Stadt Wien sperrt Facebook für Beamte

30. Juni 2009, 12:45
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Mitarbeiter der Magistratsabteilungen der Stadt Wien dürfen nicht auf das Social Network zugreifen

Offenbar will die Stadt Wien nicht, dass Magistrats-Beamte während ihrer Arbeitszeit auf Facebook surfen und hat den Zugang zu dem Social Network gesperrt, wie der Grüne Gemeinderat und Landtagsabgeordnete Marco Schreuder auf Twitter berichtet. Für Schreuder völlig unverständlich, da Facebook ein wichtiges Kommunikationsmedium sei. "Wenn Beamte Facebook für private Zwecke nutzen, ist Aufklärung immer noch besser als eine Sperre", so Schreuder gegenüber dem WebStandard.

Nur für berufliche Zwecke

Laut Schreuder soll der Zugang zumindest für politische Klubs demnächst wieder freigegeben werden. Auch Andreas Baur, Pressesprecher des Grünen Klubs im Wiener Rathaus bestätigte auf Anfrage, dass er momentan keinen Zugriff auf das Social Network habe. Wie Rathaussprecher Rudolf Gerlich auf Anfrage des STANDARD bestätigte, habe man die Zugangsbeschänkung Anfang dieser Woche eingeführt. Mitarbeiter könnten aber den Zugang freischalten lassen, wenn sie ihn überwiegend für ihre Arbeit benötigen würden. Die Nutzung von Facebook habe eine Größenordnung erreicht, die eine Einschränkung erforderlich gemacht habe. 

Politisches Tool

Facebook hat sich in den letzten Jahren zu einem Tool gemausert, das auch zur Informationen und Organisation politischer Veranstaltungen genutzt wird. Zudem haben die meisten Parteien auch eigene Facebook-Seiten.

Entlassung nach Facebook-Zugriff

Vielen Arbeitgebern dürfte Facebook ein Dorn im Auge sein. Einige setzen es jedoch offenbar auch dazu ein, um ihre Mitarbeiter zu auszuspionieren. So sorgte im April der Fall einer Versicherungsangestellten in der Schweiz für Aufsehen, die nach dem Besuch der Seite während ihres Krankenstandes entlassen wurde. Die Frau hatte angegeben, aufgrund von Migräne nicht am Computer arbeiten zu können. Die Versicherungsgesellschaft hatte jedoch entdeckt, dass die Mitarbeiterin während dieser Zeit auf Facebook gepostet hatte, und sie entlassen.

US-Stadt verlangt Passwörter

Die Facebook-Sperre dürfte für Beamte und Politiker ärgerlich sein. Die US-Stadt Bozeman in Montana geht jedoch noch viel weiter und verlangt von Personen, die sich als Beamte bewerben, Passwörter für eventuell vorhandene Accounts auf Facebook, YouTube und Co. Wie Montana's News Station berichtet, verstoße eine solche Aufforderung jedoch gegen das Recht auf Privatsphäre. Staatsanwalt Greg Sullivan verteidigt die Maßnahmen jedoch damit, dass das Ansehen der Stadt gewahrt werden müsse. Beamte müssten integere, moralische Personen sein.

Zensur?

Offenbar ist Facebook aber nicht die einzige Seite, die man im Magistrat nicht gerne sieht. Laut Schreuder sei für mehrere Monate schon einmal der Zugriff auf Seiten mit dem Wort "schwul" und "gay" gesperrt worden, was er allerdings erst herausgefunden habe, als er für eine Veranstaltung für schwule Senioren recherchieren wollte. (br/derStandard.at, 30. Juni 2009)

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