Karadzic will gar nichts gemacht haben

30. Juni 2009, 13:59
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Ex-Präsident der Republika Srpska weist Genozid- und sonstige Kriegsverbrechensvorwürfe zurück

Den Haag/Belgrad - Radovan Karadzic, der einstige Präsident der bosnisch-serbischen Republik (Republika Srpska), hat die Völkermord- und andere Vorwürfe der Kriegsverbrechen, welche die Anklage des UNO-Tribunals für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) gegen ihn erhoben hat, in einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben an das Haager Gericht zurückgewiesen. Er habe "kein einziges Verbrechen aus der Anklage je geplant, angeregt, angeordnet, begangen oder auf irgendeine andere Weise unterstützt", steht in dem Schreiben, auf welches sich die Belgrader Presseagentur BETA beruft.

Er sei "nie Teilnehmer irgendeines konzertierten verbrecherischen Vorhabens" gewesen und trage auch nicht die Verantwortung des Übergeordneten für die Verbrechen aus der Anklage. "Karadzic ist aufgrund keines einzigen Anklagepunktes schuldig", heißt es in dem Text weiter.

Der frühere Führer der Serben in Bosnien hatte es zuletzt im März abgelehnt, sich vor dem UNO-Tribunal zur Anklage zu äußern. Er berief sich auf eine angebliche Einigung mit dem einstigen Balkan-Beauftragten der USA, Richard Holbrooke, vom Juli 1996. Demnach sei ihm nämlich Straffreiheit zugesichert worden. Beweise für diese Einigung konnte Karadzic offenbar aber nicht vorlegen.

Die Haager Anklage wirft Karadzic in zwei Punkten Genozid vor. Einer bezieht sich auf das Massaker in Srebrenica, wo im Sommer 1995 rund 8.000 muslimische Stadteinwohner von Truppen der bosnischen Serben ermordet wurden. Der zweite bezieht sich auf Kriegsverbrechen in 27 Gemeinden Bosnien-Herzegowinas im Jahr 1992.

In weiteren fünf Punkten der Anklage werden Karadzic Verbrechen gegen die Menschlichkeit, in vier Punkten auch Verstöße gegen das Kriegsrecht zur Last gelegt. Die Vorwürfe gegen den Ex-Präsidenten, der lange Zeit einer der meist gesuchten ICTY-Angeklagten war, konzentrieren sich auf "ethnische Säuberungen" in der Zeitspanne 1992-1995, "Terror gegen die Zivilbevölkerung" im Rahmen der Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo und auch auf die Geiselnahme von rund 380 UNO-Soldaten im Mai und Juni 1995.

Karadzic wurde im Juli 2008 überraschenderweise in Belgrad festgenommen, wo er mindestens ein Jahr lang unter dem Namen Dragan Dabic als Heilpraktiker tätig war. Die zwölf Jahre davor war er untergetaucht. Als Dragan Dabic hielt Karadzic sogar Vorträge und verfasste Fachartikel. (APA)

 

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