Post ersetzt 100 Postämter durch Postpartner

30. Juni 2009, 17:06
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In allen Bundesländern außer Wien

Wien - Die Post schießt ab morgen, dem 1. Juli, 100 Postämter und ersetzt sie durch Postpartner. Der Startschuss fällt in Krems. Für weitere 15 bis 20 Umsetzungen fehlt laut Post-Filialvorstand Herbert Götz nur noch die Unterschrift. In den kommenden Wochen wird nun eine Postfiliale nach der anderen geschlossen und ersetzt. 41 der bisher 100 unterzeichneten Verträge gehen an Lebensmittelhändler, 12 an Trafiken. Die meisten Postämter, und zwar 26, werden in Niederösterreich zugemacht. In den Stadtgebieten werden 24 Filialen ohne Ersatz dicht gemacht. Die Schuld für die Schließung von kapp 300 Postämtern schieben einander die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP in die Schuhe.

In Oberösterreich werden ab 1. Juli 24 Postämter geschlossen und gleichzeitig ersetzt. Weitere 20 in der Steiermark, 10 in Tirol, 7 in Kärnten, 6 in Salzburg, 5 im Burgenland und 2 in Vorarlberg. Genaue Standorte wurden heute von Götz nicht bekanntgegeben. Neben Lebensmittelhändlern und Trafiken übernehmen 7 Elektrohändler und 7 Kaufhäuser künftig Postdienstleistungen. Die restlichen 33 Postämter verteilen sich auf unterschiedliche Branchen wie Apotheken, Bäcker oder Gemeindeämter.

Seit Monaten ist bekannt, dass die Post quer durch alle Bundesländer - außer Wien - rund 300 defizitäre Postämter schließen und durch Postpartner ersetzen wird. Zusätzlich will sie bis Jahresende weitere 156 neue Postpartner finden. Derzeit gibt es bereits 208 Postpartner in Österreich, die meisten davon in Niederösterreich.

1.650 Poststellen

In Summe soll es bis Jahresende 1.650 Poststellen (eigene Filialen, Partner) geben. "Zunächst einmal konzentrieren wir uns aber darauf, die 300 Ämter erfolgreich zu ersetzen. Erst dann gehen wir die zusätzlichen 156 an", sagte Götz am Dienstag vor Journalisten. Der Post-Vorstand ist optimistisch, dass bis zum Herbst jede der knapp 300 zu schließenden Postfilialen von einem Postpartner übernommen wurde und das Ganze ohne Kündigungen über die Bühne gegangen ist.

Die Bundeshauptstadt Wien ist von dem Ersatz Postamt durch Postpartner als einziges Bundesland nicht betroffen. Hier werden drei "Kleinfilialen" gleich ganz zugesperrt. Auch in Graz machen fünf Ämter zu und werden nicht durch Postpartner ersetzt. Insgesamt sind 24 kleinere Postämter in den Stadtgebieten betroffen. Für diese 24 Filialen ist vorgesehen, sie mit der nächst größeren Filialen zusammenzulegen, sagte Götz.

Die meisten Österreicher wissen von der Postpartner-Umstellung, Details sind jedoch größtenteils unbekannt, ergab eine Studie der Meinungsforscherin Sophie Karmasin, die ebenfalls heute präsentiert wurde. Die Umstellung auf Postpartner wird gut angenommen, die größten Vorteile sehen die Österreicher in den Öffnungszeiten und der Möglichkeit, Postangelegenheiten mit anderen Erledigungen zu verbinden. Große Skepsis herrscht hingegen bei der Beratung für Finanzdienstleistungen. 53 Prozent der Österreicher glauben, dass Postpartner bei Finanzberatungen weniger kompetent sind als Postfilialen.

Die gegenseitigen Schuldzuweisungen der Regierungsparteien nehmen kein Ende: SPÖ-Infrastruktursprecher Anton Heinzl warf der ÖVP heute vor, dem Postmarktgesetz die Zustimmung verweigert zu haben und damit für die Postamt-Schließungen verantwortlich zu sein. Finanzminister und Eigentümervertreter Josef Pröll (V) müsse "seine Verantwortung wahrnehmen und den Kahlschlag bei den Postämtern stoppen". ÖVP-Infrastruktursprecher Ferdinand Maier hingegen meinte, SPÖ-Infrastrukturministerin Doris Bures sei für die flächendeckende Versorgung der Österreicher mit Postdiensten verantwortlich. Ihre Vorschläge zum Postmarktgesetz, den Bürgermeistern die Letztentscheidung über die Schließung von Postämtern zu übertragen - seien "nicht tragbar" und zeugten von mangelnder Übernahme von Verantwortung.

Die Grünen sehen wie die ÖVP Bures am Zug. Sie solle "die Reißleine ziehen" und durch eine Änderung der Universaldienstverordnung die Postamtsschließungen verhindern. Auch die Arbeiterkammer fordert eine rasche Verabschiedung des Postgesetzes und einen Schließungsstopp für Postämter. Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer betonte, dass die Gemeinden das neue Postmarktgesetz dringend brauchen, um "die postalische Grundversorgung und deren Qualität sicherzustellen". (APA)

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