Wer Wind sät, wird sparsame Autos ernten

30. Juni 2009, 16:54
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170 Millionen Euro investiert: BMW eröffnet neues Aerodynamisches Versuchszentrum in München

"Wer aufhört, in die Zukunft zu investieren, setzt seine Zukunft aufs Spiel." Den Worten von BMW-Entwicklungschef Klaus Draeger anlässlich der Eröffnung des AVZ (Aerodynamisches Versuchszentrum) zufolge kaufte sich der ingenieursgetriebene Premiumhersteller soeben um 170 Mio. Euro in die Zukunft ein. So hoch nämlich sind die Investitionen in den fünfstöckigen Neubau samt zwei hochmodernen Windkanälen. Nötig wurde diese Versuchsstätte der Superlative, in der 500 Mitarbeiter werken, auch, weil BMW erkannt hat, dass es künftig immer mehr auf Schlüpfrigkeit ankommt. Windschlüpfrigkeit, selbstverständlich.

Man sehe, so Draeger weiter, Aerodynamik - neben Antrieb und Leichtbau - als eine der drei "maßgeblichen Säulen", auf denen das Spritsparerfolgskonzept der effizienten Dynamik aufbaue. Durch "Efficient Dynamics" nämlich hat sich der CO2-Ausstoß der BMW-Automobile von 2006 bis 2008 um 15, der von Mini um 20 Prozent verringert, und das soll noch längst nicht alles gewesen sein. Zur Veranschaulichung, was bessere Aerodynamik bedeutet: Eine Reduktion des Luftwiderstands um zehn Prozent bedeutet eine Verbesserung beim Verbrauch zwischen zwei und drei Prozent.

Angesiedelt ist das AVZ beim FIZ (Forschungs- und Innovationszentrum), wo 6000 Ingenieure an immer besseren BMWs tüfteln - was für die Bayern heißt: Weniger Emissionen, noch mehr Fahrfreu(n)de.

Im AVZ ist nun aerodynamischer Feinschliff möglich, der so bisher undenkbar war. Zwei der Hauptbaustellen: Fahrzeugunterboden und, vor allem, Radkästen. 30 Prozent des Luftwiderstands, erfuhr der Standard in einem der Workshops, entstünden im Radhaus. Künftig wird dort die Luft erheblich weniger stauen und wirbeln, darauf dürfen wir uns schon einmal freuen - für weniger Wirbel sind wir immer zu haben.

In den Windkanälen sind übrigens Orkane bis 300 km/h darstellbar. Im einen wird an Objekten in Originalgröße geforscht, im anderen an Modellen. An der Entstehung solch gewaltiger Stürme wirken Gebläse mit acht und 6,3 Metern Durchmesser mit. Und um sogar die Straße noch mit darzustellen, sprintet ein Laufband mit der jeweils gewählten Windgeschwindigkeit unter dem Auto durch.

Die hier gewonnen Erkenntnisse fließen postwendend in die aerodynamische Computersimulation ein, wo wiederum neue Fragestellungen für das AVZ generiert werden, und so schaukelt sich die Sache nach dem umweltgünstigsten aller Winde hoch. Die Gefahr, dass alle BMWs in zehn Jahren entsprechend der aerodynamisch günstigsten Form wie Blechtropfen aussehen, ist trotzdem gering, zumal nicht zuletzt die von Anfang an in die Aerodynamikauslegung eines neuen Autos eingebundenen Designer ihr Veto einlegen würden.

Auf jeden Fall gilt für die BMWs der Zukunft: Wer Wind sät, wird sparsame Autos ernten. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/26.6.2009)

  • Macht viel Wind: Acht Meter Durchmesser hat die Turbine des großen BMW-Windkanals.
    foto: werk

    Macht viel Wind: Acht Meter Durchmesser hat die Turbine des großen BMW-Windkanals.

  • Fünf Stockwerke hoch ist das neue Versuchszentrum, die beiden 300-km/h-Windkanäle sind auch von außen gut erkennbar.
    foto: werk

    Fünf Stockwerke hoch ist das neue Versuchszentrum, die beiden 300-km/h-Windkanäle sind auch von außen gut erkennbar.

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