Auf dem Weg zur Versteifung

30. Juni 2009, 10:46
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Rückenschmerzen mit schweren Folgen - Morbus Bechterew wird häufig sehr spät diagnostiziert

Dass hinter chronischen Rückenschmerzen Morbus Bechterew stecken kann, ist noch zu wenig bekannt. Oft sind die Patienten mit einem Hypochondrie-Vorwurf konfrontiert, der die Diagnosestellung hinauszögern kann. Auch Probleme im Job bis hin zum Mobbing stehen an der Tagesordnung. Eine Früherkennung ist daher umso wichtiger. Nach der Diagnosestellung durch einen Rheumatologen bekommen die Patienten Zugang zu einer effizienten und innovativen Therapie, die viel Leid ersparen kann.

Fast jeder hat bereits einmal in seinem Leben Erfahrungen mit Rückenschmerzen, Muskelverspannungen oder steifen Gelenken gemacht. Oft steckt nur eine akute Episode dahinter, die kurz andauert und von selbst wieder nachlässt. Manchmal kann hinter den Episoden jedoch eine ernsthafte chronische muskuloskeletale Erkrankung stecken, wie beispielsweise Morbus Bechterew. Rund 50.000 Österreicherinnen und Österreicher leiden an Morbus Bechterew. Männer sind um das zwei- bis fünffache häufiger betroffen als Frauen. Die meisten Patienten und Patientinnen sind noch recht jung und erkranken vor dem 30. Lebensjahr, also in einem Lebensabschnitt, in dem sie mitten im Berufsleben stecken. Ein von der britischen Work Foundation veröffentlichter Report „Fit for Work?" zeigt, dass muskuloskeletale Erkrankungen - zu denen auch Morbus Bechterew zählt - in Österreich die häufigste Ursache von Morbidität, Krankenstandstagen und Frühinvalidisierungen darstellen. Die Studie zeigt aber auch, dass gerade ein aktives Berufsleben positiv zu Genesung beitragen kann. Die wesentlichen Entscheidungsträger wie insbesondere auch die Politik sollten die ökonomischen und psychosozialen Vorteile früher Intervention erkennen und Maßnahmen treffen, diese in Österreich zu nutzen.

Früherkennung entscheidend

Leider ist diese chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule noch viel zu wenig bekannt und wird oft entsprechend spät erst diagnostiziert. Dabei können Früherkennung und eine angemessene Therapie den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Im Schnitt wird Morbus Bechterew jedoch erst fünf bis sieben Jahre nach Symptombeginn diagnostiziert. Das auffälligste Symptom, die so genannte Bambusstabwirbelsäule, ist bereits ein Spätsymptom: Durch die chronische Entzündung kommt es - unbehandelt - zu einem fortschreitenden Verlust der Beweglichkeit bis hin zu einer völligen Versteifung der Wirbelsäule. In frühen Stadien ist die Krankheit leider schwer zu diagnostizieren, weil die Symptome oft unspezifisch sind. Umso wichtiger ist es, bei folgenden Symptomen eine Abklärung beim Rheumatolgen zu veranlassen:

· Tief sitzender Rückenschmerz, der sich auf Dauer ausbreitet

· Besserung der Beschwerden bei Bewegung

· Bestehen der Beschwerden seit mehr als drei Monaten

· Morgensteifigkeit im Rücken, über 30-45 Minuten nach dem Aufstehen

· Müdigkeit

· Auftreten von Entzündungsschmerzen der Sehnen und Sehnenansätze, vor allem in Form von Fersenschmerzen

· Fortschreitende Versteifung der Wirbelsäule bzw. Gelenksentzündung an peripheren Gelenken (Knie, Handgelenke, Ellenbogen oder Füße)

· Entzündung der Regenbogenhaut (Iritis) oder Bindehaut (Uveitis) im Auge, Beteiligung von Haut oder Darm

Morbus Bechterew betrifft nicht nur die Wirbelsäule, sondern kann auch mit einer begleitenden Symptomatik wie Sehnen- und Augenentzündungen einhergehen. Die Erkrankung ist generell schwer zu diagnostizieren, eine Berücksichtigung der Begleitsymptome kann die Diagnosedauer wesentlich verkürzen. Entsprechend den Empfehlungen des „Fit for Work-Reports" sollte der untersuchende Arzt auch das biopsychosoziale Modell vor Augen haben, indem er das gesamte Umfeld des Patienten bei der Diagnosestellung berücksichtigt. Für Patienten gilt daher, dem Arzt die gesamte Krankengeschichte zu erzählen, und nicht nur auf die aktuelle Symptomatik einzugehen. (red)

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