AWD wirft VKI mediale Hetze vor

30. Juni 2009, 10:56
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VKI verhindere seit neun Monaten konstruktive Lösungen - Prozessrisiken werden verharmlost

Wien - Der Finanzdienstleister AWD wirft dem Verein für Konsumentenschutz (VKI) im Zusammenhang mit der heute Dienstag beim Handelsgericht Wien eingebrachten Sammelklage "mediale Hetze" vor. Der VKI als staatlich subventionierter Verein habe sich im Zusammenhang mit dem Vorwurf von Falschberatungen durch AWD-Berater nie für konstruktive Lösungen interessiert, kritisierte AWD Österreich & CEE-Geschäftsführer Kurt Rauscher am Montagabend vor Journalisten.

Seit über neun Monaten verhindere der VKI konstruktive Lösungen für die möglichen Geschädigten und setze auf stattdessen auf zeit- und kostenintensive Prozesse mit ungewissem Ausgang. Bis heute seien nur zehn der 2.300 vom VKI gesammelten Beschwerden an den AWD weitergeleitet worden. Bei diesen sei es in begründeten Fällen auch zu Lösungen gekommen. Die anderen habe er "für die mediale Hetzkampagne" zurückgehalten. "Wir sind ziemlich empört darüber, dass geht so nicht", so Rauscher.

Trittbrettfahrer

Tatsächlich habe der VKI seit dem vergangenen Oktober über den AWD "Unwahrheiten und Lügen" verbreitet. Tausende von Trittbrettfahrern hätten sich vom VKI verführen lassen, bei der Sammelklage mitzumachen, deren Prozessrisiken verharmlost würden. Die Erfolgsversprechungen seien völlig zudem unrealistisch. Die "Falschmeldungen" des VKI hätten nicht nur unbescholtene AWD-Berater sondern auch AWD selbst geschädigt. "Sie können davon ausgehen, dass das kein berauschendes Quartal war", so Rauscher. Von den bisher abgebauten 140 Beratern hätten zwei Drittel den medialen Druck nicht mehr ausgehalten. Derzeit gebe es 1.080 Berater. Von den 300.000 Kunden seien nur wenige verloren worden.

Bedauerlich findet es Rauscher auch, dass durch das "sture Vorgehen" des VKI in Einzelfällen keine Einigung erzielt werden konnte. "Dem VKI geht es nicht um die Menschen, sondern um die Schädigung des AWD", kritisierte Rauscher. Bei den Klagen gehe es im Wesentlichen darum, ob der AWD beim Vertrieb von Immofinanz-Aktien seine Kunden ausreichend über das Risiko des Investments informiert hat. Laut Rauscher seien 82 Prozent der Immofinanz-Aktien von anderen Unternehmen vermittelt worden.

"Ideales Opfer"

Rauscher glaubt aber, dass sich der VKI gegenüber dem als "ideales Opfer" erscheinenden AWD "verpokert" hat. "Alle haltlosen Vorwürfe treffen den VKI selbst", so Rauscher. Der VKI werde zwar weiter Pauschalverurteilungen trommeln und versuchen, den AWD unter medialen Druck zu stellen, er begebe sich mit der Sammelklage jedoch auf dünnes Eis, auf dem er bereits zweimal eingebrochen sei - beim Musterprozess im Februar und der Verbandsklage im Juni.

AWD-Rechtsvertreter Gregor Beer geht davon aus, dass die vom VKI gesammelten Fälle um mögliche Falschberatungen sich nicht für eine Sammelklage eignen, da es bei jedem einzelnen Betroffenen unterschiedliche Auswirkungen gebe. "Die Frage wird sein, ob dieses Vorgehen überhaupt zulässig ist", so Beer. Sollte das Gericht zur Ansicht kommen, es wolle das nicht in der Form, könnte die Verfahrensdauer sehr kurz sein, so Beer. Anderenfalls rechnet er mit einer Prozessdauer von rund einem halben Jahr, da jeder der 100 Klagsbeteiligten vor Gericht aussagen müsse. (APA)

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