Video-Schalte

    30. Juni 2009, 12:09
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    Eine Wagenladung Schnoddrigkeit

    Man nehme ein Verb, streiche das auslautende -n und fabriziere kurzerhand ein Nomen daraus: Das ist das Prinzip, das der "Denke" oder der "Schreibe" zugrunde liegt. Ich mag Wörter von diesem Typus ganz und gar nicht, und daher geht mir auch ein Ausdruck wie die "Video-Schalte" massiv gegen den Strich. Leider liest man ihn aber, und man liest ihn nicht nur, sondern man liest ihn immer öfter, wie etwa in einem Bericht der Bild-Zeitung, über die Vergabe der MTV-Awards in Kopenhagen: "Comedy-Kollege Borat ätzte via Video-Schalte, er habe mit den Pussycat Dolls ein Baby gemacht - ob Madonna es kaufen wolle?" Selbst auf der Homepage von Radio Vatikan ist von einer "Video-Schalte zum Papst" die Rede.

    Weshalb der Widerwille gegen Denke-Schreibe-Schalte? Weil ich den Eindruck nicht los werde, dass sich in jedem einzelnen Bestandteil dieses Trios Schnoddrigkeit, Pampigkeit und Maulfaulheit ("Denke" statt "Art zu denken"; Schreibe" statt "Art zu schreiben; "Schalte" statt "Schaltung" ) auf unangenehme Art vermählen - daher hier eine ganz entschiedene Schelte für Schalte und Co. Bin gespannt, ob meine abschätzige Einschätze in der Poste der verehrten Leser geteilt wird.

    Von Christoph Winder

    Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
    Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at

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