Preisverfall in Eurozone bei 0,1 Prozent

30. Juni 2009, 11:03
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Die jährliche Inflationsrate der Eurozone ist im Juni erstmals unter die Null-Prozent-Grenze gesunken

Brüssel - Nach einer Vorausschätzung von Eurostat betrug sie minus 0,1 Prozent. Das ist ein historisches Rekordtief. Es handelt sich um den niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen vor zwölf Jahren.

Eine detaillierte Untergliederung wird es frühestens am 15. Juli geben. Bei einer Deflation fallen die Preise auf breiter Front. Wirtschaftsexperten warnten zuletzt vor einer Abwärtsspirale, die die gesamtwirtschaftliche Nachfrage lähmt.

Folgen für die Wirtschaft

Deflation ist so etwas wie der Super-GAU einer Volkswirtschaft. Sie ist durch einen Preisverfall auf breiter Front und über einen längeren Zeitraum hinweg gekennzeichnet. Sinken die Preise für Autos, Fernseher und viele andere Waren und Dienstleistungen erst einmal, lauern die Verbraucher auf noch günstigere Angebote. Sie wollen nicht heute kaufen, was morgen noch billiger werden könnte. Dadurch dreht sich die Abwärtsspirale schneller.

Die Folge: Umsatz und Gewinne der Unternehmen brechen ein. Sie treten auf die Kostenbremse, investieren nicht mehr, bauen massiv Stellen ab. Die verunsicherten Verbraucher scheuen dann erst recht größere Anschaffungen. Der Konsum als wichtigster Motor der Binnenkonjunktur wird abgewürgt - ein Teufelskreis.

Wie schwer sich ein Land daraus befreien kann, zeigt das Beispiel Japan: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt brauchte zehn Jahre, um sich von der 1993 eingesetzten Deflation zu erholen. Billionenwerte wurden in dieser Zeit vernichtet. (APA)

 

 

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