Erstmals Todesopfer auf europäischem Festland

30. Juni 2009, 11:58
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Frau mit Vorerkrankungen nach Entbindung in Madrider Krankenhaus gestorben

Zum ersten Mal ist auf dem europäischen Festland ein Mensch an der Schweinegrippe gestorben. Eine schwangere Marokkanerin, die in Spanien lebte, erlag am Dienstag in Krankenhaus in Madrid den Folgen der Infektion. Das Kind der 20-Jährigen, die sich im siebenten Monat befand, konnte von Ärzten gerettet werden. Die Mediziner holten den Buben am Montag per Kaiserschnitt auf die Welt, nachdem sich der Zustand seiner Mutter rapide verschlechtert hatte.

Die Ärzte untersuchten, ob das Baby ebenfalls mit dem neuartigen H1N1-Virus infiziert ist. Wie das spanische Gesundheitsministerium mitteilte, hatte die Mutter an Asthma gelitten. Die Infektion mit dem neuen H1N1-Virus hatte eine Lungenentzündung zur Folge, an der die Marokkanerin starb. In Europa hatte es zuvor zwei bestätigte Schweinegrippe-Todesfälle gegeben, beide in Großbritannien. Bei einem dritten Fall auf der Insel ist unklar, ob tatsächlich das H1N1-Virus den Tod verursachte.

In Österreich gab es in der Zwischenzeit den 15. Schweinegrippefall. Ein junger Grazer hat sich offenbar bei einem Aufenthalt in Argentinien mit der Krankheit infiziert, berichtete das Gesundheitsministerium in Wien. Er hat sich nach seiner Rückkehr selbst ins Spital begeben. Der junge Mann klagte über die typischen Grippesymptome. Im Krankenhaus wurde dann der H1N1-Virus nachgewiesen. Der Grazer befindet sich inzwischen wieder auf dem Weg der Besserung.

Ort der Infektion unklar

Bei der in Spanien gestorbenen Marokkanerin namens Dalilah war am Dienstag unklar, wo sie sich mit dem Virus infiziert haben könnte. "Sie war nicht berufstätig, sie fuhr nicht mit der U-Bahn und besuchte keine Einkaufszentren", berichtete ein Verwandter der Zeitung "El Mundo". Dalilah sei in jüngster Zeit auch nicht ins Ausland gereist. Sie war nach Angaben der Familie eine erfolgreiche Leichtathletin gewesen und hatte in Marokko und Algerien mehrere Laufwettbewerbe gewonnen. Sie lebte seit eineinhalb Jahren in Spanien und war vor wenigen Tagen 20 Jahre altgeworden. Nach weiteren Angaben der Familie hatte die Frau dreimal wegen Fiebers die Ambulanz eines Krankenhauses aufgesucht. Sie sei aber von den Ärzten nach Hause geschickt worden, sagte ein Angehöriger. Erst beim vierten Mal sei sie mit einer Lungenentzündung aufgenommen worden.

In Spanien wurden bisher 717 Fälle von Schweinegrippe registriert. In fast allen Fällen verlief die Krankheit harmlos. Allerdings schwebten am Dienstag drei Infizierte in Lebensgefahr. Dies waren nach Angaben der Behörden eine 35-jährige Frau und ein achtjähriger Bub in Madrid sowie ein 32-jähriger Mann in Tarragona im Nordosten des Landes. Weltweit starben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehr als 300 Menschen an der Schweinegrippe. Die meisten Todesfälle gab es demnach in den USA (127) und Mexiko (116). Weltweit wurden bisher rund 70.000 Schweinegrippefälle festgestellt. Die bei einem Patienten in Dänemark beobachtete Resistenz der Schweinegrippe-Erreger vom neuen A(H1N1)-Typ ist für den Entwickler und Produzenten des Neuraminidasehemmers Oseltamivir ("Tamiflu"), Roche, derzeit kein Grund zur Sorge.  (APA/dpa)

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