RZB sieht ihren Kapitalpolster gut gefüllt

30. Juni 2009, 17:34
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RZB-Anleihetausch wurde mangels Interesse abgesagt

Wien - Während der Internationale Währungsfonds (IWF) den im Osten stark engagierten Banken wiederholt eine höhere Kapitalisierung nahelegte, beteuern Österreichs Großbanken, keinen Nachschlag aus staatlichem Eigenkapital zu benötigen. Der Chef der Raiffeisen Zentralbank (RZB) und Obmann der Bundeskreditsparte, Walter Rothensteiner, tritt für die Verlängerung des Bankenpakets ein, um den Zeitrahmen für die Emission von Garantieanleihen zu strecken und im Bedarfsfall etwas in der Hinterhand zu haben. "Nicht aber, weil es ,nice to have‘ ist" . Für staatliches Partizipationskapital seien hohe Zinsen zu zahlen, "wir müssen auch auf die Rentabilität achten" , erklärte er am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

"Keine Rede davon , dass die Krise im Osten vorbei sei, sagte Rothensteiner, der auch Raiffeisen-International-Aufsichtsratschef ist. Aber: "Man lernt mit der Krise umzugehen." Raiffeisen sei in seinen 17 Märkten "gut diversifiziert" - und schraubt laut Informationen des Standard sein Geschäft im Osten um rund ein Fünftel zurück.

Die RZB hat aus regulatorischen Gründen (Basel II) einen Eigenkapitalbedarf von zwei Mrd. Euro, demgemäß habe man - überwiegend mit Staatshilfe - 2,5 Mrd. Euro (davon 500 Mio. privat platziert) aufgestellt. Über den Sommer hofft Rothensteiner, Erleichterungen der Eigenkapitalvorschriften durchboxen zu können. Generell sieht er RZB und Raiffeisen International (RI) ausreichend kapitalisiert. Auch mit dem Geschäft ist er zufrieden, "ich fürchte mich nicht vor der Halbjahresbilanz".

2008 sei das kumulierte Betriebsergebnis der Gruppe (ohne Ausland) um 23 Prozent auf fast vier Mrd. Euro gestiegen, das EGT brach krisenbedingt um 59 Prozent auf 891 Mio. Euro ein. Unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 350 Mio. Euro - eine Milliarde weniger als 2007.

Eine Schlappe hat die Bank am Montagabend erlitten. Nur jeder fünfte Investor hat das Angebot eines RZB-Anleihetausches der RZB angenommen; der daraufhin abgeblasen wurde. Wie der Standard am Dienstag berichtete, wollte eine Jersey-Tochter der Bank, die für die Mutter Kapital am internationalen Finanzmarkt aufnimmt, 500 Mio. Euro an Hybrid-Kapital tauschen, um so für die Bank Buchgewinne bis zu 225 Mio. Euro zu erzielen.

Tauschversuch geplatzt

Hybrid-Kapital ist eine Mischung aus Eigenkapital (wie Aktien) und Fremdkapital (Anleihen); Banken zahlen nur dann Zinsen auf solche Papiere, wenn es die Ressourcen des Unternehmens zulassen. Die Finanzkrise hat die Preise von Hybrid-Kapital daher in den Keller stürzen lassen. Das RZB-Papier, das 5,169 Prozent Kupon pro Jahr zahlt, notierte zwischendurch bei nur knapp 11,5 Prozent des Ausgabewertes.

Die RZB wollte die Anleihe um 55 Cent pro Euro in ein Papier mit deutlich höheren Kuponzahlungen (15 Prozent) tauschen. Die Investoren hätten so einen Verlust von 45 Prozent realisieren müssen. Aus der RZB heißt es dazu, zahlreiche Inhaber der Wertpapiere hätten sie immer noch mit deutlich höheren Kursen in den Büchern und wollten die Verluste nicht realisieren. (gra, sulu, DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2009)

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