß es, man kommentiere operative Entscheidungen des Vorstandes nicht. Es gebe klare Zuständigkeiten im Vorstand für das Projekt und habe diese auch immer gegeben, sagte ein Sprecher von Finanzstadträtin Renate Brauner. Grundsätzlich sei der Flughafen ein gesundes Unternehmen von zentraler Bedeutung für die Ost-Region. (APA)

 

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